Zu wenig Rückhalt in Parlament und Ortsbeiräten

Absage vom Land: Haina wird nicht Tischbein-Gemeinde

Goethe in der Campagna: Das Bild stammt von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, dem berühmtesten Maler der Hainaer Künstlerfamilie.
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Goethe in der Campagna: Das Bild stammt von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, dem berühmtesten Maler der Hainaer Künstlerfamilie.

Aus der Traum von der Tischbein-Gemeinde Haina/Kloster: Das Hessische Innenministerium hat den Antrag der Gemeinde Haina auf den Namenszusatz abgelehnt.

Haina/Kloster – Dabei schätzt das Ministerium die Bedeutung der aus Haina stammenden Künstlerfamilie Tischbein hoch ein. Grund für das Nein aus Wiesbaden ist die ablehnende Haltung von sechs Ortsbeiräten und das knappe Abstimmungsergebnis in der Gemeindevertretung für den Namenszusatz.

Das teilte jetzt Michael Schaich, Pressesprecher des Ministeriums, auf Anfrage mit. Die zur Begründung des Antrags eingeholte Expertise des Hessischen Staatsarchivs Marburg habe „die Bedeutung Hainas als Geburtsort und Ausgangspunkt der Künstlerdynastie Tischbein bestätigt. Das für eine Verleihung der beantragten Zusatzbezeichnung vorausgesetzte besondere Charakteristikum konnte somit als gegeben angesehen werden“, erläuterte der Sprecher.

Eine weitere wesentliche Voraussetzung für die Verleihung der Zusatzbezeichnung sei aber, dass der Beschluss der Gemeindevertretung über den entsprechenden Verleihungsantrag einstimmig oder wenigstens weitgehend einstimmig gefasst werden sollte.

Der Antrag von der Freien Bürgerschaft Löhlbach (FBL) hatte aber, wie berichtet, in der Hainaer Gemeindevertretung am 17. September 2020 nur eine ganz knappe Mehrzeit von elf zu neun Stimmen erhalten. Dazu sagte der Ministeriumssprecher: „Folglich hat nahezu die Hälfte der anwesenden Gemeindevertreter den Antrag abgelehnt. Es ist zwar gesetzlich nicht normiert, dass die Verleihung einer Zusatzbezeichnung von einem einstimmigen Beschluss oder wenigstens stark überwiegender Mehrheit abhängt, aber in der Vergangenheit wurde dieses strenge Verleihungskriterium stets im Rahmen der Ermessensausübung („Kann“) berücksichtigt.“

Erschwerend sind laut Ministerium auch die mehrheitlich negativen Voten aus den Ortsbeiräten anzusehen. Wie berichtet, hatten sechs der acht Ortsbeiräte gegen den Zusatznamen gestimmt. Lediglich der Löhlbacher Ortsbeirat hatte ihn befürwortet. Mohnhausen hatte sich enthalten.

„Bislang wurde keinem Antrag mit einer solch hohen Anzahl an Gegenstimmen stattgegeben, insofern wurde auch der Antrag der Gemeinde Haina ablehnend beschieden“, sagt das Ministerium.

Verein der Klosterfreunde: Denkpause für Neubesinnung

Der Verein der Freunde des Klosters Haina bedauert es sehr, dass das Hessische Innenministerium den Antrag der Gemeinde Haina auf Führung der Bezeichnung Tischbein-Gemeinde abgelehnt hat. Allerdings ist die Begründung, die betreffende Entscheidung des Kommunalparlamentes sei nur mit knapper Mehrheit und gegen die Meinungsbildung in der Mehrheit der Ortsteile gefasst worden, bedenkenswert.“

Weiter heißt es in der Erklärung des Klosterfreunde-Vorstandes: „Der von uns gut geheißene Vorstoß ist leider ins Leere gelaufen. Man sollte die jetzt entstandene Lage für eine Denkpause und für eine Neubesinnung nutzen. Unser Eindruck ist, dass weniger die Bedeutung der Maler-Familie Tischbein im Mittelpunkt der bisher geführten Auseinandersetzungen stand als vielmehr lokale und politische Empfindlichkeiten, die mit anderen Fragen verknüpft sind. Es wäre schön, wenn diese Probleme behutsam gelöst werden könnten und dann die Frage einer Zusatzbezeichnung erneut auf die Tagesordnung käme. Andere Gemeinden würden sich nach einem Namenspatron wie der in ganz Europa bekannten Maler-Dynastie der Tischbeins die Finger lecken.“

Initiator Heinz Brück: Eine vertane Chance

„Der Hinweis auf Haina als Herkunftsort der Künstlerfamilie Tischbein wäre ein großer Gewinn für die Außendarstellung unserer Gemeinde gewesen“, bedauert Heinz Brück die Ablehnung. Der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Freien Bürgerschaft Löhlbach hatte die Beantragung des Namenszusatzes initiiert. Dass das Ministeriums die Absage mit der ablehnenden Haltung vieler Ortsbeiräte und Gemeindevertreter begründe, könne er jedoch nachvollziehen. Mit ihrer Haltung hätten die Kommunalpolitiker, die gegen den Zusatz stimmten, eine Chance vertan. „Vielleicht gibt es ja später mal eine neue Mehrheit“, hofft Brück. 

Von Martina Biedenbach

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