Langjährige Rektorin der Friedrich-Trost-Schule stirbt nach schwerer Krankheit

Abschied von Helga von Bünau

Frankenberg - Ein großes, gütiges Herz hat aufgehört zu schlagen. Tiefe Betroffenheit hat der Tod der ehemaligen Rektorin der Friedrich-Trost-Schule und langjährigen Vorsitzenden der Lebenshilfe ausgelöst.

Nach schwerer Krankheit verstarb Helga von Bünau im Alter von 86 Jahren in ihrem geliebten „Waldhäusel“ in Frankenberg. Sie hat an vorderster Stelle jahrzehntelang die Behindertenarbeit im Altkreis mitgestaltet. Ihre christliche Prägung, gepaart mit außergewöhnlichem sozialen Verantwortungsbewusstsein, bestimmte ihr gesamtes Wirken.

Helga von Bünau, deren Familie zum Naumburger Uradel gehörte, wurde als eines von fünf Kindern des Juristen Heinrich von Bünau in Leipzig geboren. Sie wuchs in Chemnitz, Tharandt und in Magdeburg auf. Der Krieg überschattete ihre Gymnasialzeit. Mit 17 Jahren begann sie ihre Lehrerausbildung am Lehrerbildungsinstitut in Reichenbach/Sachsen und versah danach ihren Schuldienst an verschiedenen Orten in der DDR.

1953 verlässt die Familie Bünau, der Vater verstarb 1949, auf abenteuerliche Weise die DDR und versucht einen Neuanfang in der BRD. Helga von Bünau arbeitet zunächst als technische Angestellte in der Industrie und beginnt 1958 ein Studium für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen am Pädagogischen Institut Weilburg, das sie 1960 mit der Ersten Staatsprüfung abschließt. Sie tritt in den hessischen Schuldienst ein, arbeitet ein Jahr an der Volksschule in Allendorf, wird dann an die Ortenbergschule versetzt und widmet sich in besonderer Weise den Sonderschulklassen. Dort findet sie ein Betätigungsfeld, das ihren Intentionen voll gerecht wird: Es sind Menschen mit vielfältigen Behinderungen und Benachteiligungen. Diese „Sorgenkinder des Lebens“ liegen ihr besonders am Herzen. Unermüdlich setzt sie sich für die Förderung und Integration behinderter Menschen ein. Im November 1965 ist sie Mitbegründerin der Frankenberger „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind“, deren Vorsitzende sie bis 1991 ist. Nebenbei absolviert sie ein Studium der Heil- und Sonderpädagogik an der Philipps-Universität Marburg, das sie mit einem erneuten Staatsexamen abschließt.

Mit großem Elan kämpft diese dynamische, durchsetzungsstarke Frau für die Einrichtung einer selbstständigen Sonderschule für Lernbehinderte in Frankenberg. Im Jahr 1971 hat sie es geschafft. Sie wird mit der Übernahme der Schulleitung der Friedrich-Trost-Schule in Frankenberg beauftragt. Es ist eine Sonderschule für Lernbehinderte und praktisch Bildbare. Aber sie setzt sich ein weiteres, ambitioniertes Ziel: die Errichtung eines großen „Zentrums für Behinderte“ - alles unter einem Dach. 1973 erfolgt die Ernennung zur Rektorin der Friedrich-Trost-Schule, die sie bis 1994 mit beispielhaftem Elan und hoher pädagogischer Fachkompetenz couragiert leitet. Vor 41 Jahren initiierte sie den ersten Adventsbasar der Lebenshilfe in der Rathausschirn.

Helga von Bünau verstand es, ihre Mitarbeiter für ihre Pläne und Schulprojekte zu motivieren. Von ihrer Persönlichkeit ging ein mitreißender Schwung aus. Die Zusammenarbeit mit dieser Powerfrau war nicht immer einfach. Sie konnte kämpfen wie eine Löwin. Oft kam es zu heftigen Diskussionen, die aber der Hochschätzung der „Chefin“ nie Abbruch taten. Persönlich war sie die Bescheidenheit in Person, litt aber ständig unter Zeitdruck. Ihr Engagement wurde in der Öffentlichkeit immer wieder gewürdigt. 1985 erhielt sie den Ehrenbrief des Landes Hessen. Am 15. März 1989 wurde ihr das Verdienstkreuz am Bande verliehen.

Neben ihrer beruflichen Arbeit engagierte sie sich vor allem bei der Lebenshilfe. Aber auch die evangelische Kirche hat ihr viel zu verdanken. Viele Jahre gehörte sie dem Kirchenvorstand an und sang aktiv in der Kantorei der Liebfrauenkirche mit. In einem Brief schrieb sie: „Mein Glaube gibt mir immer wieder die Kraft, mich den Forderungen des Tages mutig zu stellen, weil ich in der Gewissheit lebe, von Gott geführt zu werden.“

Als sie 1994 in den Ruhestand verabschiedet wurde, übernahm sie neue ehrenamtliche Aufgaben. Schon bald gründete sie den Förderverein „Freunde der Friedrich-Trost-Schule“, dessen Vorsitzende sie wurde. Auch der Lebenshilfe und dem Geschichtsverein blieb sie weiterhin treu verbunden. Bis zu ihrem 80. Lebensjahr kümmerte sie sich als Leiterin des DRK-Seniorenclubs Hinstürz-Johannisland um ältere Menschen. Im Sommer bot sie weiterhin Familienfreizeiten für behinderte Kinder an, gab unentgeltlich Aussiedlerkindern Hausaufgabenhilfe und arbeitete im Vorstand des Kulturrings mit. Als der Marburger Universitätsbund - Sektion Frankenberg - eine neue Vorsitzende brauchte, übernahm sie bis 2008 auch dieses Amt.

Wie kaum eine andere Persönlichkeit in dieser Region war sie die Verkörperung gelebter Nächstenliebe und praktizierter Mitmenschlichkeit. Nun wird sie ihre letzte Ruhe auf dem Frankenberger Friedhof finden. Wir denken an sie mit Respekt und in tiefer Dankbarkeit.

Von Karl-Heinz Hartmann

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