Möbelhaus "Becker und Eckel" in Rennertehausen schließt

Ein Abschied mit Wehmut

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Günter Eckel hat seit 1974 im Rennertehäuser Möbelhaus gearbeitet – seit 1992 als Teilhaber. Am Mittwoch schließt das traditionsreiche Unternehmen, seit Monaten läuft der Ausverkauf. Eckel hat die Preise der letzten Möbel stark reduziert.Foto: Mark Adel

Allendorf-Rennertehausen - Günter Eckel erinnert sich noch gut an die Zeiten, als Möbelhäuser in der Region florierten. Als Kunden aus einem Umkreis von 50 Kilometern zu ihm nach Rennertehausen kamen, um die Küche, das Schlafzimmer oder das Wohnzimmer zu kaufen. Nun ist Schluss: Die meisten Möbel sind verkauft, am Mittwoch öffnet er zum letzten Mal.

Günter Eckel hat den Gebäudekomplex zum 1. Oktober verkauft. Was dann an Möbeln noch in den Hallen steht, übernimmt der neue Eigentümer. „Es sind die letzten Chancen für Kunden“, sagt Eckel, der die Restware stark reduziert hat.

Er hat 1974 als Verkäufer im Betrieb angefangen. 1992 wurde er Teilhaber. Die Firma war Ende der 1940er-Jahre als „Möbel-Schäfer“ auf dem Industriehof gegründet worden und Anfang der 60er-Jahre in die damals neu gebauten Hallen nach Rennertehausen umgezogen.

Für Günter Eckel ist es ein Abschied mit Wehmut. „Es gab keinen Tag, an dem ich nicht gern hierher gegangen bin. Es ist schwer, die Entscheidung zu treffen, aufzuhören.“

Doch einen Nachfolger gibt es nicht - auch, weil die Investitionen in das alte Gebäude enorm wären. Keine seiner drei Töchter hatte Interesse, den Betrieb fortzuführen. „1995 gab es den Plan, eine Million Mark zu investieren“, erzählt Eckel. „Im Nachhinein bin ich froh, dass ich das nicht gemacht habe.“ Denn das Dach wurde marode und verschlang große Summen.

Doch der 63-Jährige verbindet nur schöne Erinnerungen mit der Zeit im Möbelhaus. „Ich habe viele Menschen kennengelernt und mich mit einigen Kunden angefreundet.“ Beim Ausverkauf hätten viele ihr Bedauern bekundet. „Ich danke aber auch der Familie Schäfer für das Vertrauen, das sie mir 1992 gegeben hat“, sagt Eckel.

Zu den besten Zeiten beschäftigte er 15 Mitarbeiter, zum Schluss waren noch sechs. Alle hätten etwas Neues gefunden. Große Möbelhäuser locken Kunden, „die Leute fahren heute weiter“. Dabei hätte er die Preise fast immer unterbieten können. „Wenn sie hierher gekommen sind, haben sie gesehen, dass es noch günstiger ist.“ Doch auch der Möbelkauf im Internet hat dem Betrieb Kunden gekostet.

Einen Interessenten für die 3000 Quadratmeter große Halle zu finden, sei nicht schwer gewesen - wegen der Lage direkt an der Bundesstraße 253. „Ein Spediteur nutzt die Gebäude künftig als Lager.“ Der 63-Jährige, der offiziell seit August Rentner ist, freut sich auf die Freizeit - zum Beispiel beim Tennis.

Am Samstag ist das Einrichtungshaus von 9.30 bis 15 Uhr geöffnet, am nächsten Mittwoch noch mal von 15 bis 18 Uhr - und dann ist Schluss. Auf Lager hat Günter Eckel unter anderem noch hochwertige Küchen, Wohnzimmerwände und Schlafzimmer. (da)

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