Pfarrer Giugno hält den letzten Gottesdienst an Weihnachten selbst

Das Abschiednehmen beginnt

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Für Pfarrer Heinrich Giugno und Ehefrau Gaby ist das Weihnachtsfest eine besonders arbeitsreiche Zeit – aber dennoch eine besondere Zeit, weil sie spüren, dass ihre Arbeit in diesen Tagen die Antwort auf eine besondere Sehnsucht vieler Menschen ist. Foto: Andrea Pauly

Frankenau-Ellershausen - Acht Gottesdienste wird Heinrich Giugno während der Feiertage halten. Es ist sein letztes Weihnachtsfest als aktiver Pfarrer des Kirchspiels Louisendorf - und schon seit Wochen bereitet der 61-Jährige das Thema für seine Predigten vor. Darin will er den Menschen Hoffnung und Freude mit auf den Weg geben.

Jedes Jahr an den Weihnachtsfeiertagen macht Heinrich Giugno eine wiederkehrende Beobachtung: „Wenn ich in die Kirche komme, spüre ich eine unheimliche Spannung. Eine Mischung aus Erwartung und Sehnsucht, aber auch Erschöpfung und Anspannung. Und ich frage mich: Wie kann ich das auffangen?“

Um dieser Spannung nicht selbst zu erliegen, muss er selbst von Ruhe erfüllt sein, wenn er die Kirche betritt. Das geht nur mit guter Vorbereitung. Auf keinen Fall darf seine Predigt erst im letzten Moment fertig werden. Deshalb hat sich Heinrich Giugno schon Wochen zuvor Gedanken darüber gemacht, was das Thema seiner Weihnachtspredigt sein soll.

Seit 28 Jahren ist er Seelsorger in Ellershausen, Louisendorf und Allendorf/Hardtberg, jedes Jahr will er in den Weihnachtsgottesdiensten andere Schwerpunkte setzen. Ab Volkstrauertag hört er deshalb noch genauer hin als üblich, welche Fragen die Menschen derzeit besonders beschäftigen und überlegt, welchen Schwerpunkt er legen will.

Sein Thema für die diesjährigen Weihnachtsgottesdienste lautet: „Fürchtet Euch nicht!“ Auch, wenn er weiß, dass sich die Menschen vor Vielem fürchten - die Angst und das Negative werden nicht im Mittelpunkt seiner Predigten stehen, sondern die Freude über die Ankunft Gottes Sohns.

Denn für den Ellershäuser Pfarrer ist eines ganz wichtig: Die Menschen wollen in diesen Gottesdiensten die frohe Botschaft hören - noch dringender als sonst. Und so läge es zwar nahe, die aktuelle Flüchtlingsthematik aufzugreifen und die Suche nach einem sicheren Ort mit Maria und Josefs Suche nach einer Herberge zu vergleichen. Doch das wird Heinrich Giugno nicht tun: „Dabei gibt es einfach zu wenig Möglichkeiten, das Evangelium zu erfahren“.

„Viele kommen nur an Weihnachten in die Kirche“, ergänzt seine Frau. „Sie sollen eine Nachricht der Liebe mitnehmen.“ Genau darum geht es ihrem Mann: „Es gibt eine Sehnsucht in diesen Menschen, wenn sie in den Gottesdienst kommen. Daran möchte ich anknüpfen, es nicht übergehen.“

Auch wenn er weiß, was er am Ende seiner Predigt vermittelt haben will, muss er doch in jedem der acht Gottesdienste etwas anderes sagen. Er will sich auf die verschiedenen Krippenspiele beziehen. Außerdem macht es einen Unterschied, ob es ein Gottesdienst mit vielen Familien ist oder die Christmette, in der nur Erwachsene sitzen. Aber für alle gilt: „Ich muss wissen, wo ich hinwill.“ Der Pfarrer nimmt zwar ein Skript mit auf die Kanzel, aber nur als Leitfaden. „Ich habe mein Ziel vor Augen. Und ich brauche Ruhe und das Gefühl, ich bin da mit dem, was ich sagen will“, beschreibt der Pfarrer. Dann kann er frei sprechen und den Menschen in die Gesichter sehen.

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