Frankenberg

Absolute Sicherheit ist oberste Maxime

- Frankenberg (apa). Die einen gehen seit Jahren „in die Pilze“, andere mögen zwar gern Steinpilze und Pfifferlinge, trauen sich aber nicht, sie selbst zu sammeln – aus der nicht unbegründeten Angst, einen giftigen Vertreter zu erwischen. Auch für Profis gilt: Gegessen werden sollte nur, was man mit 100-prozentiger Sicherheit erkennt.

Pilze sind faszinierend: Die einen färben sich blau, wenn man sie eindrückt, die nächsten gehen am Ende ihres Daseins buchstäblich in Staub auf und wieder andere lösen sich auf und werden zu einer Art schwarzer Tinte. Manche riechen deutlich nach Anis, wieder andere sehen einer essbaren Sorte zum Verwechseln ähnlich, sind aber tödlich giftig.

Sie alle und noch viel mehr finden sich auch im Burgwald. Dort sucht Dr. Ekkehard Tippmann vom Frühsommer bis in den Winter hinein nach essbaren Pilzen. Der ehemalige Apotheker aus Frankenberg ist ein echter Pilzfreund: Schon als Junge ging er mit seinem Großvater „in die Pilze“. Bis heute faszinieren ihn die Lebewesen, die weder Tier noch Pflanze sind, sondern eine eigene Gattung in der Natur darstellen. Jahrelang hat er sich fortgebildet, durch Kurse, Exkursionen und Literatur.

Bücher mit guten Fotos sind bis heute seine wichtigsten Helfer. Denn leider haben die giftigen Vertreter keine Gemeinsamkeit, an denen man sie grundsätzlich erkennen könnte. Jeder Pilz muss einzeln begutachtet werden. Gut beraten ist allerdings, wer seinen Sinnen traut, sagt der Frankenberger: „Was schlecht riecht oder unangenehm schmeckt, sollte man grundsätzlich nicht essen.“

Schätzungsweise 6000 Pilzarten gibt es in Europa, etwa 350 Sorten kenne und erkenne er, vermutet Tippmann. Der langjährige Betreiber der ältesten Apotheke in Frankenberg erkennt nicht nur viel versprechende Sammelstellen anhand des Baumbestandes, sondern weiß auch um verschiedene Zubereitungsarten vom Pilzgulasch bis hin zur sauer eingelegten, bunten Mischung; zudem hat er viel Hintergrundwissen über die biologischen Besonderheiten von Pilzen. Aber auch er ist sich nicht immer sicher, wenn er einen Pilz im Wald entdeckt.

Deshalb gilt auch bei ihm als oberste Maxime: Er sammelt nur ein, was er mit 100-prozentiger Sicherheit erkennt. Beim Pilzesammeln kommt es vor allem auf Details an. Manchmal ist es die Form der Wurzel, die den entscheidenden Unterschied zwischen giftig und essbar aufweist. Manchmal ist es eine Färbung, die erst entsteht, wenn ein Pilz mit dem Messer angeritzt wird. Tippmann zieht einen Pilz aus der Erde und schneidet den Stiel an. „Wenn sich die Stelle safranrot färbt, ist es ein Safranschirmling“, sagt er und wartet ab. Die Stelle wird zwar etwas dunkler, aber nicht rot-gelb. So landet der Pilz wieder im Moos. Solche kleinen, aber entscheidenden Merkmale muss man kennen, um giftige von ungiftigen und wohlschmeckende von ungenießbaren Pilzen zu unterscheiden.

Der begehrte Champignon zum Beispiel kann leicht mit dem Knollenblätterpilz verwechselt werden – dieser ist für die meisten tödlich endenden Vergiftungen verantwortlich. „Der Knollenblätterpilz hat grundsätzlich weiße Lamellen“, erklärt Ekkehard Tippmann, „der Champignon hat in seiner Jugend eher rosafarbene Lamellen, die im Alter braun werden.“ Zudem kann auch der Standort täuschen: Durch das unterirdisch weit verbreitete Myzel kann ein Knollenblätterpilz durchaus auf der Wiese neben dem Champignon wachsen. Die meisten Menschen kennen drei, vier Pilzsorten: Champignons und Pfifferlinge und vielleicht noch Steinpilze, die vor allem im vergangenen Jahr in ungewöhnlichen Mengen wuchsen, und natürlich den Fliegenpilz mit der weiß getupften roten Kappe. Dass dieser giftig ist, weiß jedes Kind. Doch der heimische Burgwald hat viele ungiftige, wohlschmeckende Arten zu bieten. Zum Beispiel wachse die Herbsttrompete, auch Totentrompete genannt, in der Region, ebenso wie die „Krause Glucke“.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Samstag, 8. Oktober.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare