Frankenberg

Absurdes in authentischer Sprache

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Murat Topal in der Ederberglandhalle

- Frankenberg (apa). Der Deutschtürke Murat Topal aus Berlin-Neukölln erzählt Geschichten, wie sie nur das Leben schreiben kann. Der Zuschauer fühlt sich, als wäre er dabei gewesen – dank Topals Fähigkeit, verschiedene Dialekte und Idiome authentisch rüberzubringen. Am Mittwoch gastierte er in der Ederberglandhalle.

Die Sprache ist Murat Topals größte Stärke. Nicht nur, dass der Deutschtürke sozusagen dreisprachig aufgewachsen ist (Hochdeutsch, Türkisch und Berliner Schnauze spricht er fließend), er hat in seiner Zeit als Polizist auch so manch andere Bevölkerungsgruppe näher kennengelernt. Sein gesamtes Comedyprogramm „Tschüssi Copski“ basiert auf Sprachwitz, auf Idiomen und Dialekten – und damit begeistert Topal weit mehr als mit den abstrusen Geschichten, die er als Polizist in Berlin erlebt hat, bevor er sich für die Comedy-Karriere entschied. In der Bundeshauptstadt war er jahrelang „Polizist in Kreuzberg mit Neuköllner Migrationshintergrund“. Murat Topal spielt mit Klischees und zeigt, dass so manches davon gar nicht so weit hergeholt ist – schließlich schwört er zwischendurch, dass das alles „wirklich so passiert“ sei. Er erzählt vom türkischen Obsthändler, der bei einer Fahrzeugkontrolle angehalten wird, weil seine Ehefrau auf dem Beifahrersitz nicht angeschnallt ist – sie bringt deshalb Schande über die Familie. Topal belässt es bei einer Verwarnung und wird dafür mit 1,2 Tonnen Obst – „ist topaktuelles Schipitzenprodukt!“ – belohnt. Dass nicht alle Klischees stimmen, zeigt sich, als er von seinem Friseur erzählt („Ja, ich habe einen!“), der nicht nur schwul ist, sondern auch Türke und damit die Kombination „Türke und Polizist“ locker ausstechen kann. Von einem Ehepaar im Plattenbau, das sich mit einem unbekannten Gast streitet, weil er drei Stunden mitgesoffen hat, über Fangesänge der Hertha-Fans in der U-Bahn bis hin zur Ruhestörung durch ohrenbetäubend laut aufgedrehte Rex-Gildo-Platten reicht sein Repertoire. Auch über die Jugend in Kreuzberg hat Murat Topal einiges zu erzählen. Vor allem deren bemitleidenswert überhöhter Speichelfluss und die Notwendigkeit, alle paar Sekunden auszuspucken, verwirren ihn. Wenn der Deutschtürke von seinen Einsätzen erzählt, bekommen die Zuschauer das Gefühl, dabei gewesen zu sein. Denn Topal erzählt nicht einfach – er spielt es. Er wechselt Tonfall, Stimmlage, Dialekt und Mimik und bringt die witzigsten Kombinationen derart authentisch rüber, dass man glauben möchte, er selbst sei ein Pakistani, der auf Lanzarote im Souvenirladen Englisch spricht, der Lieblingsitaliener Salvatore, der eigentlich Husein heißt und aus dem Libanon kommt, oder ein Afro-Europäer, der im Park Djembe spielt und sich angegriffen fühlt, als er von Topal nach der Uhrzeit gefragt wird. Dabei klingt Murat Topal kein bisschen bemüht, sondern die Worte und Sätze fließen nur so aus ihm heraus. Das Publikum dankt es ihm nach zweieinhalb Stunden mit viel Applaus.

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