Frankenberg

ADAC-Sternfahrt zum Hessentag

- Frankenberg (r). Alle Wege führen nach Stadtallendorf: Aus vier hessischen Städten starteten am Samstag 300 Oldtimer in Richtung des hessischen Landesfests. Station machten die nostalgischen Fahrzeuge auch in Waldeck-Frankenberg.

Der Jaguar glitzert silbern in der Sonne. Auf dem glänzenden Lack spiegelt sich der Himmel. Es ist ein perfekter Tag für die ADAC-Sternfahrt: Die Sonne scheint und somit blitzt auch der blankgewienerte Chrom. Bentley, Mercedes, Porsche, VW und Ferrari: Rund 300 motorisierte Liebhaberstücke fahren am Samstag quer durch Hessen – mit dem Ziel: Stadtallendorf. Gestartet sind sie in vier Orten, zwei Strecken führen durch den Landkreis: Vom Startort Bad Endbach aus führt die Strecke durch das Obere Edertal nach Frankenberg und weiter durch den Burgwald in die Hessentagsstadt. Von Hofgeismar aus steuern die Oldtimer Volkmarsen, Bad Arolsen, Korbach, Haina und dann das Landesfest an. Auf dem Weg dorthin haben die Teilnehmer zahlreiche Prüfungen zu absolvieren: vor allem Geschicklichkeit ist bei den Brems- und Fahrmanövern gefragt. Wertungsrichter sind die Mitglieder der heimischen ADAC-Ortsclubs: der AMSC Lahn-Eder, der AC Frankenberg, der MSC Volkmarsen, der MSC Bad Arolsen und der AC Korbach. An den Prüfungen beteiligen sich auch die Reservisten aus Hatzfeld und die Kameradschaft Frankenberg. Um das Gewinnen geht es den Oldtimer-Fahrern jedoch weniger als um das Gesehenwerden. „Ich bin sehr früh gestartet, denn ich habe das älteste Auto“, sagt Bruno Handwerk, zieht sich seine lederne Pilotenhaube vom Kopf und lacht. Die Haube braucht er, denn sein Ford Speedster hat keine Windschutzscheibe und sieht auch sonst eher aus, wie aus einem Kostümfilm entfahren. Fahrtauglich ist der Ford dennoch, „aber sehr bedienerfreundlich ist er nicht“, verrät der Frankfurter und grinst. Kein Wunder – der Ford stammt aus dem Jahr 1912. Es gibt kein Dach, dafür aber drei Pedalen und eine Handbremse, die einer feineren Version einer Kutschenbremse ähnelt. „Mööp, mööp“ trötet es plötzlich. Handwerk hat gehupt, indem er eine goldene Tröte drückte, die wie ein Posthorn kurz hinter den Rädern montiert ist. Er lacht. Gute Laune haben auch die Isetta-Fahrer, die in ihren kleinen „Knutschkugeln“ über die Wiese im Zielort Stadtallendorf tuckern. „Mit diesem Auto verbinde ich viele tolle Erinnerungen an meine Jugend“, sagt Erwin Seidl. „Was glauben Sie, wo der Begriff Knuschkugel herkommt“, fragt er und öffnet vor sich die kleine – und einzige Tür der Isetta. Neben ihm sitzt freudestrahlend Karl-Heinz Brettschneider. „Ich bin zum ersten Mal mitgefahren und fand‘ es wirklich super“, sagt der Niederkleiner. Die Isetta-Truppe ist stilecht unterwegs. Annelie Martin, die mit ihrem Mann Ottmar im türkisfarbenen Isetta unterwegs war, trägt einen Petticoat. Auf der kleinen Ablage des Zweisitzers liegt eine Elvis-Figur, Plaketten vom zigmal besuchten Golden-Oldies-Festival reihen sich aneinander. Ein tiefes Röhren liegt in der Luft: Die ADAC-Ordner winken eine Reihe von Opel-Asconas auf den Parkplatz. Motoren dröhnen, Frauen winken lächelnd aus den vorbeifahrerenden Wagen des Rüsselheimer Fabrikats. Eine Käfer-Fahrerin klappt das Sonnendeck ihres „Schätzchens“ nach unten, um „besser die anderen sehen zu können“. Egal, welches Fabrikat – die Fahrer eint eine gemeinsame Leidenschaft: Historische Automobile frei von komplizierter Technik, dafür aber erfüllt von nostalgischem Charme.

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