Festzug, Kommers und "Rullwahnscher Markt" zum 65-jährigen Bestehen am 17. und 18. August in Geismar

Die älteste Landjugend Hessens feiert

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Frankenberg-Geismar - Vom Besuch regionaler Rinderschauen über den Volkstanz zur aktiven Freizeitgestaltung - die Landjugend hat sich zu einer modernen Jugendorganisation entwickelt.

Schon kurz nach dem zweiten Weltkrieg, im Jahr 1948, gründeten in Geismar neun Jugendliche die Landjugendgruppe. August Blanc, Konrad Bitter, Wilhelm Fackiner, Daniel Hecker, Heinrich Scheffel, Daniel Theiß, Karl Vesper, Heinrich Freitag Raiffeisenstraße und Heinrich Freitag Bienhof waren Pioniere in Hessen - denn heute ist die Landjugend die älteste Gruppe im Bundesland.

Die anfängliche Gruppenarbeit stand hauptsächlich unter landwirtschaftlichen Aspekten. Die Jugendlichen organisierten Besichtigungen und Fahrten und lernten im ganzen Bundesgebiet Partnergruppen kennen. Sie besuchten überregionale Veranstaltungen wie Rinderschauen, Kälberaufzuchtswettbewerbe oder landwirtschaftliche Fortbildungsseminare. Bereits in den 50er Jahren gestaltete die Landjugend das kulturelle Leben in Geismar mit Dorfabenden.

Ende der 60er Jahre kam es zu strukturellen Veränderungen. Immer mehr Geismarer gaben die Landwirtschaft auf und gingen in der Industrie arbeiten. Damit nahm auch das Interesse der Jugend an der Landwirtschaft ab.

Kannenbergs Vermächtnis

In dieser Zeit kam aber der kriegsblinde Albert Kannenberg nach Geismar. Sein Ziel: Altes Brauchtum erhalten. Er begann, mit der Landjugend alte Volkstänze einzuüben. Diese werden bis heute bei öffentlichen Veranstaltungen, Festzügen, Hochzeiten und anderen Feiern vorgeführt. Seither treffen sich die Tänzerinnen und Tänzer der Gruppe einmal wöchentlich zum Übungsabend. Das Repertoire wird bei Seminaren und Fortbildungen erweitert.

Zu den Volkstänzen gehören auch die Trachten, die bis ins 19. Jahrhundert im Dorf zu allen Gelegenheiten getragen und später durch moderne Kleidung verdrängt wurden. Die Geismarer Tracht vereinigt Elemente der Battenberger und der Marburger evangelischen Werktagstracht.

Eine große Erntekrone ist Markenzeichen der Geismarer Landjugend. An einem Metallgerüst werden nach alter Überlieferung getrocknete Hafer- und Weizenbündel befestigt. Zu Festen werden lange rote und weiße Bänder daran gehängt. Jedes Jahr wird zum Erntedankfest der Bändertanz unter dieser Krone getanzt.

Kindergruppe seit 25 Jahren

Die Landjugend zählt heute 230 Mitglieder. Davon entfallen rund 90 Mädchen und Jungen auf die vor 25 Jahren gegründete Kindertanzgruppe. Rund 40 junge Geismarer im Alter von 14 bis 30 Jahren sind aktive Tänzer. Das Durchschnittsalter des aktuellen Vorstands um Dominik Freitag und Helena Graß beträgt 19 Jahre. Aktive Jugendarbeit von Jugendlichen für Jugendliche lautet das Motto.

Die Geismarer Landjugend nimmt seit 1994 regelmäßig am internationalen Folklorefest Europeade teil. Neben Volkstanz und Brauchtumspflege beteiligt sich die Landjugend auch an gemeinnützigen, regionalen und bundesweiten Aktionen, so dass auch der soziale Aspekt in der Vereinsarbeit nicht zu kurz kommt.

Von Frank Seumer

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