Den Ärmsten der Armen eine Chance ge

- Die Kirchengemeinde Rengershausen unterstützt Waisenkinder in Indien bei ihrer Ausbildung. Pfarrer Uwe Hesse besuchte die Jugendlichen bei einer privaten Reise in den indischen Süden.

Frankenberg. Für Hesse war es nach sieben Jahren die erste Begegnung mit dem südasiatischen Land, das er schon während seines theologischen Studiums seit 1990 kennen lernen konnte. Später war der heutige Gemeindepfarrer fünf Jahre lang von der Kurhessischen Kirche für den Dienst in Indien über das Missionswerk in Niedersachsen (Hermannsburger Mission) beurlaubt, lernte in Bonn an der Deutschen Stiftung für Internationale Entwicklung (DSE) die Landessprache „Telugu“ und arbeitete in einer südindischen Stammeskirche. Danach unterrichtete Hesse am theologischen College in Hyderabad die altgriechische Sprache und das Neue Testament. In dieser Zeit lernte er auch Menschen aus der untersten Bevölkerungsschicht des Bundesstaates Andhra Pradesh kennen, der Kaste der Madiga, deren Angehörige auch im aufstrebenden Indien weitestgehend chancenlos sind. Einige Jugendliche dieser untersten Schicht, die sich selbst Dalits (Unterdrückte) nennen, erfahren in einem kleinen Projekt Ausbildungshilfe durch das Kirchspiel Rengershausen. Gemeinsam mit dem Löhlbacher Kirchenvorstandmitglied Gerd Faust besuchte Hesse die geförderten Jugendlichen: den Schüler Praveen Kumar, der wegen seiner guten schulischen Leistungen schon in der indischen Presse gelobt worden ist und dem Kirchspiel Rengershausen seine Ausbildungsmöglichkeit verdankt, sowie die Vollwaisen Gopi und Nagma, Bruder und Schwester. Sie alle sind Madiga, Angehörige einer sehr niedrigen Kaste. „Eigentlich hatte die indische Regierung in einer gut gemeinten Quotenregelung den unteren Kasten 15 Prozent der Ausbildungs-, Studien- und Arbeitsplätze zugewiesen“, berichtet der Rengershäuser Pfarrer. Jedoch sei diese Hilfe auch nach 60 Jahren Unabhängigkeit bei den Madiga noch nicht angekommen. „Es waren immer andere, die davon profitiert haben“, erläutert Hesse. Im Dorfteil der verachteten Madiga, die in einer Siedlung am Rand der übrigen Dorfbevölkerung leben müssen, sind die Rengershäuser Patenkinder laut Hesse die einzigen Jugendlichen, die eine Möglichkeit haben, höhere Bildung zu erwerben. Sie werden schon seit acht Jahren auf den Rengershäuser Kirchenvorstandsbeschluss hin gefördert, in vorheriger Absprache mit dem Kirchenkreis Frankenberg und der Landeskirche.Das Projekt will den Ärmsten unter den Armen Gelegenheit geben, in nachhaltiger Förderung eine gute Ausbildung zu erhalten. Der Vater der beiden Vollwaisen Gopi und Nagma hatte Anfang des Jahrzehnts aus Verzweiflung Selbstmord begangen, weil er wegen einer sturmbedingten Fehlernte nicht in der Lage war, die Kredite für Saatgut und Düngemittel zurückzuzahlen. Die Mutter starb kurze Zeit später in Armut.

Beide Kinder wären damals der Straße und damit der Prostitution preisgegeben gewesen. Der Rengershäuser Kirchenvorstand reagierte schnell und sagte die nachhaltige Ausbildungshilfe zu. „Die Jugendlichen hinterlassen dank der Förderung allesamt den Eindruck, dass es ihnen jetzt gut geht und es ihnen an nichts fehlt“, berichtet Hesse. (gf)

Mehr lesen Sie in der Zeitungsausgabe der Frankenberger Zeitung am Donnerstag, 28. Januar, 2010.

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