Battenberg: Sprachkurse für Asylbewerber

"Alle wollen Deutsch lernen"

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Battenberg - Sie haben überstürzt ihre Heimat verlassen, auf der Flucht mitunter ihr Leben riskiert, sind allein in einem fremden Land - und können sich bei ihrer Ankunft kaum verständigen: Der DRK-Kreisverband will den Asylbewerbern in der Battenberger Unterkunft helfen, sich in Deutschland zurechtzufinden. Das Beherrschen der Sprache ist eine Voraussetzung.

Seit Ende Juli bietet der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes Sprachtrainings an - als freiwillige Leistung, denn Vorgaben vom Land oder Kreis gibt es dazu nicht. „Die Menschen, die hier leben, haben Zuflucht und Unterkunft gefunden“, sagt Kreisgeschäftsführer Christian Peter. „Nun ist es wichtig, dass sie möglichst schnell einen Bezug zu ihrem Umfeld bekommen, zu Menschen und Behörden.“ Dabei sollen die Sprachkurse helfen. Die Teilnahme ist freiwillig.

Dreimal wöchentlich haben die derzeit 47 Bewohner im Aufenthaltsraum der Battenberger Unterkunft am Wingertsberg die Möglichkeit, den Unterricht zu besuchen. Sie kommen aus dem Irak, Albanien oder Eritrea, vor allem aber aus Syrien - „und sie haben oft schwere Schicksale erlitten“, sagte der DRK-Kreisvorsitzende Dr. Rolf Bluttner. Bestenfalls haben sie schon einige Brocken Deutsch aufgeschnappt, können vielleicht auch etwas Englisch - doch viele starten bei Null. Auch das Bildungsniveau sei unterschiedlich: „Manche sind hochqualifiziert, haben studiert und zum Beispiel als Arzt gearbeitet“, sagt Stephanie Herrmann. Neben Sabine Aghte und Andrea Dornseif unterrichtet sie die Asylbewerber ehrenamtlich. Manche Asylbewerber hätten hingegen nicht einmal Grundschulwissen.

Zunächst gehe es um ganz alltägliche Dinge. „Viele können nicht mal in den Supermarkt gehen oder zum Arzt und sich verständigen“, sagt Stephanie Herrmann. Problematisch sei, dass die Asylbewerber keine feste Tagesstruktur haben. Sie verpflegen sich selbst, können kommen und gehen wie sie wollen, dürfen aber nicht arbeiten und kein Geld verdienen. Die Teilnehmer an den Kursen sind zwischen sieben und 58 Jahre alt.

Die Initiative war von Angela Neuhaus-Klinkosch ausgegangen, die sich in der seit 2005 bestehenden Migrationsberatung des DRK-Kreisverbands engagiert. Sie hofft auf weitere Angebote, die die Integration der Asylbewerber erleichtern: Etwa von Sportvereinen in der Region. „Das wäre eine Bereicherung“, sagt sie - und meint damit nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch die Vereine.

Das Miteinander in den Kursen sei gut, die Teilnehmer helfen sich gegenseitig. Stephanie Herrmann und ihre Kolleginnen haben ein großes Interesse bei den Flüchtlingen festgestellt. „Die wollen sich integrieren.“ Dazu sei die deutsche Sprache eine Voraussetzung, betont Wilma Wendel von der Kreisvolkshochschule (VHS).

Die VHS bietet seit einem Jahr zusammen mit dem Landkreis weiterführende Sprachkurse an. Er geht über 99 Schulstunden. Die Teilnehmer bekommen die Plätze von Sozialarbeitern des Kreises zugewiesen und besuchen den Kurs dreimal wöchentlich, insgesamt dreieinhalb Monate lang.

Damit weite Anfahrten vermieden werden, finden diese VHS-Kurse seit diesem Herbst unter anderem in Battenberg und Gemünden statt, bisher mussten die Flüchtlinge auf eigene Kosten nach Frankenberg kommen.Das Interesse an den Kursen sei groß: „Es wollen alle deutsch lernen.“

Um noch bessere Sprachkenntnisse zu ermöglichen, seien Aufbaukurse, die das in den VHS-Kursen vermittelte Wissen ausbauen notwendig. Sie würden aber nicht vom Landkreis bezahlt, sagte Wendel. Der Lions-Club ermöglicht mit Spenden aber solche Seminare in Wrexen und in Korbach. (da)

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