Neuschäfer Elektronik gründet eigenes Institut

"Also dann: los!"

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Mitarbeiter von INIES bei der Vorstellung eines neuen Mikroskops im Januar – eine der ersten Investitionen des Instituts.

Frankenberg - Mehr Raum für Forschung und kreative Tüftelei: Mit einem eigenen Institut möchte Neuschäfer Elektronik Kreativität fördern und sich zugleich für die Zukunft wappnen.

„Die Unis haben richtig viel Wissen, aber kein Geld“ - es ist eine altbekannte Weisheit in Deutschland, ein Problem, das etwa die amerikanischen Universitäten deutlich besser in den Griff bekommen, was Filomena Rios da formuliert. Ein Problem, das sie und ihr Partner Wilfried Neuschäfer, Inhaber von Neuschäfer Elektronik, ändern wollen. Im Dezember hat das Frankenberger Unternehmen daher ein eigenes Institut ins Leben gerufen, eine „Tummelwiese für innovative Ideen“, wie Neuschäfer es ausdrückt. INIES - das „Institut Neuschäfer - Innovative Elektroniksysteme“ - soll laut Rios ein Platz sein für „Menschen, die uns mit dem Kopf in der Zukunft weiterbringen“.

Und mit „uns“ meint sie nicht nur das Unternehmen, sondern den Wirtschaftsstandort Deutschland und die Gesellschaft an sich. Denn das Institut soll dazu beitragen, hochtechnische Lösungen auf komplexe Fragen der Gegenwart und der nahen Zukunft zu bieten. „Deshalb sind für gerne offen dafür, wenn sich auch andere Unternehmen an dem Institut beteiligen wollen“, sagt Wilfried Neuschäfer.

Drei Forscher, vier Unis

Noch befindet sich die interdisziplinäre Einrichtung in der Aufbauphase. Ein eigener Forschungsbereich soll eingerichtet werden, darunter spezielle Räume für ebenso spezielle Anwendungen. Doch immerhin schon drei Doktoranden und Diplomanden sind an dem neuen Frankenberger Forschungsinstitut aktiv, vier Universitäten aus ganz Deutschland sind beteiligt. Die jungen „Genies“, wie Rios die Forscher nennt, arbeiten auch an ihren Unis an Themen, die für den Hersteller von Leiterplatten, Verbindungselementen und Sensoren von Bedeutung sind. Doch können sie bereits jetzt auch die Labore des Unternehmens nutzen. „Forschung und Entwicklung ist für uns natürlich nichts Neues“, sagt Neuschäfer - und doch soll das Institut sie auf ein ganz neues Niveau heben. „Wir haben den Ehrgeiz, für die Zukunft Dinge zu entwickeln, die sinnvoll sind“, sagt der Firmengründer und -inhaber.

Dabei stehe für ihn und seine Prokuristin der finanzielle Gewinn nicht an erster Stelle: „Unser Steuerberater hat mehrfach darauf hingewiesen, dass wir für so ein Institut viel Geld investieren müssen“, sagt Rios. Und ergänzt: „Wir verdienen mit dem Institut selbst nichts, aber wir gestalten Zukunft.“ Und doch geht es selbstverständlich auch darum, Ideen und Köpfe für Neuschäfer Elektronik zu gewinnen. Technologien sollen bis zur Produktionsreife entwickelt und dann in die Herstellungsprozesse eines der beiden Werke gegeben werden. „Klassischerweise gehen die Tüftler mit in die Produktion und sind dann für die Forschung und Entwicklung erst einmal verloren“, sagt Neuschäfer.

Potenziale bündeln

Dieses Potenzial soll in dem Institut gehalten und gebündelt werden: Es hat das Ziel, Physiker, Chemiker, Elektrotechniker und Biochemiker zusammenzubringen - Forscher aus Schlüsselbranchen für die technische Entwicklung der Zukunft. Dort sollen sie sich gegenseitig befruchten: Ideen entwickeln, Beschränkungen aufzeigen, Lösungswege finden. „Es ist wie bei einem Orchester“, vergleicht Rios: Erst durch das Zusammenspiel kommt ein Stück zu wahrer Schönheit.

Genug Raum soll den jungen Forschern geschaffen werden, dass diese auch außerhalb der Welt von Halbleitern forschen können: „Wasser, Entsorgung, Umwelt - es werden viele Themen gestreift“, sagt Neuschäfer. Und Rios erklärt, vorstellbar sei ein Produkt, das jeder kaufen könne und das helfe, das Leben zu verbessern. Ob dahinter bereits eine fertige Produktidee steckt? Neuschäfer und Rios bleiben im Vagen, wollen nicht zu viel verraten. Und sind doch voller Enthusiasmus. Auf jeden Fall geht es um den Erwerb von Wissen: „Wenn einer der beteiligten Forscher etwa ein Patent anmelden möchte, dann helfen wir auch dabei gerne“, sagt Rios.

Und dieser Wissenserwerb sei wichtig für den Hochtechnologie-Standort Deutschland: „Was wir heute unter guten Mikroskopen erkennen können, sind bei hoher Auflösung Strukturen von zehn bis 15 Mikrometern“, sagt Neuschäfer mit Blick auf die Halbleiter-Technologie - und ergänzt: „Das werden in Zukunft dicke Zuleitungen sein.“ So würden sich komplett neue Blickwinkel und Möglichkeiten ergeben, etwa für intelligente Sensoren.

Den Anschluss möchte das Frankenberger Unternehmen da nicht verpassen. Deutschland insgesamt, klagt Neuschäfer, habe das bereits beinahe: „Die Halbleiterbranche ist doch nach Japan und China verlagert“, sagt er. Dem will sich das Unternehmen entgegenstellen - mit möglichst vielen Partnern: „Wir müssen gemeinsam Ideen zusammenbringen“, sagt Rios.

Lob von höchster Stelle

Dass sie mit ihren Plänen auf dem richtigen Weg sind, haben sie von allerhöchster Stelle bestätigt bekommen: Im November waren Neuschäfer und Rios Gäste bei der Verleihung des Deutschen Zukunftspreises. Es ergab sich ein Gespräch mit dem Gastgeber. Was denn ihr Ziel sei, habe der Herr gefragt, erinnert sich Rios. „Wir würden auch gerne mal da oben auf der Bühne stehen“, sagte ihm die Prokuristin des Frankenberger Unternehmens und erläuterte dem Interessierten ihre Pläne. Ein kurzer Satz zeigte, dass die Idee, ein Institut zu gründen, wohl eine gute war: „Also dann: los!“, rief Bundespräsident Joachim Gauck.

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