Alte Baupläne im Stadtarchiv

Frankenberger Edertalschüler erforschen 100 Jahre Geschichte ihres Gymnasiums

Bauzeichnungen von 1903: Sie wertete diese Schülergruppe im Frankenberger Stadtarchiv aus und entdeckte dabei, wie zum Frankenberger Lehrerseminar auch ein großzügiges Lehrer-Wohnhaus geplant wurde. Ab 1922 wurde daraus eine Aufbauschule, Vorläufer des Gymnasiums Edertalschule.
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Bauzeichnungen von 1903: Sie wertete diese Schülergruppe im Frankenberger Stadtarchiv aus und entdeckte dabei, wie zum Frankenberger Lehrerseminar auch ein großzügiges Lehrer-Wohnhaus geplant wurde. Ab 1922 wurde daraus eine Aufbauschule, Vorläufer des Gymnasiums Edertalschule.

Sie klappten vorsichtig großformatige Bauzeichnungen vom Frankenberger Lehrerseminar aus dem Jahr 1903 auseinander, blätterten in Zeitungsbänden der 1970er-Jahre, interviewten Zeitzeugen aus einem halben Jahrhundert. Ein großes Ereignis warf bei der alljährlichen „Fahrten- und Methodenwoche“ des Frankenberger Gymnasiums Edertalschule seine Schatten voraus: das Jubiläum „100 Jahre Edertalschule“ im Jahr 2022.

Frankenberg – Weil die Lehrerausbildung in der Weimarer Republik verändert wurde, verlor das auch äußerlich sehr repräsentative, erst 1903 erbaute Frankenberger Lehrerseminar an der Geismarer Straße bereits 1922 seine Ursprungsbedeutung. Es wurde zu einer höheren Lehranstalt, einer „Aufbauschule“, später Gymnasium genannt, umgestaltet. Dann folgten für viele Generationen hier 100 Jahre Bildungsarbeit in der Region, auf die im kommenden Jubiläumsjahr nicht in einer einzigen Festveranstaltung, sondern mehreren bunten Ereignissen übers Jahr verteilt zurückgeblickt werden soll (HNA berichtete).

Stadtarchivar Dr. Horst Hecker legte einer Projektgruppe der 12. Klasse die Original-Baupläne des Lehrerseminars und viele alte Fotos vor. „Verblüffend, wie das Gebäude mit seinen Rundbogenfenstern und Backsteineinfassungen die Atmosphäre der Kaiserzeit widerspiegelt“, meinte Katja Battefeld, die mit ihrem Lernkurs „Schule damals und heute“ vergleichen möchte. Sogar die Gehaltslisten der Lehrer sind im Stadtarchiv noch erhalten. Sie wurden von den Schülern besonders interessiert durchstöbert und mit heutiger Besoldung verglichen.

Lokalzeitungen als Geschichtsquelle: Hier sammelten im Frankenberger Stadtarchiv Edertalschüler der Klasse 12 während der Methodenwoche erste Erfahrungen. Sie hatten sich Wahlen und Wahlwerbung als PoWi-Thema vorgenommen.

Im Mittelgeschoss des Stadtarchivs im Haus am Geismarer Tor machte das Tutorium Politik und Wirtschaft mit Marco Böhnisch seine ganz eigenen Erfahrungen im Umgang mit historischen Quellen. Hier musste Historiker Hecker stellenweise beim Lesen der alten Handschriften helfen. Eine Gruppe hatte sich die Suche nach früheren Wahlergebnissen vorgenommen, andere durchblätterten alte Zeitungen beim Aufspüren von Wahlwerbung früher. Sogar Original-Stimmzettel waren noch vorhanden. „Ich bin überrascht, wieviel Akten hier im Stadtarchiv noch lagern“, sagte sich Phelin Schäfer, Klasse 12. „Ein großer Dank unserem Stadtarchivar für die gute Vorbereitung unseres Besuchs!“

Es gab in den vergangenen Tagen schon eine ganze Reihe von Rückmeldungen zum Schuljubiläum auch von außen, berichtet Studiendirektorin Birgit Pabst, die in der Schulleitung Ansprechpartnerin für alle Fragen zum Fest ist. Etwa 20 ehemalige Edertalschüler seien bereits als Zeitzeugen interviewt worden und hätten dabei den jetzigen Edertalschülern den Blick auf die Schulgeschichte aus neuen Perspektiven geöffnet. Diese Video-Interviews sollen im kommenden Jahr im Schulbereich und auch Internet abrufbar sein.

Andere Schülergruppen, so Birgit Pabst, hätten eine Zeitkapsel angelegt, um aus ihrer Sicht die Gegenwart zu spiegeln, oder bereiteten „Escape-Rooms“ vor, in denen mit eigenem Spürsinn der Geschichte nachgegangen werden müsse. Der Fachbereich Musik erforsche die Entwicklung der musischen Bildung am Gymnasium mit vielen Konzerten und Projekten bis heute. „Es wird eine ganze Menge Neues geben“, verrät die Studiendirektorin.

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