Daniel Bamberger übersetzt 400 Jahre alte Kirchenbücher

Alten Texten auf der Spur

Auf der Suche nach Namen und Daten: Daniel Bamberger aus Laisa sitzt an einem der dicken, alten Kirchenbücher, in denen Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen verzeichnet sind. Die Originalseiten fotografiert er und speichert sie auf dem Computer. Foto:  Paulus

Laisa. Auf den ersten Blick gibt es spannendere Hobbys als das von Daniel Bamberger: Er schreibt die alten Kirchenbücher seines Wohnortes Laisa ab. Wenn man sich von dem 22-Jährigen aber erklären lässt, das in den Kirchenbüchern viel mehr steckt als Namen und Daten von Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, versteht man sein Interesse an den bis zu 400 Jahre alten Aufzeichnungen.

„Die Kirchenbücher sind das wichtigste Dokument der Dorfgeschichte“, sagt Daniel Bamberger. „Es ist  das einzige, in dem quasi die gesamte Bevölkerung  erwähnt ist – vom Bauern bis zum Adligen.“ Tatsächlich findet sich in den alten Büchern als Paten oder Vorfahren etwa die Familie von Biedenfeld, die ihren Sitz in Berghofen hatte und in Goethes Stammbaum auftaucht.

Auch Hinweise auf das Laisaer Eisenbergwerk von 1750, den Taufstein von 1666, Postboten des 18. Jahrhunderts und eine Mühle am Gellersborn hat Daniel Bamberger entdeckt. So liefern die alten Kirchenbücher nicht nur Daten für Stammbäume, sondern auch Stoff für die Dorfgeschichte.

„Sehr interessant finde ich die Informationen über Seuchen und Epidemien und wie die Leute damals damit umgegangen sind“, sagt der Mathematikstudent. In Laisa seien zum Beispiel 1636 durch die Pest mehr als 70 Menschen umgekommen. Und in Holzhausen, das kirchlich jahrhundertelang zu Laisa gehörte und deshalb ebenfalls in den Büchern verzeichnet ist, seien 1771 dutzende Menschen an verunreinigtem Getreide gestorben. „In den Büchern stehen teilweise fünf Beerdigungen an einem Tag.“

„Die Kirchenbücher sind das wichtigste Dokument der Dorfgeschichte.“

Daniel Bamberger

Auf die Kirchenbücher ist Daniel Bamberger gestoßen, als er begann, sich für seine eigene Familiengeschichte zu interessieren. „Ich habe erfahren, dass es Ahnenforscher gibt, die nicht nur ihre Familie erforschen, sondern ganze Orte bearbeiten“, sagt er. „Ich wusste damals aber noch nicht, dass das unheimlich viel Material ist.“

Seit Oktober 2008 arbeitet der 22-Jährige an den Laisaer Büchern. Die beiden ältesten von 1624 bis 1807 hat er bereits abgeschrieben, aber erst das erste hat er schon bearbeitet – immerhin 700 Seiten. „Es gibt kein Ende“, sagt er. Schließlich muss er in Zweifelsfällen immer wieder an anderen Stellen nachschlagen, in Geschichtsheften blättern oder im Internet suchen. Denn die Namen in den alten Büchern sind nicht immer eindeutig: „Es kann sein, dass jemand als Johann Heinrich geboren wird, als Henrich heiratet und als Johannes beerdigt wird“, erklärt Bamberger. „Mit der Abschrift bleibe ich so nah wie möglich am Original, Vermutungen stehen nur im Kommentar.“

Als Buch veröffentlichen

Was er mit seiner bemerkenswerten Arbeit machen wird, weiß er noch nicht genau: „Meine Abschriften werden sicher irgendwann im Pfarrhaus stehen, eventuell lasse ich sie als Buch drucken und veröffentlichen“, sagt er. „Ich bin auf jeden Fall bereit, sie jedem zur Verfügung zu stellen, der sich dafür interessiert.“

Von Jörg Paulus

Quelle: HNA

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