Neu formierter Röddenauer Spielmannszug tritt zum ersten Mal auf

"Alternative wäre Auflösung"

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Im Röddenauer Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr wird neben Flöten und Trommeln jetzt auch zu Blechblasinstrumenten gegriffen (v.l.): Claudia Müller, Friedhelm Paulus, Helmut Buchbach, Jan Bornscheuer, Lena Holzapfel und Walter Holzapfel.Foto: Treude

Frankenberg-Röddenau - Für den 1958 gegründeten Spielmannszug aus Röddenau beginnt ein neues Zeitalter. Wie bei anderen Spielmannszügen auch, haben sich die Mitglieder entschieden, die musikalische Vielfalt um Blechblasinstrumente zu erweitern.

Wenn die Musiker des Röddenauer Spielmannszugs der Freiwilligen Feuerwehr heute Abend beim Lichterfest aufspielen, dann beginnt für sie ein neuer Abschnitt. Zu den Flötisten und Trommlern gesellen sich fortan Blasmusiker mit Trompete und Horn. Aus dem reinen Spielmannszug wird mit dem Auftritt ein gemischter Spielmanns- und Musikzug.

Damit reagieren die Mitglieder auf einen Trend - denn die Anzahl klassischer Spielmannszüge ist in der Vergangenheit übersichtlich geworden. Der Nachwuchs fehlt vielerorts. „Die Alternative wäre gewesen, den Spielmannszug irgendwann aufzulösen“, formuliert es der musikalische Leiter Walter Holzapfel drastisch.

Ein Neuanfang mit gebrauchten Hörnern

Und die Musiker stimmen ihm zu. Der Spielmannszug sei in die Jahre gekommen, die Beteiligung an den Proben sei zurückgegangen, der Nachwuchs habe gefehlt, der Dampf sei einfach raus gewesen, so der einhellige Tenor. „Wir haben als Gruppe immer gut funktioniert, aber hätten wir so weitergemacht, dann wäre irgendwann Schluss“, ist sich Stableiter Helmut Buchbach sicher.

Vor ziemlich genau einem Jahr haben die Mitglieder entschieden, den Schritt hin zum gemischten Spielmanns- und Musikzug zu wagen. Auch wenn die Umsetzung kurzfristig erfolgte, sei es doch ein langer Prozess bis dorthin gewesen, sagt der langjährige Stabführer Friedhelm Paulus.

„Wenn man 40 Jahre lang immer nur Querflöte gespielt hat, dann hängt man auch an dem klassischen Spielmannszug“, erklärt der Vorsitzende des Feuerwehrvereins, Thorsten Rampe ein Problem. Doch nach anfänglicher Skepsis würde auch den älteren Mitgliedern das Zusammenspiel mit den Blechbläsern sehr viel Spaß machen - auch weil es neue musikalische Möglichkeiten bietet.

Manche Mitglieder haben bereits Erfahrungen mit Trompete oder Horn, andere wagten einen Neuanfang: Blech statt Holz also, was aber nicht ohne Weiteres umsetzbar ist: „Ein Blechblasinstrument braucht mehr Übungsintensität als eine Flöte“, erklärt Walter Holzapfel. Intensive Proben mit einer externen Übungsleiterin waren also Pflicht.

Ein Ziel der Umstellung ist es, den Spielmannszug für junge Musiker interessanter zu machen. In Schulen würden die Blasorchester eine wichtige Rolle spielen, so könnte Nachwuchs gewonnen werden. Zwei junge Trompeterinnen sind schon neu dabei.

Dass trotz vieler Überlegungen im August 2013 dann doch alles relativ schnell ging, lag auch einer SMS von Walter Holzapfel. Er hatte zwei gebrauchte Hörner im Angebot entdeckt und teilte das den Mitgliedern mit, frei nach dem Motto: „Jetzt oder nie“. Dass beim Auftritt heute noch nicht alles perfekt sein wird, wissen die Musiker. Sie betrachten die Umstellung als Projekt und hoffen auf einen guten Ausgang.

Heute beginnt um 18 Uhr das Lichterfest am Dorfgemeinschaftshaus in Röddenau. Zur Eröffnung spielt der neu formierte Spielmannszug. Mit beginnender Dämmerung wird der Platz stimmungsvoll beleuchtet. (tt)

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