Statt reinem Homeschooling

Ab Montag Wechselunterricht für Klassen 1 bis 6 in Waldeck-Frankenberg

Mit Maske: In der Wigand-Gerstenberg-Schule  in Frankenberg tragen die Schüler schon seit längerem einen Mund-Nasen-Schutz. Hier (von links) die Viertklässler Leni (links) und Leon (rechts) mit Lehrerin Heidi Müller. Kinder mit Maske am Schultisch im Klassenraum, Mund-Nasen-Schutz Grundschule
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Mit Maske: In der Wigand-Gerstenberg-Schule in Frankenberg tragen die Schüler schon seit längerem einen Mund-Nasen-Schutz. Hier (von links) die Viertklässler Leni (links) und Leon (rechts) mit Lehrerin Heidi Müller.

Am Montag endet das reine Homeschooling für die Klassen 1 bis 6 und beginnt der Wechselunterricht. Schulleiter in Waldeck-Frankenberg sind froh darüber, sehen aber auch Probleme.

Waldeck-Frankenberg – Hurra, die Schule beginnt wieder. Mit dieser Grundstimmung sehen viele Schüler und Eltern dem Ende des Distanzunterrichts im zweiten coronabedingten Lockdown entgegen. Ab Montag gehen die Klassen 1 bis 6 in den Wechselunterricht:

Die Klassen werden in zwei Gruppen geteilt, die wechselweise in die Schule kommen und an den anderen Tagen zuhause lernen. Damit endet für sie das reine Homeschooling, das seit Ende der Weihnachtsferien galt.

„Wir hätten uns alle gewünscht, dass die Entscheidung für den Wechselunterricht schon früher gekommen wäre, zum Beispiel schon eine lange Zeit vor den Weihnachtsferien, als die Infektionszahlen sehr hoch waren, aber Präsenzpflicht galt“, sagt die Leiterin der Cornelia-Funke-Schule in Gemünden, in der Grund-, Haupt- und Realschüler betreut werden. Alle seien froh, dass es für die Jahrgänge 1 bis 6 zumindest mit dem wieder Wechselunterricht losgehe.

Den Start in den Wechselunterricht begrüßt auch Stephan Uhde, Leiter des Staatlichen Schulamts für Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder. Bei der Umsetzung werde den Schulen größtmögliche Freiheit gegeben, sagt er. So könnten sie ihren Gegebenheiten vor Ort bestmöglich entsprechen. Sie können zum Beispiel entscheiden, ob die Kinder im wöchentlichen oder täglichen Wechsel die Schule besuchen.

Stephan Uhde, Leiter des Staatlichen Schulamtes für Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder.

Für die Schüler der Klassen 1 bis 6 wird nach Vorgaben des Kultusministeriums zusätzlich eine Notbetreuung an den Schulen eingerichtet für die Tage, an denen sie nicht am Präsenzunterricht teilnehmen. Eltern, die aufgrund von Berufstätigkeit die Kinder an den Tagen nicht zuhause betreuen können, müssen eine Bescheinigung des Arbeitgebers vorlegen.

Wechselunterricht und Notbetreuung – das stellt manche Schulen vor räumliche und personelle Engpässe. In der Bad Wildunger Grundschule Breiter Hagen werden deshalb auch Mediathek und Speiseraum dafür genutzt und jahrgangsübergreifende Betreuungsgruppen gebildet. Erschwerend komme hinzu, dass einige Lehrkräfte keinen Präsenzunterricht machen dürften, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen, sagt Christiane Seibel, Leiterin der Wigand-Gerstenberg-Schule in Frankenberg (siehe weiter unten).

Und wie sieht es in den Bussen aus? Dazu sagt der Landkreis, es seien bereits im vergangenen Jahr 40 Zusatzfahrten an Schultagen eingerichtet worden. Sie hätten die Auslastung stark genutzter Linienfahrten verringert. „Es ist zu erwarten, dass der Distanz- und Wechselunterricht weiter zur Entzerrung der Schülerströme beiträgt“, so der Kreis.

Regelungen der Landesregierung

Nach den Beschlüssen der Hessischen Landesregierung von vergangener Woche gilt für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 ein Wechselunterricht. Ab Klasse 7 wird der Distanzunterricht fortgesetzt – ausgenommen sind die Abschlussklassen, für die auch bisher schon Präsenzunterricht galt. Für Schüler der Qualifikationsphase 2, also 12. Klassen sowie für Vorkurse an den Abendgymnasien und Hessenkollegs gibt es ebenfalls Präsenzunterricht.

Schulleiterin in Frankenberg befürchtet Engpass bei Personal

Christiane Seibel von der Wigand-Gerstenberg-Schule in Frankenberg begrüßt zwar die Rückkehr zum Wechselunterricht ab Montag, 22. Februar, befürchtet aber einen Engpass beim Personal, da einige der Kollegen aus gesundheitlichen Gründen keinen Präsenzunterricht machen dürften und von zuhause arbeiten müssten.

Hinzu komme, dass bisher bereits sehr viele Kinder in der Notbetreuung sind. „Wir haben derzeit 50 unserer 200 Schüler hier und das wird immer mehr“, sagt Christiane Seibel. Die meistens Kollegen mussten also zusätzlich zum Distanzunterricht, den sie von zuhause vorbereiten, auch noch für die Notbetreuung in der Schule sein.

Die Leiterin der Grundschule hat aber auch Verständnis dafür, wenn Eltern ihre Kinder lieber in die Schule schicken. „Wir selbst finden es in einigen Fällen auch besser, wenn wir den Schülern vor Ort helfen können“, sagt Christiane Seibel. „Wir mussten jetzt für jede Lehrerin neue Stundenpläne erstellen und zusätzlich die Notbetreuung abdecken. Außerdem mussten die Gruppen innerhalb der Klassen eingeteilt werden.“

„Inzwischen sind wir schon flexibel geworden. Ich denke, man muss gelassen bleiben“, sagt Christiane Seibel.

Sie finde es allerdings nicht gut, dass die ganze Organisation auf die Schulleiter abgewälzt werde. „Wir sollen beispielsweise Sportunterricht erteilen. Aber wie soll das gehen mit vorgeschriebenen Abstand von 1,50 Metern?“, kritisiert sie. Solange Schnee liege, könne man auch nicht auf den Schulhof ausweichen.

Maskenpflicht: „Sind nicht bei ’Wünsch Dir was’“

Die Verordnung der Landesregierung zum Wechselunterricht sieht nun auch, anders als bisher, eine Maskenpflicht an Grundschulen vor. Das heißt, schon Kinder ab der ersten Klassen müssen medizinische Masken auch während des gesamten Unterrichts am Platz tragen. Eine Entscheidung, die von den Eltern und auch von Schulleitungen unterschiedlich bewertet wird.

Die Maskenpflicht werde an der Wigand-Gerstenberg-Schule in Frankenberg gemäß den Vorgaben umgesetzt, sagt Leiterin Christiane Seibel. „Wir hatten auch in der Vergangenheit schon für alle Maskenpflicht hier an der Schule – die Kinder hatten damit kein Problem, nur einige Eltern. Wir sind hier aber nicht bei ‘Wünsch dir was‘“. Für die Schüler sei es inzwischen selbstverständlich, dass sie die Maske tragen. Zusätzlich habe die Schule Plexiglasscheiben für Lehrerpulte bestellt, die einen zusätzlichen Schutz bieten sollen.

Auch Doris Bechold, Leiterin der Cornelia-Funke-Schule in Gemünden, bewertet die Maskenpflicht in der Grundschule positiv. Die Maske sei ein weiteres Hilfsmittel, um den Unterricht wieder zu ermöglichen. Sie biete Schutz vor Ansteckung und Übertragung der Infektion für Schüler und Lehrkräfte, aber auch für zuhause in den einzelnen Familien.

„Sicherlich wird das zu Beginn für die Kinder ungewohnt sein, die Maske die überwiegende Zeit zu tragen. Individuell gestaltete Maskenpausen bieten Gelegenheit, einmal frei zu atmen“, sagt sie. So gilt nun die Maskenpflicht für die ganze Schule und nicht nur für die Sekundarstufe: „Das war bisher nicht so. Für eine Schule sollten auch einheitliche Regeln gelten, dies ist jetzt umgesetzt.“

Die Leiterin der Grundschule Breiter Hagen (Bad Wildungen), Grit Imhof, sagt: „Es stehen in der Schule ausreichend Masken zum Verteilen an die Kinder zur Verfügung. Gewünscht sind OP- oder FFP2-Masken, aber auch andere Masken werden bei den Grundschülern akzeptiert. Sollten Eltern verweigern, dass ihr Kind im Schulbetrieb eine Maske trägt, nimmt das Kind trotzdem am Unterricht teil, da Schulpflicht besteht. Hier müssen aber dann besondere Schutzmaßnahmen für die anderen Personen (Schulkinder und Lehrkräfte) getroffen werden, wie das konsequente Einhalten des Mindestabstandes von 1,5 Metern.“

Das Land sieht das Tragen von Masken an der Grundschule zwar als verpflichtend vor, überlässt aber die Entscheidung den Schulleitern. An einigen Grundschulen müssen Grundschüler deshalb auch weiterhin keinen Mund-Nasen-Schutz am Platz während des Unterrichts tragen. Eine Entscheidung, gegen die nach Informationen eines Schulleiters auch das Schulamt keine Einwände habe.

(Von Martina Biedenbach, Susanna Battefeld und Klaus Jungheim)

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