Zeitzeugen berichteten über die bewegenden Tage des US-Einmarschs in Frankenau

Als die Amerikaner kamen

Aus dem Feind wurde ein Freund: Die Frankenauerin Liesel Schelberg auf dem Schoß eines amerikanischen Soldaten. Repro: Schelberg

Frankenau. Am Karfreitag, den 30. März 1945, nahmen die Amerikaner Frankenau ein. Wie die Frankenauer den Einzug der US-Streitkräfte erlebt haben, schilderten sie bei einem Themenabend im Hessischen Hof in Frankenau. Der Verein „Wir für die Region“ hatte dazu Zeitzeugen und Interessierte eingeladen.

Vereinsmitglied Walter Ruhwedel freute sich über einen vollen Saal. Die Besonderheit des Abends: Es wurde auf Frankenauer Platt gesprochen. „Der Abend lebt von euren Beiträgen“, sagte Ruhwedel eingangs und dankte vorweg Hans-Joachim Adler von der Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte Ederbergland, Stadthistoriker Gerhard Keute sowie Karl-Heinz Schelberg mit Familie. Zunächst gab Hans-Joachim Adler einen kurzen Einblick in den geschichtlichen Kontext. Dazu nutze er Bilder und Filmaufnahmen, die die Amerikaner während des Vorstoßes aufgenommen hatten.

Nun kamen auch die Zeitzeugen zu Wort. Ruhwedel gab Stichpunkte vor, die die Frankenauer aus ihrer Sicht wiedergaben. Die Erzählungen begannen bei dem Zeitpunkt, als die Amerikaner von Allendorf-Hardtberg nach Frankenau kamen. Eine wichtige Rolle spielten drei Frankenauer: Bürgermeister Tobias Caspar, sein Nachfolger Johannes Ritter und Karl Naumann. Caspar hatte zuvor noch errichtete Panzersperren im Herbstgraben zuschütten lassen. Die drei „Parlamentäre“ übergaben den Amerikanern an der Pauls Mühle die Stadt und bekräftigten, dass Frankenau feindfrei sei.

Zuvor eingetroffene SS-Männer waren von den Frankenauern zum Abzug überredet worden. Die Angst, dass die Amerikaner Frankenau bei Widerstand zerstören würden, war zu groß. Tatsächlich geschah so etwas einige Tage später in Bergheim.

Weiße Fahnen an der Kirche und den Häusern signalisierten, dass kein Widerstand geleistet würde. So rollten die Panzer nach Frankenau. Besetzt wurde die Stadt aber erst von nachfolgenden Kräften. Für die Truppen mussten Häuser geräumt werden, Verhaltensregeln gegenüber den Soldaten wurden bekannt gegeben.

Neben einem Versorgungslager in der Wilhelmstraße wurde im Frankenberger Grund in Richtung Frankenberg ein Gefangenenlager eingerichtet. Schätzungsweise 300 000 Gefangene durchliefen dieses Zwischenlager. Auch dazu zeigte Hans-Joachim Adler Bild- und Filmmaterial der US-Streitkräfte.

Die Frankenauer rückten in dieser Zeit enger zusammen. Die Einwohner, die sich einander unterstützten, wollten auch den Gefangenen helfen. Im Ort gesammelte Nahrung durfte allerdings nicht übergeben werden. Lediglich den vorbeifahrenden Gefangenen in den überladenen Lastwagen konnte das ein oder andere Brot zugeworfen werden.

Erinnerungen auf Platt

Auch wenn die Ereignisse jener Tage bereits 65 Jahre her sind: Die Kinder von damals gaben mit ihren Erzählungen dem Abend eine besondere Stimmung. Hatte doch gerade das Frankenauer Platt eine vertraute Atmosphäre geschaffen, in der vielen die Erinnerungen leicht wieder ins Gedächtnis kamen – ganz im Sinne von Walter Ruhwedel, der viele positive Rückmeldungen auf den Abend erhalten hatte.

Von Marco Schelberg

Quelle: HNA

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