Jubiläum bei der Bäckerei Theiß

Amerikaner werden seit 50 Jahren gekauft

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Brigitte Vöhl, Bodo Hoslowski, Sabine Müller, Christa Ernst, Klaus Theiß und Gerda Theiß (von links) backen und verkaufen Kuchen, Brote und Teilchen in der Bäckerei Theiß in Bottendorf.Foto: Patricia Kutsch

Burgwald-Bottendorf - Die Auswahl in den Auslagen beim Bäcker ist größer geworden - aber frisches Brot, Amerikaner und Brötchen backt die Familie Theiß seit 50 Jahren. Was es nicht mehr gibt, ist der reine Backlohn.

Gerda und Ernst Theiß haben ihre eigene Bäckerei am 15. Oktober 1964 eröffnet. Im selben Jahr hatte das Paar geheiratet. „Mein Mann war Bäcker und wollte immer einen eigenen Laden haben. Als er seinen Meister hatte, haben wir ihn eröffnet“, erinnert sich die gelernte Einzelhandelskauffrau. Sie steht seit 50 Jahren hinter dem Verkaufstresen der Bäckerei - damals half sie ihrem Mann, heute ihrem Sohn Klaus Theiß.

Als Ernst Theiß vor 20 Jahren plötzlich starb, führte Gerda Theiß gemeinsam mit ihren Kindern das Geschäft weiter. Sohn Klaus war bereits Bäcker, musste die Meisterprüfung sofort ablegen. 2007 übernahm er offiziell die Bäckerei in Bottendorf von seiner Mama.

In den vergangenen 50 Jahren hat sich einiges geändert, berichtet Gerda Theiß. Manche Backwaren sind allerdings immer geblieben - auch wenn das Angebot viel größer und vielfältiger geworden ist. „Die Menschen haben früher noch nicht so viel gekauft, sondern viel selbst gebacken“, erzählt Gerda Theiß. Besonders beliebt seien schon immer die Amerikaner gewesen, auch Brot und Brötchen verkaufte die Bäckerei schon immer. „Damals gab es allerdings noch kein Vollkornbrot“, erinnert die Gründerin sich. Damals gab es allerdings noch „Fünf-Pfünder“ - große Brotlaibe, die mehr als ein Kilo wogen. „Heute kauft keiner mehr vier Pfund“. Die Brote sind kleiner geworden, die Auswahl größer: Die Bäckerei Theiß verkauft etwa Vollkornbrote, Sechskornbrote oder ganz normale Bauernbrote. Gewachsen ist auch die Auswahl an Kuchen und Gebäcken: Neben den Amerikanern gibt es mittlerweile Donuts, Berliner, Nussecken und verschiedene Puddingteilchen.

Verschwunden ist aus dem alltäglichen Leben der Bäcker-Familie nicht nur der „Fünf-Pfünder“, sondern auch der Backlohn: „Früher brachten die Landwirte uns ihr Mehl und wir haben für sie das Brot gemacht. Dafür gab es nur den Backlohn.“ Heute bezieht die Bäckerei ihr Mehl von zwei Großmühlen, denn die kleinen Mühlen sind aus den Nachbardörfern verschwunden.

Vier Verkäuferinnen und

zwei Bäcker arbeiten mit

Nur für Backlohn hat die Familie Theiß vor 50 Jahren auch die Kuchen für Beerdigungen gemacht. „Früher brachten die Nachbarn den Angehörigen des Verstorbenen Mehl, Zucker und Margarine“, erinnert sie sich. Diese Zutaten brachten die Angehörigen zum Bäcker, der daraus die Kuchen herstellte. „Da hatten wir viele verschiedene Sorten Zucker und Mehl, mit denen wir dann arbeiten mussten.“ Heute steht Sohn Klaus Theiß gemeinsam mit dem Gesellen Bodo Hoslowski in der Backstube. Hinter dem Verkaufstresen steht Gerda Theiß mit Brigitte Vöhl, Christa Ernst, Sabine Müller und Jessica Finger. Viele Kunden halten auf der Durchreise und genießen eine Pause im Cafè, das zur Bäckerei gehört. „Gerade Frauengruppen melden sich hier zum Frühstück oder zum Kaffeetrinken an und kommen nach einem gemeinsamen Spaziergang vorbei“, berichtet Gerda Theiß, die zwischen dem Verkauf von Brot und Amerikaner den Kaffee serviert.

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