Bürger können jetzt Interesse bekunden 

Anteile am Windpark Gemünden zu verkaufen

Gemünden. Die Rotoren der Windräder bei Gemünden drehen sich endlich – jetzt ging es bei einem Infoabend darum, wie Bürger direkt vom Park profitieren können.

Bei dem Abend im Bürgerhaus zu dem etwa 50 Menschen kamen, beantworteten dazu Fragen: Stefan Kieweg und Inken Barth von der heimischen Verbands-Energie-Werk Gesellschaft für Erneuerbare Energien (VEW), Bürgermeister Frank Gleim und Heiner Eggert, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater beim Kasseler Unternehmen Sb+p,

Wie viel hat der Bau der Windanlagen gekostet?

Die Investition für die sieben Anlagen beträgt 32 Millionen Euro. Davon wurden 27 Millionen Euro über Darlehen finanziert, die bis 2033 laufen. Der Eigenkapitalanteil liegt bei 4,9 Millionen Euro.

Wem gehört welcher Gesellschaftsanteil?

Die momentane Verteilung lautet: 74,9 Prozent hält die VEW, 25,1 Prozent halten zu gleichen Teilen der Landkreis Waldeck-Frankenberg, die Stadtwerke Frankenberg und die Bad Wildunger Kraftverkehrs- und Wasserversorgungsgesellschaft. Die VEW will 23,9 Prozent für die Bürgerbeteiligung abgeben. Dafür will sie zwei Millionen Euro haben. Das sorgte für den Unmut einiger Zuhörer. Denn in den zwei Millionen sind etwa 800.000 Euro enthalten, mit denen sich die VEW ihre Tätigkeit als Projektierer vergüten lassen will.

Was sind Vor- und Nachteile einer Bürgerbeteiligung?

Der Windpark ist bereits in Betrieb und es besteht ein Vollwartungsvertrag. Die garantierte Vergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz über 20 Jahre beträgt zwischen 8,20 Cent und 8,38 Cent pro Kilowattstunde. Die VEW kalkuliert mit einer Bruttorendite von anfänglich circa 3,6 Prozent pro Jahr bis durchschnittlich circa acht Prozent pro Jahr. Nach 16 Jahren ist das Projekt abgeschrieben und es folgen die „goldenen Jahre“, dann könne laut VEW-Prognose mit einer deutlich höhere Rendite gerechnet werden. Nachteile sind die hohe Fremdkapitalquote, die Schwankungen bei den Stromerträgen und die laufenden Kosten, die durch die Gesellschaftsstrukturen der Bürgerbeteiligung entstehen.

Welche Beteiligungsform soll es geben?

Wirtschaftsprüfer Eggert empfiehlt die Gründung einer GmbH & Co KG. Für die Gründung einer Genossenschaft – eine in Deutschland häufige Beteiligungsform bei Energieanlagen – sieht er nicht alle Voraussetzungen erfüllt. Im Vergleich zu anderen Gesellschaftsformen haften die Bürger als Kommanditisten einer GmbH & Co KG nicht mit ihrem Privatvermögen, sondern nur mit ihrem Anlageanteil. Für diese GmbH & Co KG wird auch ein Komplementär benötigt. Bei entsprechender politischer Beschlusslage, könnte auch die Stadt Gemünden als solcher auftreten.

Wie viel würde ein Bürger möglicherweise verdienen?

Ein Zuschauer rechnete vor, wie die Rendite für das Jahr 2018, die im Sommer 2019 ausgeschüttet würde, aussehen könnte. Da der jährliche Erlös des Windparks bei 3,7 Millionen Euro liegen soll und die anfänglichen Kosten (für Betrieb, Pacht, Zinsen und Tilgung) etwa drei Millionen betragen soll, bleiben 700.000 Euro übrig. Anteilig wären das für die Bürgerbeteiligung 165.000 Euro brutto. Wenn die nun aus 100 Leuten besteht, die jeweils 20.000 Euro investiert haben, bedeutet das eine Ausschüttung von maximal 1650 Euro pro Jahr und Person auf die noch Einkommenssteuer anfällt.

Wie kann man sich beteiligen?

Bürger sollten bis Ende März ihr ernstes Interesse bekunden. Nötig sind dazu Name, Anschrift und Höhe der Einlage. Die Höhe dieser Einlage ist nicht festgeschrieben. Wirtschaftsprüfer Eggert empfiehlt aber einen mindestens vierstelligen Betrag. Diese Angaben sollen per Mail an heggert@sb-p.de oder per Post an sb+p, Betreff Interessenbeurkundung Windpark Gemünden, Brüder-Grimm-Platz 4, 34117 Kassel, geschickt werden. Vordrucke gibt es in der Stadtverwaltung Gemünden. Dort können auch weitere Informationen eingesehen und Fragen gestellt werden. Erst wenn ausreichend Interesse besteht, werden vertragliche Details geklärt und Verbindlichkeit entsteht. Es gibt auch die Möglichkeit, so Bürgermeister Gleim, dass die Stadt als Kommanditist oder als Komplementär auftritt. Das hänge auch davon ab, wie viel Geld zusammenkommt und ob die Mehrzahl der Interessenten Gemündener sind. Dazu gibt es aber noch keine politischen Beschlüsse.

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