Frankenberg

Arbeitsplatz, Lebenswerk, Stammtisch

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- Frankenberg-Geismar (schä). Die 50 sind fast voll: Franz Lippek stand am Mittwoch zum letzten Mal in seiner Backstube, Gattin Anneliese zum letzten Mal hinter der Verkaufstheke in der Geismarer Bäckerei.

„Vielen Dank allen Kunden und Freunden“ – ein handgeschriebenes Schild empfing am Mittwoch die Kundschaft an der Tür zur Bäckerei Lippek. Und drinnen staunte manch einer nicht schlecht: „Wie? Brot für 50 Cent?“ Nicht überall hatte es sich herumgesprochen, dass der Backofen an diesem Morgen zum letzten Mal beheizt wurde – vielleicht auch, weil Franz und Anneliese Lippek ihren Ruhestand erst zum 50-jährigen Jubiläum 2012 geplant hatten. So erzählten sie es im vergangenen Herbst, als Franz Lippek auf 25 Jahre als Inhaber zurückblickte. Doch die Gesundheit spielt nicht mehr ganz mit beim Bäckermeister, der daher also seinen 63. Geburtstag am Mittwoch als letzten Arbeitstag ausgewählt hat und aus doppeltem Anlass langjährige Weggefährten, (Sport-)Freunde, Kollegen und Mitarbeiter eingeladen hatte.

Und das Abschiedsgeschenk an die über Jahre treu gebliebenen Kunden waren „Preise wie damals“ – 1952, als Lippeks Vater die Bäckerei an der Wildunger Straße in Geismar eröffnet hatte. „Naja, nicht ganz“, meint Franz Lippek in Bezug auf die Preise. „Damals kostete ein Brötchen 5 Pfennig.“ Und am Mittwoch waren es fünf Cent. Doch nicht nur die Preise sind es, die sich verändert haben in der Branche. Lippek muss überlegen bei der Frage, ob er sich auch heute wie damals – als er mit 13 beim Papa die Lehre begann – den Einstieg in den Bäckerjob vorstellen könne.

„Auf jeden Fall ist es heute nicht einfacher als damals, das Bäckereiwesen hat sich schon verändert“, sagt der „Geismarer Jung“.Früher habe es deutlich mehr Bäckereien gegeben, mehrere in einem Ort, die allesamt Kundschaft gehabt hätten. Heute gebe es stattdessen in jedem Supermarkt Backwerk. Daher weiß Lippek seine Kunden zu schätzen, freut sich, „dass es Leute gibt, die sich Gedanken machen, wo ihre Produkte herkommen und wie sie entstehen.“ Bei Lippeks waren zum Beispiel die Nussecken besonders beliebt bei den Kunden – ein Rezept von Lippeks Vater. Neben den überlieferten Zutaten geblieben sind zahlreiche Erinnerungen.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Freitag, 15. April

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