Spaziergang durch die Vergangenheit

Aseler Brücke: Rita Wilhelmi führt durch das Edersee-Atlantis

Touristenattraktion: Die alte Asel-Brücke im Edersee. Foto:  Göge/nh

Asel. Im Sommer tauchen sie immer wieder aus dem Edersee auf: Die alte Aseler Brücke und andere Reste der versunkenen Dörfer. Dann kann man durch die Vergangenheit zu spazieren.

Das Fachwerkhaus von Rita Wilhelmi stand einst auf dem Grund des Edersees. Vor 100 Jahren, als die Staumauer errichtet wurde, wurde jeder Balken des Gehöfts nummeriert und das Haus am Ufer des neu entstandenen Sees wieder aufgebaut. Rita Wilhelmi ist Gästeführerin für das Edersee-Atlantis.

Jeden Herbst, wenn die Reste der versunkenen Dörfer aus dem See auftauchen, wandert sie mit Touristen und Schulklassen zu den Spuren der Vergangenheit. „Auf mich wirkt dieses große Tal wie ein Urstromtal, ein Stück Vergangenheit, das es sonst nicht mehr gäbe“, sagt die 49-Jährige.

Gebäude mit Geschichte: Rita Wilhelmi vor dem alten Fachwerkhaus, das einst auf dem Grund des Edersees stand. Foto:  Coordes

Rita Wilhelmi ist mit der Geschichte der versunkenen Dörfer ganz selbstverständlich aufgewachsen: 1914, als das idyllische Tal geflutet wurde, mussten 900 Menschen Haus und Hof verlassen - die Bewohner der Dörfer Asel, Bringhausen und Berich sowie mehrerer Gehöfte. Der größte Teil der Alt-Aseler zog ins heutige Asel auf den knapp 300 Meter hoch gelegenen Berg an der Nordseite des Sees, einige wenige nach Asel-Süd, wo neben dem Campingplatz bis heute nur 16 Menschen leben. Hier ist Rita Wilhelmi aufgewachsen.

Jahrelang stiegen die Kinder jeden Morgen in das kleine Fährboot, das sie zur Schule auf der anderen Seeseite brachte. Dafür kamen die Waldarbeiter aus der Gegenrichtung, um im heutigen Nationalpark Holz zu schlagen. Als kleine Entschädigung für die verlorene Heimat und die fruchtbaren Böden durften sie die Fähre umsonst benutzen. Bis heute fahren die Aseler Bürger gratis, wenngleich sie das Fährboot inzwischen fast nur noch für Ausflüge brauchen. Stattdessen setzen Radler und Wanderer über - ein Gong ruft den Fährmann.

Drohnenfotos: Edersee-Atlantis von oben

Drohnenfotos: Edersee-Atlantis von oben

Wenn der See wegen des sinkenden Pegelstandes im oberen Teil zu einem schmalen Flüsschen schrumpft, gehen die Menschen zu Fuß ans andere Ufer. Dann taucht die vor 100 Jahren untergegangene Brücke über die Eder wieder auf. Die 60 Meter lange, vierbogige Ederbrücke steht unter Denkmalschutz und ist das am besten erhaltene Bauwerk des alten Tals. Trotzdem rät Rita Wilhelmi ihren Gästen zu Gummistiefeln, wenn sie über die von Rissen durchzogene Erde stapfen. An manchen Ecken sinken die Kinder knietief im Schlamm ein.

„Ich lasse die Besucher immer raten, wie hoch das Wasser normalerweise über ihnen steht“, erzählt Wilhelmi. Es sind zehn Meter. Auf den Ruinen-Feldern zeigt sie die Grundmauern der alten Gehöfte, der Schule, der Kirche und die alten Baumstümpfe. Das Überschwemmungsgebiet ist aber auch Lebensraum für seltene Pflanzen - etwa für den Schlammling, die kleinste Blühpflanze Deutschlands. Je länger die Trockenphase dauert, um so grüner wird der Grund des Sees.

Die alte Aseler Brücke im Edersee: Fotos unserer Leser

Die alte Aseler Brücke im Edersee: Fotos unserer Leser

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Quelle: HNA

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