Daniel Erdmann zurück von der Walz

Auch bei Heimkehr Tradition gewahrt

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Frankenberg - In aller Seelenruhe laufen die 16 Handwerker in ihrer Kluft in Schlangenlinien über die Alte Geismarer Straße, ungeachtet der Autos, die sich bereits hinter ihnen stauen. Die meisten Fahrer drehen irgendwann ab: Daniel Erdmann und seine Gefährten lassen sich Zeit.

Warum auch hetzen? Nach vier Jahren, in denen Erdmann seiner Heimatstadt nicht näher als 60 Kilometer Luftlinie kommen durfte, kommt es auf zehn Minuten auch nicht mehr an. Allerdings können die rund 30 Freunde und Familienmitglieder es kaum noch erwarten, ihren Daniel wieder in die Arme zu schließen. Sie warteten am Ortsschild in der Geismarer Straße auf ihn. Sie durften ihm nicht entgegengehen, sondern mussten warten, bis er selbst auf der anderen Seite des Ortsschildes angekommen war - und zwar im buchstäblichen Sinne.

Daniel Erdmanns Walz endete auf ebenso traditionelle Weise wie sie begonnen hatte. Insgesamt 15 Wandergefährten begleiteten ihn nach Frankenberg. Auf den letzten Metern vor der Stadtgrenze ließen sich die jungen Männer einige Zeit. Sie drehten eine Schlangenlinie nach der anderen auf der Straße, kletterten über die Leitplanke und auf die Böschungen links und rechts der Straße, umkreisten zum sichtlichen Vergnügen einer Beifahrerin wartende Autos, stellten sich im Kreis auf und sangen Lieder. Dabei war nicht zu übersehen, dass Daniel Erdmann den letzte Tag seiner Lehr- und Wanderjahre bereits feuchtfröhlich gefeiert hatte.

Ein Handwerker nach dem anderen verabschiedete sich von dem Frankenberger, bevor dieser den letzten traditionellen Akt in Angriff nahm: Er musste über das Ortsschild klettern. Vorher allerdings entledigte er sich seiner Hose und präsentierte sich im Kilt. Das hatte nichts mit Tradition zu tun, sondern mit einer Wette. Mit Hilfe der Wanderstäbe, die seine Kameraden zwischen sich hielten, kletterte Daniel Erdmann auf das Ortsschild, das gefährlich schwankte.

Nachdem er sich mit einem Bier dort oben noch etwas Mut angetrunken hatte, ließ er sich auf der anderen Seite in die Arme seiner Kollegen rutschen. Dann endlich umringten ihn seine Familie und Freunde: Zuerst schloss er seinen Vater Oliver in die Arme, dann seine Mutter Monika. Mit einem lässigen "Hi, Oma!", sorgte er für Gelächter. Auch seine Wandergefährten schüttelten allen die Hand und stellten sich vor.

Am Samstagabend gab es eine große Willkommensparty für Daniel Erdmann in Schreufa. In den nächsten Wochen hat er Zeit, sich wieder an den Alltag, an technische Annehmlichkeiten und einen festen Wohnsitz zu gewöhnen. Im August startet der 25-Jährige die Meisterschule.

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