Deutschlandweiter Vorlesetag

Auch ohne Bildschirm und "Sound" gebannt

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Bahar Dasdemir, selbst Schülerin an der Edertalschule, las in der Mediathek des Gymnasiums aus „Die Insel der Abenteuer“.

Frankenberg - Es gibt keinen Knopf zum Anschalten, keinen Bildschirm, keinen Lautstärkeregler - und doch sitzen sie wie gebannt und hörten fasziniert zu. Beim bundesweiten Vorlese-Tag wurde am Freitag vielen Kindern jeden Alters Spannendes, Lustiges und Bewegendes vorgelesen.

Gerade in einem immer mehr digitalisierten Leben ist es wichtig, die Lesemotivation von Kindern zu erhalten und zu fördern. Das völlig „analoge“ Vorlesen und Lesen aus gedruckten Büchern hat einen immer größer werdenden Stellenwert in vielen Schulen. Im Jahr 2004 initiierte die Stiftung Lesen daher einen bundesweiten Vorlese-Tag im November, an dem Vorleser in ganz Deutschland mit viel Leidenschaft und voller Überzeugung an allen nur denkbaren Orten vorlesen. Erklärtes Ziel ist es, Begeisterung für das Lesen und Vorlesen zu wecken, denn für beide Seiten bedeutet dies unter anderem auch, sich ein Stück Kindheit zu bewahren.

Der gewohnte Umgang mit der Neugier und Begeisterungsfähigkeit sehr junger Kinder macht vor allem auch Erzieherinnen sowie Grundschullehrerinnen zu erfindungsreichen Erzählerinnen und Vorleserinnen. In der Wigand-Gerstenberg-Schule waren etwa 30 Kinder der benachbarten DRK-Kindertagesstätte und aus Schreufa zu Besuch, um gemeinsam mit den Erstklässlern in einer Vorlesestunde Geschichten zu lauschen. Sie tauchten regelrecht ein in die Geschichten von „Michel aus Lönneberga“, malten Bilder zu Chris Wormells „Keine Angst vor Ungeheuern“ oder knuddelten mit dem Plüsch-Nilpferd aus der Geschichte „Ein Nilpferd auf Sylt“. Voller Euphorie stellten sie sich vor, wie im Buch „Der kleine Drache(n)“ ein Papierdrachen einen Feuerdrachen als Freund gewinnt.

Die Kinder der dritten und vierten Klassen durften sich zwischen verschiedenen Büchern wie etwa den „Wawuschels mit den grünen Haaren“, „Vier-einhalb Freunde“ oder „Carlson vom Dach“ entscheiden und sich in eine Gruppe einwählen.

In der Edertalschule fand der Vorlese-Tag von der ersten bis sechsten Stunde in der Mediathek statt. Anders als im vergangenen Jahr waren es in diesem Jahr Schüler, die allen fünften bis siebten Klassen Ausschnitte aus vielen verschiedenen Büchern, unter anderem aus „Tintenherz“, „Harry Potter und der Stein der Weisen“ oder „Ronja Räubertochter“ vorlasen. Die gemütliche und lichtdurchflutete Atmosphäre der Mediathek war der ideale Ort, um sich zwischen Büchern und Pflanzen für einen Moment in eine andere Welt versetzen zu lassen. Die Vorleser wählten die Bücher aus, die sie selber gerne gelesen hatten, und trafen gerade dadurch auch den Geschmack der jungen Zuhörer, die auf so manche Passage mit lautem Lachen oder auch mit ernster Mine reagierten und so ihr intensives und konzentriertes Zuhören bewiesen.

Bemerkenswert war auch, dass sich bereits bei der Vorbereitung des Vorlesetages so viele Schüler zur Vorstellung ihres Lieblingsbuches bereit erklärt und die Zuhörer mit tollen Lesetipps versorgt haben, die so mancher Schüler im großen Jugendbuchsortiment der Mediathek gleich umgesetzt hat. Das Ziel des Vorlesetages war voll erreicht.

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