Ein Blick in die Gründerjahre des Krankenhauses - Bürger spendeten für den Bau

Aufbauwille in der Notzeit

Sie sorgten für die Patienten: Chefarzt Dr. Franz Leitermann, der 1944 mit seinem Kriegslazarett aus dem litauischen Grodno nach Frankenberg verlegt worden war, bildete im neuen Krankenhaus ab 1951 zusammen mit Oberschwester Helene Falkenrod (rechts) die ersten Krankenschwestern aus.

Frankenberg. In den Jahren nach Kriegsende 1945 litt die Region um Frankenberg nicht nur unter Wohnungsknappheit und Zwangsbewirtschaftung, auch die stationäre Versorgung von Kranken war nur unter schwierigsten Bedingungen in den Räumen des Edertalgymnasiums, der Landwirtschaftsschule und später im Hotel Lengemann möglich. Schwerkranke mussten den weiten Transportweg nach Marburg in Kauf nehmen.

„Um diesem Notstand abzuhelfen, hat sich das Rote Kreuz entschlossen, auf dem Goßberg, oberhalb der Oberförsterei, ein Krankenhaus zu bauen und einzurichten“, schrieb DRK-Kreisdienststellenleiter Paul Backhaus am 7. August 1946 an die Militärregierung – ein mutiges Angebot. Miterlebt hat dies der langjährige DRK-Schatzmeister Wilhelm Lange, der schon 1945 in Frankenberg als DRK-Suchdienstreferent seine Arbeit aufgenommen hatte und heute noch die Original-Spendenlisten aus dem Jahr 1947 aufbewahrt. „Sie spiegeln wider, mit welch großer Opferbereitschaft Privatleute und Kommunen damals das Projekt Krankenhausbau unterstützten“, sagt der heute 86-jährige Zeitzeuge.

Nachdem das DRK festgestellt hatte, dass es ein Krankenhaus nicht allein finanzieren konnte, übernahm der Kreis die Trägerschaft für das Projekt und erteilte 1947 dem Architekten Otto Teichmann den Planungsauftrag. Man sah etwa 900 000 Reichsmark (RM) Baukosten vor, von denen 300 000 RM aber erst noch durch Sammlungen aufgebracht werden sollten. Prominente Persönlichkeiten erlebten als Spendenwerber in der Bevölkerung spontane Hilfsbereitschaft. Allein Bürgermeister Hugo Dertz konnte mit seiner Liste 40 400 RM auftreiben. Die Kommunen brachten 282 000 RM auf; 70 Betten wurden von Gemeinden, 36 von Privatleuten gestiftet.

Landrat Dr. Ulrich Stapenhorst trieb das Projekt Kreiskrankenhaus mit großer Energie voran: Am 28. Februar 1947 fasste der Kreistag den Beschluss zum Bau, und am 25. Oktober 1947 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung. Der erste Teil, ein nur 30 Meter langer Bauabschnitt, wurde am 26. November 1948, im Jahr der Währungsreform, im Rohbau fertig. Im September 1949 stand das gesamte 85 Meter lange Gebäude am Goßberg. Die Einweihung erfolgte präzise vier Jahre nach Baubeginn: am 25. Oktober 1951.

Die Währungsreform hatte auch die Rücklagen des Kreises vernichtet. Nur mit Hilfe staatlicher Zuschüsse und einer „großherzigen namhaften amerikanischen Spende“ von 450 000 DM aus dem McCloy-Fonds konnte der Innenausbau weiter geführt werden, für die Handwerker der Region ein warmer Regen.

Einweihung 1951

Der Neubau „gab Arbeit und Brot bei seiner Entstehung und wird Heilung und Hilfe schenken nach seiner Vollendung“, hieß es am Einweihungstag 1951, als der Musikverein vom Balkon Beethoven-Klänge erschallen ließ. Lokalredakteur Otto Schwieder nannte „unser Kreiskrankenhaus“ ein „steinernes Dokument helfender Menschlichkeit und eines kraftvollen Aufbauwillens in schwerer Notzeit“.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare