Förderverein will um den Fortbestand des Dampfmaschinenmuseums kämpfen

Aufbegehren kurz vor dem Ende

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Die große Dampflokomobile war der Grund, dass überhaupt ein Dampfmaschinenmuseum im Unternehmenspark bei Schreufa eingerichtet wurde. Klaus Hartmann (r.) und Manfred Weider vom Förderverein wollen sie unbedingt erhalten. Fotos: Andrea Pauly

Frankenberg-Schreufa - Die größte noch funktionsfähige Dampflokomobile Deutschlands steht im Unternehmenspark in Schreufa. Das rundherum entstandene Museum ist mittlerweile geräumt. Doch der Förderverein will die Ausstellung fortsetzen. Dabei geht der Vorstand von anderen Voraussetzungen aus als die Vertreter der Eigentümergesellschaft.

Es geht - wie so oft - ums Geld. Auf der einen Seite steht der Förderverein Dampfmaschinenmuseum Frankenberg (FDF), der das Museum erhalten möchte, dafür aber mindestens eine mittlere fünfstellige Summe benötigt - die er nicht hat. Auf der anderen Seite steht die Kremer GmbH, die Eigentümerin jener Immobilie, in welcher der FDF das Museum sehen möchte. Die Kremer-Gesellschafter rechnen mit einer sechsstelligen Summe allein für den Brandschutz, falls ein Teil des Gebäudes als Museum genutzt würde.

Vor einem halben Jahr hat die Kremer GmbH dem Förderverein mitgeteilt, dass die Immobilie, in der sich das Museum befand, veräußert wird (wir berichteten). Dass ein Verkauf angestrebt wurde, war dem FDF zu diesem Zeitpunkt bereits seit einem Jahr bekannt (siehe Chronik). Inzwischen sind die Exponate aus der großen vorderen Halle geräumt. Die Gesellschafter stellen dem Verein die hinteren Räume bis zum 30.Juni 2015 zur Unterstellung der Exponate zur Verfügung.

Doch der Museumsverein will sich von der Immobilie nicht vollständig trennen: Er würde das Museum gern in einer kleineren Version langfristig in genau den Räumen einrichten, die er derzeit als Lager nutzt. Diese würde der neue Besitzer ohnehin nicht nutzen wollen, sagt Vereinsvorsitzender Klaus Hartmann. Dabei handelt es sich um die Halle, in der sich die große Dampflokomobile aus dem Jahr 1934 befindet, sowie eine weitere kleinere Halle. Hinzu kommt der ehemalige Spänebunker. Die Kosten, diese drei Räume von der großen Halle abzutrennen, seien „überschaubar“, sagt Hartmann.

Das sieht Günter Beil, Sprecher der Kremer GmbH, völlig anders: „Aus brandschutzrechtlichen Gründen ist es nicht möglich, die Gebäude, die derzeit als Museum eine Baugenehmigung haben, umzuwidmen in einen Teil Lager und einen Teil Museum.“ Die Auflagen seien - gerade bei unterschiedlichen Besitzverhältnissen - so hoch, dass die Investitionen allein für deren Einhaltung im hohen sechsstelligen Bereich lägen. „Da müssten Abstandshaltungen und Brandmauern geschaffen werden, die einen Brandüberschlag absolut ausschließen, sodass dieses finanziell überhaupt nicht darzustellen ist“, erläuterte Beil im Gespräch mit der FZ. Insofern sei ein solches Konzept für die Kremer GmbH „indiskutabel. Und deswegen halten wir an dem Vorhaben, dieses Gebäude als Lagerhalle zu veräußern, fest und sehen keine Möglichkeit, dieses als Museum weiterzuführen - auch nicht in Teilen.“

Kaufangebot mehrfach abgelehnt: Risiko zu hoch

Doch es geht nicht allein um die Trennung des Gebäudes. Dem Förderverein fehlt auch das Geld, um die Räume zu restaurieren. Dächer müssen saniert, Wasserleitungen gelegt, der alte Spänebunker ausgebaut und eine Toilette installiert werden. Diese Kosten, die der Verein auf eine mittlere bis hohe fünfstellige Summe beziffert, kann er nicht aus eigenen Mitteln tragen - was übrigens auch der Grund ist, warum der Vorstand des FDF das wiederholte Angebot der Kremer GmbH, das Gebäude für einen symbolischen Kaufpreis zu bekommen, immer wieder abgelehnt hat. „Der Investitionsbedarf ist zu hoch“, begründet Hartmann. Das Risiko könne der Verein nicht verantworten.

Das hat der Förderverein der Kremer GmbH in der Vergangenheit auch mitgeteilt: „Die Ablehnungsschreiben aus verschiedenen Vorstandssitzungen, die Gebäude zu übernehmen, liegen vor“, sagt Beil, „sodass auch wir irgendwann am Ende sind, was weitergehende Unterstützung angeht.“

Die Gesellschaft sei dem Verein über einen Zeitraum von insgesamt zirka zwei Jahren sehr weit entgegengekommen. „Wir haben alles versucht, um dieses Museum zu erhalten und zu ermöglichen und die Arbeit des Fördervereins der letzten Jahre zu honorieren“, betont Beil.

Die Bemühungen, andere Käufer für das Gebäude zu finden - die Stadt, den Landkreis, private Investoren - scheiterten allesamt. Auch der Umzug des Museums in die alten Thonet-Hallen ist vom Tisch, unter anderem weil diese irgendwann abgerissen werden sollen. „Bisher konnte uns noch niemand einen alternativen Ausstellungsraum nennen“, bedauert der Schatzmeister des Fördervereins, Manfred Weider.

Hartmann und Weider hoffen nun, dass es noch eine andere Lösung gibt - in Form von einer finanziellen Unterstützung von außen. „Vielleicht findet sich ja jemand, der das Geld hat und das Museum unterstützen will.“ Denn eines ist entscheidend: Wenn das Dampfmaschinenmuseum anerkannt und förderfähig werden soll, muss die Immobilie im Besitz des Vereins sein oder ein extrem langfristiger Mietvertrag vorliegen.

Für den 18. März ist eine Mitgliederversammlung des Fördervereins anberaumt. Für Hartmann und Weider ist klar: Bis dahin muss eine Finanzierung gesichert sein - oder die Geschichte des Dampfmaschinenmuseums endet.

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