Ines Papert spricht vor heimischen Unternehmern über sportliche und unternehmerische Strategien

Mut aufbringen und neue Wege gehen

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Battenberg - Eiserner Wille, Teamgeist, Organisationstalent: Unternehmensführung und das Bezwingen eisiger Gipfel haben vieles gemeinsam. Das belegte der Vortrag von Ines Papert vor Vertretern der heimischen Wirtschaft.

An einem staubigen, rissigen Finger zieht sich die Frau den Berg hinauf, das Gesicht zur Grimasse verzerrt, unter ihr hunderte Meter nichts. Ein Schrei - der Erleichterung: Sie hat es geschafft, den sicheren Halt gefunden. Ausschnitt aus der Präsentation von Ines Papert, viermalige Weltmeisterin im Eisklettern, die am Mittwochabend auf Einladung des Arbeitskreises der Wirtschaft für Kommunalfragen (AFK) in Battenberg zu Gast war. Ohne auf Gemeinsamkeiten eigens hinzuweisen, sprach die junge Frau in der Burgberghalle an, was Unternehmergeist und der Wille, gefrorene Giganten zu bezwingen gemein haben: viel.

Strategie zum Überleben

An erster Stelle steht wohl der Wille, neue Wege zu beschreiten: „Ich hatte genug vom Wettbewerb, ich hatte keine Konkurrenz mehr“, erklärte Papert, warum sie sich vom Wettbewerbs-Klettern abwandte. Stattdessen entschloss sie sich, frei zu klettern, in Seilschaften, in unbekannten Gebieten - neue Routen zu ersteigen. Etwa im Himalaya: Faszinierende Film- und Fotoaufnahmen dokumentieren den Versuch, zu dritt zuzüglich Fotograf eine Eisrinne einer 1200 Meter hohen Steilwand zu erklimmen. Dass Aufgeben eine Strategie zum Überleben ist, kann wohl auch als wertvolles Unternehmerwissen angesehen werden: Erst scheitert der Aufstieg mehrfach am Wetter, einmal sogar nur 200 Meter unter dem Ziel. Dann sind es Krankheiten, die eine erfolgreiche Erstbesteigung behindern. Teamarbeit, das wurde in ihrer Präsentation schnell klar, ermöglicht erst, eine derartige Herausforderung anzugehen. Doch ein Garant für Erfolg ist es nicht, wenn die äußeren Umstände nicht stimmen: „Auch ich bin nur so stark wie das schwächste Glied der Kette“, sagt die Frau, die auf den ersten Blick zierlich wirkt, doch im Video Muskeln offenbart, wo die meisten Menschen nichteinmal welche vermuten.

Schließlich der Blick für die kleinere Lösung: Als ein Mitglied der Seilschaft erkrankt, entschließen sich Papert und ein Kollege, eine weniger hohe, weniger gefährliche Rinne zu nehmen - und schaffen es ohne große Probleme. Vorausgegangen waren Tage der Entbehrung, bei schlechtem Wetter Tage des endlosen Wartens - doch Erstbesteigung ist Erstbesteigung.

„Ich komme ein drittes Mal“

Auch wenn die „kleine Lösung“ vorübergehend befriedigte: „Ich komme auch noch ein drittes Mal“, sagte Papert - ein weiterer Grundstein für unternehmerischen Erfolg: Wenn das große Ziel nicht sofort erreichbar ist, muss es später angegangen werden. Paperts Tipp: „Ich sehe nie die ganze Wand. Ich nehme mir immer Etappen vor, die ich auch schaffen kann“.

Den großen Applaus der Unternehmer im AFK und der übrigen Besucher des Vortrags in der Burgberghalle fasste Gastgeber Kurt Biebighäuser vom gleichnamigen Autohaus prägnant in Worten zusammen: „Ihr Vortrag gibt uns Mut, weiter zu machen. Er motiviert und ruft auf, nach neuen Zielen zu suchen“. (gl)

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