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60 Jahre Bundeswehr-Standort Frankenberg: In die politischen Entwicklungen Europas eingebunden

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Von: Karl-Hermann Völker

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Wahrzeichen verschwanden: Im September wurden die Antennenmasten an der Burgwaldkaserne feierlich abgebaut – Technik und Ziele der elektronischen Kampfführung hatten sich verändert. Mit dabei waren Kommandeur Elmar Henschen und Bürgermeister Rüdiger Heß als Vertreter der Bundeswehr-Partnerstadt seit 30 Jahren.
Wahrzeichen verschwanden: Im September wurden die Antennenmasten an der Burgwaldkaserne feierlich abgebaut – Technik und Ziele der elektronischen Kampfführung hatten sich verändert. Mit dabei waren Kommandeur Elmar Henschen und Bürgermeister Rüdiger Heß als Vertreter der Bundeswehr-Partnerstadt seit 30 Jahren. © Karl-Hermann Völker (Archiv)

In sechs Jahrzehnten hat sich nicht nur der Bundeswehr-Standort mit seinen Strukturen und verteidigungspolitischen Aufgaben verändert. Auch die Gastgeberstadt Frankenberg, die sich 1962 noch in einer Phase des Umbruchs vom Ackerbürgerstädtchen mit Handel und Kleingewerbe zu einem modernen Mittelzentrum befand, erhielt wichtige Impulse.

Frankenberg – Viele Zeit- und Berufssoldaten zogen mit ihren Familien zu, die hoch qualifizierte Sprach- und Technikausbildung des Fernmeldebataillons 320 in der Burgwaldkaserne schuf begehrte Fachkräfte später auch für die Wirtschaft der Region.

Bis zum September 2013 bestimmte das Bild des Hochfrequenz-Antennenfeldes das Bild der Burgwaldkaserne in der Landschaft. In Zeiten des „Kalten Krieges“, bei dem sich an der innerdeutschen Grenze noch bis in die 1980er-Jahre Soldaten der NATO und des Warschauer Paktes bewaffnet gegenüberstanden, während der Kubakrise 1962 oder auch beim Einmarsch der Ostblock-Streitkräfte in die Tschechoslowakei zur Niederschlagung des „Prager Frühlings“ 1968 war das Frankenberger Fernmeldebataillon 320 mit seiner technischen Spezialausrüstung in die politischen Entwicklungen Europas eingebunden.

Internationale Einsätze bei Krisenherden: Spezialkräfte der elektronischen Kampfführung aus Frankenberg wirkten seit 2002 im Ausland mit, wie hier die 8. Kompanie im afghanischen Mazar-e-Sharif. Nach fast 20 Jahren Afghanistan-Einsatz und dem schrecklichen Verlust von vier jungen Soldaten bei einem Sprengstoffanschlag 2003 kehrten die letzten Frankenberger Soldaten am 29. Juni 2021 wohlbehalten zurück.
Internationale Einsätze bei Krisenherden: Spezialkräfte der elektronischen Kampfführung aus Frankenberg wirkten seit 2002 im Ausland mit, wie hier die 8. Kompanie im afghanischen Mazar-e-Sharif. Nach fast 20 Jahren Afghanistan-Einsatz und dem schrecklichen Verlust von vier jungen Soldaten bei einem Sprengstoffanschlag 2003 kehrten die letzten Frankenberger Soldaten am 29. Juni 2021 wohlbehalten zurück. © Karl-Hermann Völker (Archiv)

Schon wenige Monate nach der Stationierung betrieben Frankenberger Soldaten elektronische Aufklärung auf dem Hohen Meißner an der Zonengrenze und horchten in die Funknetze der Gruppe Sowjetischer Truppen in Deutschland (GSTD) hinein. Die auf elektromagnetische Ausstrahlung spezialisierten Fachleute des Frankenberger Fernmeldebataillons lieferten mit ihren Mitteln der Elektronischen Kampfführung wie Aufklären, Stören, Suchen und Auswerten 1968 bei der Besetzung der CSSR durch Truppen des Warschauer Paktes den Politikern und Militärs solch wichtige politische Entscheidungsgrundlagen, dass es für sie anschließend hohes Lob bei einem Besuch durch den Generalinspekteur der Bundeswehr, Ulrich de Maizière, gab.

Fuchs mit Peiler: Die Antennen des Transportpanzers, von den Soldaten scherzhaft Iller, der Frequenzkiller genannt, waren in den 80ern nach Osten gerichtet.
Fuchs mit Peiler: Die Antennen des Transportpanzers, von den Soldaten scherzhaft Iller, der Frequenzkiller genannt, waren in den 80ern nach Osten gerichtet. © Karl-Hermann Völker (Archiv)

Mit der Heeresstrukturreform 5 der Bundeswehr nach der Deutschen Vereinigung wurde das Bataillon zum „Fernmelderegiment 320“ aufgestuft. Es folgte die Teilnahme von EloKa-Spezialisten an internationalen UNO-Einsätzen 1993 in Somalia, 1994 wurden Teile des Regiments zu „Krisen-Reaktions-Kräften“ (KRK) bestimmt, 1996 reiste das erste Vorauskontingent mit 17 Fahrzeugen nach Mostar in Bosnien (SFOR) und 1997 folgten dorthin die Hauptkräfte. 1999 begann der KFOR-Einsatz im Kosovo, 2002 der Auslandseinsatz ISAF in Afghanistan, geendet 2021. Dort verloren im Juni 2003 vier Soldaten bei einem Sprengstoffanschlag ihr Leben.

Ab 2003 wurde der Frankenberger Heeresverband zum „Bataillon Elektronische Kampfführung 932“ in der Streitkräftebasis umgerüstet. „In diesen Jahrzehnten entwickelte sich das EloKaBtl 932 zu dem, was es heute darstellt: ein äußerst moderner und hochmobiler Verband, der unter anderem die militärische Heimat einer einzigartigen Fähigkeit der Bundeswehr ist: die luftlandefähige Komponente für den Elektronischen Kampf zur Nahunterstützung im Einsatz, kurz ‚LEKE’“, lobt Vizeadmiral Dr. Thomas Daum, Generalinspekteur „Cyber- und Informationsraum“, in seinem Grußwort zum Jubiläum.

Mit rund 700 Soldatinnen und Soldaten sowie zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nimmt das EloKa-Bataillon 932 die Aufgaben der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung sowie des Elektronischen Kampfes wahr.

Das Hauptaugenmerk liegt dabei derzeit auf landbasierten Operationen und der Bereitstellung schneller Kräfte.

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