Theater-AG der Edertalschule bearbeitet Roman-Vorlage von Friedrich Dürrenmatt

Aufruhr im „Durcheinandertal“

Frankenberg - Eine außergewöhnliche Vorlage hat die Theater-AG der Edertalschule für ihre Aufführungen im Mai gewählt: Das Stück hat als Grundlage das letzte literarische Werk von Friedrich Dürrenmatt, „Durcheinandertal“.

In dem 1989 erschienenen, weitgehend unbekannt gebliebenen Roman lässt Dürrenmatt in zahlreichen Handlungssträngen die idyllische (Schweizer) Bergwelt durcheinandergeraten. Es wird ein Dorf gezeigt, das bisher ganz gut von den Gästen des Kurhauses gelebt hat, welches sich auf der anderen Talseite befindet. Diese Idylle gerät ins Wanken, als der fromme, frauenmordende Prediger Moses Melker den Boss aller Bosse dazu bewegen kann, das Kurhaus zu erwerben. Es wird eine „Society for morality“ gegründet, in der lauter senile Alte die Pläne abnicken. Und so wird das Kurhaus das „Haus der Armut“ verwandelt, in dem die Reichen mit theologischer Unterstützung des Moses Melker die Gnade Gottes erlangen: Sie müssen einen Sommer lang in Armut leben und alle Arbeiten selber verrichten. Das missfällt den Dorfbewohnern, die nun nichts mehr verdienen und in Armut versinken.

Die Handlung spitzt sich aber erst richtig zu, als der Boss aller Bosse und sein Syndikat im Winter heimlich Gangster im ehemaligen Kurhaus unterbringen, die eine Zeit lang aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Einer der Gangster fällt über ein junges Mädchen aus dem Dorf her, ein anderer wird daraufhin vom Hund des Gemeindepräsidenten des Dorfes in den Hintern gebissen. Der Gemeindepräsident lehnt aber die Forderung des Syndikats ab, woraufhin eine absurde Hundejagd beginnt. Damit nicht genug, gibt sich ein Gangster als Sohn des Dorfes zu erkennen und stachelt die Dorfbewohner zu einem Feldzug gegen das ehemalige Kurhaus auf …

„Wir haben den Roman ,Durcheinandertal‘ als Vorlage für unser Stück ausgewählt, weil die Handlung einerseits völlig grotesk ist, andererseits viele Nadelstiche gegen die von wirtschaftlichen Interessen geprägte Wirklichkeit enthält“, erklärt Paul Möllers, der Leiter der Theater-AG. Der ausschweifige erzählende Text musste, um auf die Bühne zu kommen, radikal gekürzt werden und die erzählenden Passagen in Szenen umgeformt werden. „Interessant für uns war es vor allem, aus manchen von Dürrenmatt mit nur wenigen Worten angedeuteten Handlungsebenen eigene Szenen zu entwickeln“, erläutert Paul Möllers. Als Beispiel nennt er die Reaktion der Reichen, als sie erfahren, dass sie im „Haus der Armut“ nicht bedient werden, sondern selber anfassen müssen. „Es hat Spaß gemacht, diese absurde Situation weiter zu spinnen und eine völlig groteske Szene daraus zu machen. Wir hoffen, dass auch die Zuschauer daran ihren Spaß haben werden.“

Um die Berglandschaft auf der Bühne entstehen zu lassen, hat sich die Theater-AG etwas Besonderes ausgedacht: Die Bergwelt wird in einem Miniatur-Modell auf der Bühne stehen, die dann von Kameras auf Leinwände projiziert wird. „Dabei wird es einige Spezialeffekte geben“, deutet Möllers an.

Die Aufführungstermine im Überblick: Mittwoch, 9. Mai, Freitag, 11. Mai, Samstag, 12. Mai, Sonntag, 13. Mai, jeweils ab 20 Uhr im „Dampfmaschinenmuseum“ im Unternehmenspark Nord bei Schreufa. Die Eintrittskarte kostet acht Euro für Erwachsene, ermäßigt fünf Euro. Vorverkaufsstellen sind die Buchhandlung Jakobi in der Fußgängerzone und Lädchen gegenüber der Edertalschule.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare