Battenberg

Ausstellung zu Forstmeister Frevert

- Battenberg (ph). Seine Verdienste um die Jagd sind unbestritten. Allerdings wird Walter Frevert auch mit Nazi-Kriegsverbrechen in den Jahren 1941 und 1942 in Polen in Verbindung gebracht. Ab Sonntag widmet sich eine Schauvitrine im Stadtmuseum dem Mann, der bis 1936 in Battenberg wirkte.

Im Stadtmuseum wurde im Bereich Jagdgeschichte eine neue Vitrine eingerichtet, die dem ehemaligen Battenberger Forstmeister Walter Frevert gewidmet ist. Frevert war vom 1. April 1928 bis 30. November 1936 Leiter des Forstamts Battenberg in der Neuburg, dem heutigen Rathaus. Ältere Battenberger erinnern sich noch an ihn.

Mehrere aus dem Jagdschloss Kranichstein an das Stadtmuseum Battenberg ausgelie­hene Ausstellungsstücke, darunter einige historische Jagdwaffen, mussten wieder zurückgegeben werden. Neuen Platz gab es für das Stadtmuseum auch durch den Auszug der Stadtbücherei. Mit den neuen Ausstellungen zu den Themen „Motorradrennen“ und „Bergbaugeschichte“ wurde das Stadtmuseum im vergangenen Jahr bereichert. Dem Heimat- und Kulturverein, der das Museum betreut, war es auch möglich, die Ausstellung zur Jagdgeschichte neu zu gestalten. Vorsitzender Frank Röbert und sein Vorstandsteam mit Bärbel Stübner, Elisabeth Skupin und Hans-Peter Huft haben sich dafür eingesetzt, dass im Stadtmuseum über das Wirken des Forstmeisters Frevert informiert wird. Sie haben mehrere interessante Exponate zusammengetragen. Über acht Jahre lang war Frevert Leiter des Forstamts Battenberg. In seiner Amtszeit veranlasste er das erstmalige Aussetzen von europäischem Muffelwild. Markantes Zeichen dieser Wildtiere sind die schneckenförmig eingedrehten Hörner.

Der Battenberger Bestand wurde im Jahr 1932 mit zwei sardischen Widdern und fünf Schafen aus dem Neutra-Gebirge in der Slowakei durch Forstmeister Frevert begründet. Heute liegt der Tierbestand bei rund 120 Mufflons. Dieses Muffelwild macht keine Schälschaden an Bäumen und tritt auch nicht auf Felder aus.

Im Blick auf seine Dienstzeit in Battenberg gibt es von Walter Frevert die Aussage: „Wenn ich zurückblicke, dann war in Battenberg das Schöne, dass ich dort weder von Vorgesetzten noch von prominenten Gästen behelligt jagen durfte.“

Eine 2004 erschienene Biografie legt aber auch Schattenseiten des legendären Waidmannes offen. Bereits 1933 trat er der NSDAP und der SA bei.1936 trat er aus der SA wieder aus. Am 1. Dezember 1936 wurde er nach Ostpreußen versetzt. Ab 1938 war er Forstinspektionsbeamter in der von Göring eingerichteten Staatsjagd „Rominter Heide“. 1941 sollte er im Auftrag des Reichsjägermeisters Hermann Göring den Urwald von Bialowies vergrößern. Dafür wurden 116 Dörfer niedergebrannt, Tausende Menschen wurden vertrieben, 900 erschossen. Die Aufsicht über diese Aktionen hatte zwar Frevert, er war aber nicht immer im Bialowies, da er in dieser Zeit schwer erkrankt war.

Von 1953 bis zu einem tödlichen Jagdunfall 1962 leitete er das Staatsjagdrevier Kaltenbronn in Baden-Württemberg. Seine Beteiligung an Kriegsverbrechen kam erst Jahrzehnte später ans Licht.

Dennoch ist Walter Frevert für die Jagdgeschichte eine der bedeutendsten Personen. Von ihm verfasste Bücher sind bis heute erhältlich.Das Museum ist kommenden Sonntag, am Tag des offenen Museums, von 14 bis 17 Uhr geöffnet, bis Oktober außerdem jeden weiteren Sonntag.

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