Viele Unfälle durch Ablenkung

Smombies: Auto-Club zählte in Frankenberg Fußgänger mit Smartphone

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Die Smombies im Blick: (von links) Uwe Völker und Erwin Lueg vom Auto-Club Europa haben in Frankenberg an der Kreuzung Uferstraße/ Bahnhofstraße Fußgänger mit Smartphone gezählt. 

Frankenberg. Uwe Völker ist kaum an der Straßenkreuzung zwischen Uferstraße und Bahnhofstraße angekommen, da begegnet ihm der erste „Smombie“ (Kunstwort aus Smartphone und Zombie). 

Der hessische Regionalbeauftragte des Auto-Clubs Europa und sein Kollege Erwin Lueg haben in Frankenberg eine Stunde lang Fußgänger gezählt, die beim Überqueren der Straße auf ihr Handy schauen.

Mit der Verkehrssicherheitsaktion „Finger weg!“ will der Auto-Club auf die Gefahren von Handys im Straßenverkehr aufmerksam machen. Angesprochen werden die Passanten mit Smartphone aber nicht.

Nach Zählungen in Eschwege, Korbach, Fritzlar, Herborn, Hofgeismar und Dillenburg war Frankenberg die siebte Station. Hintergrund ist die hohe Zahl von Fußgängern, die bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben kommen. Ablenkung durch das Smartphone ist dabei eine häufige Ursache. Neben Drogen und Alkohol, Geschwindigkeitsübertretung und Fahren ohne Gurt sei Ablenkung durchs Handy inzwischen die größte Gefahr im Straßenverkehr, so der Experte.

Besonders gefährlich ist laut Völker das Tragen von Kopfhörern im Straßenverkehr. „Wenn Fußgänger aufs Handy schauen und auch noch Kopfhörer aufhaben, nehmen sie ihre Umgebung nicht mehr wahr“, warnt er.

Völker und sein Kollege haben vergangenes Jahr bereits an derselben Kreuzung in Frankenberg Passanten mit Blick aufs Smartphone gezählt. Damals seien es laut Statistik 8 Prozent der Frauen und 9,9 Prozent der Männer gewesen, die das Smartphone bei der Straßenüberquerung benutzen. Kinder und Jugendliche wurden aufgrund der Schulferien vergangenes Jahr nicht berücksichtigt.

„Wir haben vermutet, dass die Werte dieses Jahr höher liegen“, sagt Völker. Diese Vermutung habe sich jedoch glücklicherweise nicht bestätigt. Insgesamt sei der Trend genauso positiv wie im 2017. Waren bei der Zählung im Vorjahr 201 Personen mit dem Smartphone beschäftigt, seien es bei der diesjährigen Zählung im gleichen Zeitraum 197 gewesen. Nach Ergebnis der aktuellen Zählung waren in Frankenberg 140 Erwachsene und 57 Jugendliche mit Handy unterwegs.

Aufgeteilt nach Geschlecht seien es 0 Prozent der Frauen und 7,8 Prozent der Männer gewesen sowie bei den Jugendlichen 31 Prozent der Mädchen und 0 Prozent der Jungen. „Mädchen sind allgemein kommunikativer“, vermutet Völker als Ursache für den vergleichsweise hohen Wert bei den Mädchen. Früher hätten Jugendliche nach der Schule telefoniert, heute schreibe man sich eben Whatsapp-Nachrichten – und das von überall unterwegs.

Der Trend der ständigen Erreichbarkeit sei hier erkennbar. „Am besten lässt man das Handy einfach eine Zeit lang in der Tasche“, rät der Auto-Club-Beauftragte. „Die Welt dreht sich auch weiter, wenn man eine Nachricht erst eine Stunde später beantwortet.“

Eine mögliche Alternative könnten sogenannte Bodenampeln sein: Signalbeleuchtung für Fußgänger im Asphalt. Erste Feldversuche dafür gebe es bereits in Köln und Augsburg. Ob die Lampen im Boden die Situation verbessern, lässt sich bisher noch nicht sagen. „Ich kann es mir aber gut vorstellen, denn in der Generation „Kopf unten“ richtet sich bei vielen der Blick tatsächlich eher nach unten“, sagt Völker. 

Quelle: HNA

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