Netz-Problem ist kein Einzelfall

Autopanne im Funkloch: Bewohner halfen HNA-Redakteurin

Oberholzhausen: Die Anwohner an der Durchgangsstraße leben in einem Funkloch. Telefonieren mit dem Handy ist dort nicht möglich. Und schnelles Internet haben sie auch nicht. Das Foto zeigt eine Luftaufnahme des Ortes von 2006. Archivfoto: Lantelme

Oberholzhausen. HNA-Redakteurin Martina Biedenbach bleibt mit einer Autopanne in Oberholzhausen liegen. Sie versucht, ihre Autowerkstatt anzurufen, und stellt fest: kein Handynetz.

Autopanne unterwegs? Kein Problem, da ruft man mit dem Handy Hilfe. Das denkt sich HNA-Redakteurin Martina Biedenbach, als plötzlich die Gangschaltung an ihrem Wagen blockiert und sie mitten im kleinen Hainaer Ortsteil Oberholzhausen nicht mehr weiterkommt. Sie versucht, ihre Autowerkstatt anzurufen, und stellt fest: kein Handynetz.

Was nun? Was tun mitten im stürmischen Schneeregen am Straßenrand? Da bleibt nur eines: Sie klingelt an der nächsten Haustür - und wird freundlich empfangen.

„Kommen Sie rein, hier ist das Telefon“, sagt die 77-jährige Bewohnerin. Und während die HNA-Redakteurin Werkstatt und Redaktion vom Festnetz aus anruft, setzt die Oberholzhäuserin schon Kaffee auf. „Oder soll ich Sie nach Frankenberg fahren?“, bietet sie an. Nein, die Werkstatt sagt zu, in zirka einer halben Stunden einen Service-Mitarbeiter zu schicken.

Und schon stehen Kaffee und Kuchen auf dem Tisch in der warmen Wohnstube. Und während beide gemeinsam auf den Pannendienst warten, erzählt die Oberholzhäuserin, dass sie diese Situation schon kennt. Immer wieder klingeln Leute an der Haustür, die wegen mangelnder Handy-Verbindung Probleme haben: Paketzusteller, Lieferanten für Bauernhöfe, die die Kunden vorab über ihr Eintreffen informieren wollen, Wanderer, die ihre Angehörigen anrufen wollen, damit sie abgeholt werden „Ich habe auch schon Leute, die nicht weiterkamen, nach Hause gefahren“, schildert die 77-Jährige.

Das Funkloch ist aber nicht nur ein Problem für Handy-Nutzer. Auch die Nutzung des Internets ist im tiefer gelegenen Bereich des 110-Einwohner-Ortes nur sehr eingeschränkt möglich. Ins Ausland skypen - fast unmöglich. Größere Daten runterladen - geht nicht. Heimarbeit, was zum Beispiel eine 52-jährige Oberholzhäuserin gerne machen würde, weil sie aus gesundheitlichen Gründen ihre Arbeitsstelle derzeit nicht aufsuchen kann - Fehlanzeige.

Den Bewohnern im höher gelegenen Teil des Dorfs, die Sichtkontakt zum Funkturm auf dem Hohen Lohr haben, steht LTE-Funk - und damit schnelles Internet - zur Verfügung. Die zirka 20 Einwohner im unteren Dorfteil und auch einige Bauernhöfe in Richtung Lehnhausen müssen sich mit der langsamen DSL-light-Verbindung begnügen. Für die rund zwei Dutzend Menschen zeichnet sich laut Hainas Bürgermeister Rudolf Backhaus keine schnelle Lösung ab (Artikel unten).

Nach einer halben Stunde kommt der Pannendienst. Es ist nur eine Kleinigkeit am Auto, die Redakteurin fährt weiter - um die Erfahrung reicher, dass das Handy nicht immer hilft und wie schön Gastfreundschaft ist.

Was Hainas Bürgermeister Rudolf Backhaus zum schlechten Handy- und Internetempfang in Oberholzhausen sagt, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

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