Vor zwei Jahren flüchtete Mohammad Eibo aus Aleppo 

Bad Wildunger Gymnasiast erhält Stipendium für junge Zuwanderer

+
Kann sich ein Leben ohne Laptop und Bücher nicht vorstellen: Mohammad Eibo (19) aus Borken ist Stipendiat der Start-Stiftung. 

Borken/Bad Wildungen. Mohammad Eibo schläft nicht gerne. Die Stunden, die er im Bett verbringt, bezeichnet er als vertane Zeit – denn da kann er nicht lernen. Der 19-Jährige aus Borken besucht das Stresemann-Gymnasium in Bad Wildungen. Und das mit solcher Motivation, dass ihn jetzt die Start-Stiftung als Stipendiaten aufgenommen hat – als einzigen Schüler aus dem gesamten Schwalm-Eder-Kreis.

Dabei hätte sich Mohammad Eibo einen solchen Erfolg nicht träumen lassen, als er vor zwei Jahren aus dem zerbombten Aleppo floh. Er war 14, als der Krieg begann, 17, als er floh: „Es gab keinen Strom, kein Wasser, kein Essen und keine Chance, jemals etwas zu lernen. Ich musste dort weg“, erzählt er.

Zusammen mit seiner Mutter Feirouz machte er sich auf den Weg, der Vater blieb mit den Geschwistern Haifa (15) und Sami (11) zurück. Über die Türkei, Griechenland und Mazedonien kam Mohammad mit Schiffen, Bussen, Zügen nach Deutschland. 250 Kilometer ging er zu Fuß. Neben sich immer seine Mutter, die er versuchte, vor Leid und Gewalt zu beschützen. Er hat es geschafft: Mohammad und seine Mutter kamen unversehrt in Deutschland an. Kurze Zeit später kamen Vater Samir und die Geschwister nach.

Die Suche nach einer Schule war schwierig: Ohne Zeugnisse wollte ihn kein Gymnasium nehmen. Eibo gab nicht auf, drängte auf Treffen mitvielen Direktoren – und stieß bei Schulleiterin Dagmar Ipach in Bad Wildungen auf offene Ohren (siehe Artikel unten). Das ist jetzt eineinhalb Jahre her. In dieser Zeit hat er erst den Hauptschulabschluss abgelegt, dann den Realschulabschluss gemacht – jetzt lernt er fürs Abitur. Vormittags Unterricht, nachmittags Sprachförderung: Mohammads Deutsch ist so gut, dass er seine nordhessischen Mitschüler korrigiert, wenn sie bei Vergleichen sagen „Ich bin älter als wie du“.

Mohammad weiß, wofür er zehn Stunden am Tag lernt. Er will Humangenetiker werden. Das klingt alles wie aus dem Bilderbuch für zielstrebige Jugendliche. Aber es bleibt auch noch ein klitzekleines bisschen Platz für Spaß. Mohammad spielt bei der SG Kleinenglis/Arnsbach/Kerstenhausen Fußball. Oft schafft er es nicht zum Training, aber sonntags steht er auf dem Platz.

Hat er denn nie Heimweh nach Aleppo? „Jeder hat Heimweh, in dessen Land Krieg herrscht“, sagt Mohammad, und erzählt, wie schlimm es ist, wenn ihm frühere Nachbarn Videos von der zerstörten Stadt schicken. „Heimweh ist der größte Schmerz, den ich je hatte.“

Wie Dagmar Ipach, bis vor Kurzem Leiterin des Stresemann-Gymnasiums, den Eifer von Mohammad Eibo beurteilt, lesen Sie in der gedruckten Mittwochsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare