Wenn der Zeiger eine Stunde ruht

Bad Wildunger Polizist: So ist es, bei der Zeitumstellung Dienst zu haben

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Freitagmorgen den längsten Dienst des Jahres schon im Blick und trotzdem guter Laune: Stefan Krakowiak von der Dienstgruppe E der Wildunger Polizeistation. Sie wachte in der Nacht von Samstag auf Sonntag über Recht und Ordnung in der Badestadt. 

Bad Wildungen. Die Umstellung auf die Winterzeit verschaffte den meisten Deutschen eine Stunde mehr Schlaf am Sonntagmorgen. Nicht so denen, die in der Nacht arbeiten mussten.

Für sie stand die Zeit quasi eine Stunde still, ruhten die Zeiger. Zu denen, die sich damit im Jahr 2017 arrangieren mussten, zählte die Dienstgruppe E der Wildunger Polizeistation. Mit Oberkommissar Stefan Krakowiak (58) sprachen wir vorher, am Freitag, über den formal längsten Dienst des Jahres und seine Erfahrungen mit der Zeitumstellung.

Herr Krakowiak, in welchem Rhythmus versieht die Wildunger Polizei ihren Dienst?

Stefan Krakowiak: Im Grundsatz hat eine Dienstgruppe zwölf Stunden Tagdienst, dann 12 Stunden in der Nacht und im Anschluss drei Tage frei, aber dieses Schema wird oft unterbrochen. Zum einen unterstützen wir andere Dienstgruppen. Zum anderen müssen Kolleginnen und Kollegen aus Freischichten bei vielen Einsätzen die Polizeikräfte unterstützen, die sich regulär im Dienst befinden. Von Mai bis Oktober passiert das praktisch jedes Wochenende.

Kann man das eigentlich mögen, nachts zu arbeiten?

Krakowiak: Persönlich arbeite ich gerne nachts. Warum, kann ich nicht sagen. Das ist einfach ein Bauchgefühl. Allerdings fällt es mir mit zunehmendem Alter zugegebenermaßen schwerer – nicht der Nachtdienst selbst, aber der Tag danach. Heutzutage bin ich den gesamten Tag lang k. o.; früher war ich spätestens nach einem halben Tag wieder fit.

Was, denken Sie, belastet weniger? Der rasche Wechsel von Tag- und Nachtdiensten, wie bei Ihnen, oder wenn jemand eine ganze Woche Nachtschicht fährt?

Krakowiak: Das ist schwer zu beurteilen, denn ich kenne es aus eigenem Erleben ja nicht anders. Aus dem Bekanntenkreis weiß ich, dass eine Woche Nachtschicht in der freien Wirtschaft schon belastet, allerdings dauert eine Schicht dort ja acht Stunden, nicht zwölf, wie bei uns. Und wir müssen auf jeden Fall die gesamten zwölf Stunden zu 100 Prozent wach und voll handlungsfähig sein.     

Wie wirkt sich so ein Dienst-Rhythmus aufs Privatleben aus? 

Krakowiak: Ich bin verheiratet und meine Frau ist ebenfalls Polizistin. Bis Juli hat sie auch im Schichtdienst gearbeitet. Da ist das gegenseitige Verständnis quasi automatisch gegeben.

Wie oft haben Sie schon Nachtdienst schieben müssen, wenn die Uhr von Sommer- auf Winterzeit umgestellt wurde?

Krakowiak: Aktuell ist das zum sechsten Mal der Fall.

Und was ist das für ein Gefühl, wenn es 3 Uhr schlägt und man die Zeiger eine Stunde zurückstellt?

Krakowiak: Schon ein komisches. Ehrlich gesagt denkt man auch vorher häufiger mal daran, dass man die Uhr um 3 zurückstellt. Praktisch wird einem ja eine Stunde Freizeit genommen, so wie es im Sommer heißt, dass einem eine Stunde Schlaf entgeht.

Was halten Sie denn generell von der Zeitumstellung?

Krakowiak: Ich bräuchte Sie nicht. Von mir aus könnte man darauf verzichten.

Und dann? Sollte dauerhaft die Sommerzeit gelten oder die Mitteleuropäische Zeit?

Krakowiak: Die Sommerzeit, ganz klar. Dann bleibt es abends länger hell und man kann im Sommer länger draußen sitzen. Ich fahre lieber morgens im Dunklen zur Arbeit als nach Feierabend im Dunklen nach Hause.

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Quelle: HNA

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