Battenberg

Barrelhouse-Jazzband begeistert in Burgberghalle

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- Battenberg (da). Jazz trifft nicht jeden musikalischen Nerv, doch die sieben Musiker der Barrelhouse-Jazzband boten am Mittwoch eine grandiose Werbeveranstaltung für dieses Genre – ein gelungenes und etwas anderes „Adventskonzert“.

Sie sind die Altmeister, wenn es in Deutschland um Jazz geht. Die Bezeichnung trifft zumindest auf Bandleiter Reimer von Essen (Klarinette, Altsaxofon), Horst Schwarz (Trompete, Posaune, Gesang) und Frank Selten (Saxofone, Klarinette) zu: drei ergraute Herren, Ende 60, mit Musik im Blut. Alle drei sind der Band seit gut vier Jahrzehnten verbunden. Agil und temperamentvoll stehen sie in der ersten Reihe der Bühne und improvisieren, was die Instrumente hergeben. Reimer von Essen lockt eine Vielzahl von Gefühlen aus der Klarinette, die klagen, lachen und weinen kann – rein musikalisch, versteht sich. Er steht bei den Konzerten hauptsächlich im Vordergrund.

Horst Schwarz ist eher der Mann für den Gesang, mit Trompete und Posaune spielt er hauptsächlich Einwürfe. Frank Selten glänzt an Saxofonen in den Stimmlagen Bariton, Tenor und Alt, absolut versiert und mit sichtbarem Spaß.

Die drei reichen aus, um abwechslungsreich zu klingen. Geschickt wechseln sie zwischen den verschiedenen Saxofonen, Klarinette, Posaune und Trompete, um mal Melodien im Satz, gegenläufige Soli und Improvisationen zu spielen. Sie spielen „schwarzen“ Jazz und Boogie-Woogie im klassischen New-Orleans-Stil, teilweise Eigenkompositionen von Horst Schwarz, daneben viele Werke legendärer Meister wie Jelly Roll Morton oder Louis Armstrong.Unterstützt werden sie von den vier jüngeren Jazzern Roman Klöcker (Banjos, Gitarre), Michael Ehret (Schlagzeug), Cliff Soden (Kontrabass) und Jan Luley (Klavier, Gesang). Sie erhalten ebenfalls immer wieder Raum für Soli. Die Musiker kommen überwiegend aus dem Frankfurter und dem Marburger Raum.

Der „Arbeitskreis Burgberghalle“ hatte den Auftritt der Band als Weihnachtskonzert angekündigt – vielleicht etwas hoch gegriffen, auch wenn die Musiker zwei Spirituals einstreuten, von dem vor allem „The Old Rugged Cross“ von George Lewis Spuren hinterließ. Das fehlende adventliche Ambiente vermisste indes wohl niemand. Die „Barrelhouse Jazzband“ gilt als populärste und erfolgreichste Vertreterin des traditionellen Jazz in Deutschland, die jedes Jahr unter anderem die Alte Oper in Frankfurt füllt. In Battenberg waren es knapp 200 meist zurückhaltende Gäste, die erst auftauten, als die Musiker schon bei der Zugabe waren. Aber schließlich handelte es sich um eine Premiere, die auf weitere Jazzkonzerte – oder vielleicht auch noch ganz andere Stile – in der Burgberghalle hoffen lässt.

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