Marienhagener basteln an den Feinheiten

Modelleisenbahn-Freunde treffen sich zum Austausch über ihr Hobby

Ein wenig Rost anbringen: Jürgen Kaupe ist Initiator der Modelleisenbahn-Freunde. Er demonstriert jedes Mal kleine Methoden, mit denen die Modelle und Landschaften gestaltet werden können.
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Ein wenig Rost anbringen: Jürgen Kaupe ist Initiator der Modelleisenbahn-Freunde. Er demonstriert jedes Mal kleine Methoden, mit denen die Modelle und Landschaften gestaltet werden können.

Die Räder der Dampflok rollen, die Maschine pfeift. Das unverkennbare Geräusch der Eisenbahn lockt die Blicke auf den „Big Boy“. Später ertönt eine Ansage: „Vorsicht an den Türen und bei der Abfahrt des Zuges.“

Marienhagen – Wir befinden uns hier nicht an einem Güterbahnhof oder an einer Bahnstrecke in der Prärie irgendwann in den vierziger Jahren, sondern in der Gaststätte Zur Jägersruh in Marienhagen. Die Welt der Eisenbahnen ist hier alle vier Wochen einen Abend lang in Miniatur zu erleben.

Der 18-jährige Marc Scholl aus Vöhl hat seinen von allen bewunderten „Big Boy“ dabei, eine der größten und stärksten Dampfloks der Welt. Als Modell erscheint sie von Weitem klein und schwarz, doch bei genauerer Betrachtung steckt viel Detail in der wertvollen Lokomotive. Die Liebhaber solcher Nachbauten – die Modelleisenbahnfreunde um den Initiator Jürgen Kaupe aus Marienhagen – wissen das zu schätzen. Sie treffen sich regelmäßig, um sich über ihr Hobby auszutauschen.

Sie alle eint die Faszination an den winzigen Geräten, die immer realistischer aussehen, immer authentischer klingen und mittlerweile mit digitaler Technik ausgestattet sind. Das macht die Modelleisenbahnen auch für junge Leute wieder richtig interessant, sagt Dieter Franke – „der echte Lokführer“, wie ihn seine Freunde hier nennen. Der Höringhäuser war selbst bis 2014 bundesweit als Lokführer unterwegs und hat jetzt im Ruhestand seine alte Leidenschaft wieder aufleben lassen.

„Es ist gigantisch, was heute möglich ist“, schwärmt Dieter Franke mit Blick auf die filigranen Objekte, die heute im Handel zu haben sind. Andere nähmen das Hobby noch ernster: „Es gibt sogar Gruppen, die nach Fahrplan fahren.“ Jeder Modellbahner steuere dabei einen Zug mit Kamera, um die Fahrt aus Sicht des Lokführers zu erleben. „Faszinierend“ findet das Franke.

Die „Modelleisenbahn-Freunde in Vöhl und Umgebung“ sind eher ein lockerer Zusammenschluss aus Modellbahnern, die sich erstmals im Oktober 2019 trafen. Nach langer Zwangspause wegen Corona dürfen sie nun wieder zusammenkommen, fachsimpeln und verhandeln.

Marc Scholl ist bislang der Jüngste bei den Modellbahnern und begeistert von der digitalen Technik.

So geht auch mal schnell eine Eisenbahn für viel Geld über den Tisch. „Ist jemand an ‘ner 44er interessiert? Sehr guter Zustand“, so wirbt einer für sein Modell. Darauf ein anderer: „Öltender?“ „Nein. Kohlentender.“ „Sieht gut aus“, sagt der Interessent anerkennend. „Hundert Euro, dann nehm’ ich sie.“

Die anderen Männer am Tisch verfolgen das Gespräch, und einer kommentiert: „Wenn ich schon wieder ‘ne Lok kaufe, lässt meine Frau sich scheiden.“ Alle lachen.

Bei jedem Treffen steht ein Modellbahnthema im Mittelpunkt, seien es Basteltipps

oder technische Fragen wie zum Beispiel der Übergang von der analogen Eisenbahn bis hin zu einer digital gesteuerten Anlage. „Oder einfach nur mal die Lok eines Teilnehmers, die auf dem Tisch in Betrieb genommen wird, natürlich mit Geräuschen und ordentlich Dampf“ in Augenschein nehmen, erklärt Jürgen Kaupe.

Diesmal geht es um den Bergbau in Miniatur. Jürgen Kaupe hat Packpapier mitgebracht und zeigt, wie eine natürliche, ungleichmäßige Struktur entsteht, indem man das Papier bearbeitet und schließlich zerknittert. Er präsentiert weiteres Material, das Bastler zur Gestaltung der Eisenbahnkulisse verwenden können.

Mit welchem Eifer manche dabei sind, wird am Beispiel von Lothar Bock aus Vöhl deutlich. Er berichtet von seinem Hausbau, wo zuerst ein Kran die Platte für die Eisenbahnanlage ins Haus hievte, bevor das Dach darauf gesetzt wurde. Oder Klaus Lippe aus Thalitter: Er hat seiner Leidenschaft besonders großen Raum gegeben: Sein ganzer Dachboden ist voll mit einer winzigen Welt aus Schienen, Häusern und Landschaften. Er zeigt Fotos. Bahnhöfe, Flughafen, ein Zirkus, ein Schloss und vieles mehr hat Klaus Lippe im Laufe der Jahre selbst angefertigt. Beim Bauen und Reparieren blüht er auf. Die Loks und Waggons betrachten, wie sie ihre Runden drehen, ist nicht alleine der Antrieb der Modellbahner. Alle sind sich einig: Das Bastelei macht das Ganze aus. „Eine Anlage wird nie fertig.“

Treffen der Gruppe

Die Modelleisenbahn-Freunde in Vöhl und Umgebung treffen sich einmal im Monat an einem Freitag ab 18 Uhr in der Gaststätte Jägersruh in Marienhagen. Interessierte sind willkommen. Kontakt: Jürgen Kaupe, 0171/2 27 84 60.

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