Stadt koordiniert Einsätze

Nach Klagen der Anwohner: Jagd auf Waschbären ist in Battenberg eröffnet

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Zeigen eine Kastenfalle: Florian Koch (links) Und Nikolai Klein. 

In Battenberg häufen sich Klagen über Waschbären in Wohngebieten. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Jäger die Tiere mit Fallen fangen. 

Sind sie erst einmal da, dann ist guter Rat teuer: Der Bestand an Waschbären hat nicht nur in Kassel, sondern auch im Oberen Edertal deutlich zugenommen. „Es werden immer mehr“, sagt Nikolai Klein, Jagdvorstand in Battenberg.

Weil es in der Kernstadt vermehrt Klagen über Waschbären gab, die Biotonnen nach Essensresten durchstöbern und gelbe Säcke aufreißen, hat Bürgermeister Christian Klein nun eine Entscheidung getroffen: Drei Jagdausübungsberechtigten wurde – in Abstimmung mit der Unteren Jagdbehörde beim Landkreis – im Gebiet der Stadt Battenberg, einschließlich der Ortsteile, die Jagd auf Waschbären erlaubt. Das bedeutet: Die Jagdausübungsberechtigten stellen Fallen auf und töten die Waschbären.

Die Population wächst rasant: Ein kleiner Waschbär hebt im Tierpark im schleswig-holsteinischen Neumünster seine Pfote.

Mit ihren schwarzen Augenmasken sehen die Waschbären zwar putzig aus, richten aber erhebliche Schäden an.

Die nachtaktiven Allesfresser plündern nicht nur gelbe Säcke und Biotonnen, sondern fressen sich auch durch Dachisolierungen und hinterlassen durch Kot und Urin dabei oft Gebäudeschäden im fünfstelligen Bereich. Auch Vögel und Kleinsäugetiere sind nicht vor ihnen sicher.

Waschbären wurden vor langer Zeit ausgesetzt

Waschbären im hiesigen Bereich stammen vermutlich alle von einem einzigen Waschbär-Pärchen ab, das im Jahr 1934 zur „Bereicherung der heimischen Tierwelt“ am Edersee ausgesetzt wurde. Weil die Waschbären in unserer Region keine natürlichen Feinde haben, hat sich ihr Bestand explosionsartig vermehrt. 

Nach einer Statistik der Unteren Jagdbehörde haben die Jäger in Waldeck-Frankenberg in den Jahren 2014/2015 genau 4013 Waschbären zur Strecke gebracht. Darunter waren 186 Tiere, die als „Fallwild“ gelten – also beispielsweise von Autos überfahren wurden.

Dass die Summe der erlegten Tiere bis zum Jagdjahr 2018/2019 auf 3098 gesunken ist, führen Fachleute auf die Staupe zurück; eine Viruserkrankung, die bei Füchsen und Waschbären auftritt.

Jagdvorstand Nikolai Klein: „Wer draußen Katzen und Igel füttert oder seinen Komposthaufen im Garten nicht abdeckt, muss sich nicht wundern, wenn er damit Waschbären anlockt.“

Jagd an strenge Regeln gekoppelt

Für die Jagd auf Waschbären gelten jedoch strenge Regeln. Gefangen und getötet werden dürfen die Tiere nur außerhalb der Schonzeit, konkret: vom 1. August bis 28. Februar. Früher gebräuchliche Drahtfallen sind verboten. Aufgestellt werden nur noch Kastenfallen, die nach dem Zuschnappen für die Tiere dunkel sind, um ihnen Panikreaktionen zu ersparen.

Wer eine Falle aufstellen will, muss dafür einen besonderen Lehrgang besucht haben. Töten darf die Waschbären nur, wer von der Unteren Jagdbehörde damit beauftragt wurde. Das Aussetzen der Tiere an einem anderen Ort ist verboten.

„Wir kontrollieren natürlich erstmal, ob sich eine Katze oder ein Hund in die Falle verirrt hat“, versichert Nikolai Klein.

Service:

Wer im Gebiet der Stadt Battenberg, einschließlich der Ortsteile, ein Waschbären-Problem hat, kann sich unter Telefon 06452/93440 bei der Stadtverwaltung melden. Zentral von dort wird dann einer der drei Jagdausübungsberechtigten – beispielsweise Nikolai Klein oder Florian Koch – beauftragt. Die Jagdausübungsberechtigten schauen sich die örtlichen Gegebenheiten an und schließen einen Vertrag mit dem Hauseigentümer zur Fallenjagd ab. 

Der Auf- und Abbau der Falle kostet, inklusive der ersten Woche, 20 Euro. Für jede weitere Woche fallen 10 Euro an. Hinzu kommen 30 Euro „Fangprämie“ für das Erlegen und die fachgerechte Entsorgung der Tiere. Die Auftraggeber sind verpflichtet, die Fallen zweimal am Tag zu kontrollieren und bei einem Fang umgehend den jeweiligen Jäger zu informieren. Die Fallen werden beispielsweise auch für Marder und Füchse verwendet.

Auch in der Kassler Innenstadt gibt es Probleme mit Waschbären.

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