Schneider-Beruf ist heute fast ausgestorben

Erika Hartmann bestand vor 50 Jahren ihre Gesellenprüfung mit "sehr gut"

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Führt seit 25 Jahren ein Schneidergeschäft in Battenberg: Herrenschneiderin Erika Hartmann. Hier steckt sie das Revers eine Sakkos ab.

Battenberg. Gleich mehrere Gründe zu feiern hat Erika Hartmann aus Battenberg: Vor 50 Jahren bestand sie ihre Gesellenprüfung als Herrenschneiderin mit der Note „sehr gut“. Und vor 25 Jahren hat sie in der Hauptstraße in Battenberg ihre Schneiderei eröffnet.

Der Schneiderberuf ist heute fast ausgestorben. „Früher konnten alle Mädchen schneidern. Heute können die meisten nicht mal einen Knopf annähen“, sagt Erika Hartmann. Als sie vor über 50 Jahren in die Lehre ging, „gab es noch viele Schneider in Frankenberg“. Gern denkt sie an ihren Lehrherrn Georg Bartke zurück. „Der Chef war wie mein zweiter Vater. Wir waren sechs Lehrlinge, zwei Gesellinnen und ein Geselle. Im ersten Lehrjahr gab es 25 Mark. Die Fahrkarte von Dodenau nach Frankenberg kostete aber schon 32 Mark.“

Nach dreijähriger Ausbildung bestand Erika Hartmann ihre Gesellenprüfung mit Auszeichnung. „Ich wurde Innungsssiegerin und Kammersiegerin. Auf Bundesebene hat es dann leider nur für den 4. Platz gereicht“, lacht Erika Hartmann. Eigentlich habe sie die Meisterschule besuchen wollen. „Aber dann kam eine Schwangerschaft dazwischen.“ Zusammen mit ihrem Ehemann Helmut hat Erika Hartmann zwei Kinder: einen Sohn und eine Tochter.

1987 eröffnete sie dann schließlich ihre Schneiderwerkstatt in der Battenberger Hauptstraße. Von 2008 bis 2011 hat sie eine junge Frau zur Damenschneiderin ausgebildet. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Schneiderin werde“, sagt Erika Hartmann. Ihr Vater hatte sie bei einem Metzger zur Ausbildung als Fleischverkäuferin angemeldet. Doch das scheiterte aus gesundheitlichen Gründen.

In ihrem Lehrberuf als Schneiderin blühte Erika Hartmann dagegen auf. „Ich habe mit meinem Chef Georg Bartke viele Modenschauen in Kassel besucht. Und im Frankenberger Hotel Schmittmann gab es nicht eine Veranstaltung ohne mich auf dem Laufsteg.“ (off)

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Quelle: HNA

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