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Baugenossenschaft Frankenberg: Heizkosten fast dreimal so hoch

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Von: Thomas Hoffmeister

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Hans Peter Huft, Geschäftsführer der Baugenossenschaft Frankenberg.
Hans Peter Huft, Geschäftsführer der Baugenossenschaft Frankenberg. © Thomas Hoffmeister

„Was kommt an Kosten für Gas oder Öl auf mich zu?“ – Das fragen sich vor diesem Winter nicht nur Eigenheimbesitzer, sondern vor allem Mieterinnen und Mieter im Frankenberger Land. Hans Peter Huft, Geschäftsführer der Baugenossenschaft Frankenberg, hat sich intensiv mit diesen Fragen auseinandergesetzt.

Frankenberg – Nach den Worten von Hans Peter Huft müssen sich die Mieter auf fast dreimal so hohe Heizkosten wie bisher einstellen. Problematisch werde es besonders für Wohnungen, die mit Erdgas beheizt werden.

Beispielrechnung für Mietwohnung mit Gasheizung

Wer für eine 60-Quadratmeter-Wohnung bisher 45 Euro pro Monat für Gas bezahlte, muss laut Hans Peter Huft künftig mit 120 Euro pro Monat rechnen. Für seine Beispielrechnung hat der Geschäftsführer der Baugenossenschaft eine Verdoppelung des früheren Gaspreises plus 4 Cent pro Kilowattstunde für die neu eingeführte Gasumlage zugrunde gelegt. Die von Wirtschaftsminister Robert Habeck angekündigte Gasumlage soll ab November greifen.

Ob es bei einer Gaspreis-Steigerung um 100 Prozent, also einer Verdoppelung, bleibt, könne er nicht sagen, sagt Huft. „Wir beziehen unser Gas von EGF und EWF. Unsere Lieferanten müssen ihre Mehrkosten an uns weitergeben.“ Allerdings wird, wie kürzlich beschlossen, die Umsatzsteuer – befristet bis Ende März 2023 – von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Das werde die Gaskunden entlasten.

Kostensteigerung bei Ölheizungen

Kostensteigerungen in ähnlichen Größenordnungen erwartet Hans Peter Huft für Wohnungen, die mit Öl beheizt werden. Bei einer 60-Quadratmeter-Wohnung müssten die Mieter künftig mit 123 statt bisher 54 Euro Heizkosten pro Monat rechnen, hat der Geschäftsführer ausgerechnet. „Ich bin sicher, dass es auf absehbare Zeit nicht günstiger wird“, sagt Huft.

Neben einer transparenten Kostenprognose hat der Geschäftsführer in der jüngsten Mitgliederversammlung der Baugenossenschaft auch eine Liste mit Tipps zum Energiesparen vorlegt. Sie reicht von einer Absenkung der Raumtemperatur von 22 auf 20 Grad über das Abdrehen der Heizkörper während des Lüftens bis hin zu einer Nachtabsenkung. Man sollte die Regler im Winter aber auch nicht dauerhaft auf Null stellen, rät der Geschäftsführer.

Noch vor Beginn der Heizperiode „schauen wir uns mit Fachleuten jede Heizung an“, verspricht Huft. Auch auf dieser Seite sollten alle Einsparmöglichkeiten ausgeschöpft werden.

Mietshäuser werden energetisch saniert

Konsequent würden die Mietshäuser energetisch saniert, erklärt Huft. So sollen im kommenden Jahr „mindestens 500 000 Euro“ in die Sanierung der Häuser Dielsgrund 4 und 6 fließen – zum Beispiel in Solaranlagen auf dem Dach, neue Türen und Fenster sowie eine neue Heizung. Der Einbau einer Wärmepumpe bei Bestandsgebäuden müsse im Einzelfall geprüft werden, sagt Huft. Zu bedenken sei dabei, dass bei Warmwasser unter 60 Grad Celsius in großen Mietwohnungen eine Legionellenproblematik drohe.

„Mit einer Energiekrise hat niemand gerechnet“, sagt Hans Peter Huft. Aufgabe der Baugenossenschaft sei weiterhin die Schaffung und Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums. „Dafür werden wir alles tun, was in unseren Möglichkeiten steht.“

Allen Mietern rät der Geschäftsführer, in Absprache mit der Baugenossenschaft ihre Vorauszahlungen für die Nebenkosten zu erhöhen. Die Vorauszahlungen sollten aber auch nicht zu hoch ausfallen, denn: „Wir sind ja keine Sparkasse.“

Noch nicht das Ende der Fahnenstange

Noch sei das Ende der Fahnenstange bei den Energiekosten nicht erreicht. „Wir planen für kommendes Jahr auf dem Niveau von 2022. Der Hammer kommt erst 2024“, sagt Huft.

Wenn Mieter die höheren Energiekosten nicht bezahlen könnten, müsse man im Einzelfall eine Lösung finden, was auch den Gang zum Sozialamt bedeuten könne.

Er sei gern gesprächsbereit, wenn es mal finanziell eng werde. „Ich muss aber auch die Liquidität der Genossenschaft im Auge behalten“, so Huft abschließend.

Hintergrund

Die Frankenberger Baugenossenschaft verwaltet und bewirtschaftet 92 eigene Häuser, 507 Mietwohnungen, sechs gewerbliche Objekte und 48 Garagen. Der Großteil der Immobilien befindet sich in Frankenberg, es gibt aber auch Objekte in Gemünden, Battenberg, Hatzfeld und Löhlbach. Die Baugenossenschaft wurde 1946 gegründet. Geschäftsführendes Vorstandsmitglied ist seit April 2022 Hans Peter Huft, zuvor war es Karin Becker. 

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