Baumkletterer untersuchen Linden an der Liebfrauenkirche

Auf halber Höhe der Liebfrauenkirche: Der aus Grüsen stammende Treeworker Matthias Klinge hat sich auf Großbaumpflege spezialisiert, die er durch eine besondere Seilklettertechnik bewältigt. Fotos:  Völker

Frankenberg. Weil Bäume im öffentlichen Raum regelmäßig auf Totholz, das herabstürzen könnte, untersucht werden müssen, sind jetzt sogenannte "Treeworker" in die Linden an der Liebfrauenkirche in Frankenberg geklettert.

Krähen und Tauben flogen leicht irritiert übers Kirchendach, die Turmfalken ließen ihr aufgeregtes „Kikiki“ an der Turmspitze der Liebfrauenkirche erschallen: Fast auf gleicher Höhe, zwischen Himmel und Erde, schwebten in den vergangenen Tagen an Seilen Männer mit roten Helmen. Die großen, alten Lindenbäume, deren Grün im Sommer die Konturen des gotischen Gotteshauses weithin sichtbar umgibt, wurden einem gründlichen „Gesundheitstest“ unterzogen.

„Dazu sind wir aus Sicherheitsgründen in regelmäßigen Abständen verpflichtet“, so Pfarrer Christoph Holland-Letz von der evangelischen Kirchengemeinde Frankenberg, „denn von Zeit zu Zeit müssen die Totholzanteile, die im öffentlichen Verkehrsraum herabstürzen könnten, aus den Baumkronen entfernt werden.“ Deshalb hatte er Spezialisten aus Marburg angefordert, die mit einer standortschonenden Seilklettertechnik für einen Teilrückschnitt der Linden sorgen sollten. Die Voruntersuchungen hatten bereits gezeigt: „Die Bäume wurden alle als sehr gesund eingeschätzt“, so Holland-Letz.

Matthias Klinge, „Chef“ des vierköpfigen Teams von Baumkletterern, kennt die Bäume am Baudenkmal Liebfrauenkirche nicht nur von früheren Arbeitseinsätzen, sondern schon aus seiner Jugend: Er stammt aus Grüsen, hat an der Edertalschule 1996 Abitur gemacht und betreibt als ausgebildeter „European Treeworker“, so die offizielle Berufsbezeichnung, in Marburg einen Baumpflegebetrieb. „Wir haben vor einigen Jahren bereits Kronensicherungen in den Linden an der Liebfrauenkirche eingebaut“, berichtet Klinge.

Dabei werden Gurtbänder in den Baumkronen so angebracht, dass sie as Auseinanderbrechen verhindern. Auch bei der jüngsten Baumpflege an der Liebfrauenkirche mussten die Treeworker einen „aufgeplatzten Bruchzwiesel“, wie Matthias Klinge erläutert, dadurch sichern, dass sie zwei in der Mitte aufgeplatzte, auseinanderstrebende Äste mit Gurten verbanden. „Diese Bänder müssen bei unseren Routine-Pflegemaßnahmen immer wieder auf Spannung überprüft werden.“ Er findet, dass hierbei im Baum „Technik“ eingesetzt wird, ohne dass dabei irgendwelche Verletzungen an Stamm und Ästen entstehen.

Das sei früher anders gewesen. „Uns geht es darum, einen Baum langfristig zu erhalten. Wachsen Bäume im Umfeld des Menschen, entstehen Ansprüche, die oft nur durch Schnittmaßnahmen erfüllt werden können.“ Die moderne Baumpflege arbeite dabei aber sehr schonend, betont der Marburger Baumkontrolleur.

Und er hat natürlich sein ganz eigenes Verhältnis zu Bäumen als Teil der Natur. „Bäume sind Lebewesen. Sie sind schön und sie haben Würde. Behandeln wir sie entsprechend!“ meint Matthias Klinge, während er seinen Klettergurt im Schatten der Liebfrauenkirche festzurrt.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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