Firma Athenstaedt sitzt seit 2014 in Battenberg

Von Bayern ins "Herz Deutschlands"

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Die Mitarbeiter der Firma Athenstaedt, (v.l.) Carola Loewe, Valerie Harres, Ludmila Scheffczyk, Stefanie E. Sponholz, Diana Giebel, Thorsten Sponholz und Andrea Scholl-Pauly.Foto: Mark Adel

Battenberg - Zäpfchen gegen Verstopfung, Apfelpulver gegen Durchfall, Creme für Hautverletzungen: Seit 130 Jahren produziert und vertreibt die Firma Athenstaedt Pharmaprodukte und Chemikalien. Seit 2014 ist der Firmensitz am Stadtrand von Battenberg.

Reagenzgläser und Chemikalien sucht man auf dem weitläufigen Grundstück vergeblich. Die Industrieanlage am ursprünglichen Firmensitz in Bremen ist gegen ein schmuckes Verwaltungsgebäude - ein ehemaliges Ferienhaus - am Fuß des Battenberger Beerbergs getauscht worden. Dort befinden sich Zulassung, Einkauf, Vertrieb und Geschäftsführung.

„Wir sind ein virtueller Betrieb“, sagt Thorsten Sponholz, der mit seiner Frau Stefanie die Firma leitet. Soll heißen: Alle anderen Bereiche wie Entwicklung, Produktion, Lager oder Versand sind ausgelagert, die Aufträge an externe Dienstleister vergeben worden. Diese Entscheidung fiel Ende der 90er Jahre. „Diese Struktur garantiert in allen Unternehmensfunktionen ein breites, stets aktuelles Fachwissen“, sagt Thorsten Sponholz. „Die Umsetzung erfolgt mit ausgewählten Dienstleistern in enger partnerschaftlicher Kooperation.“

Athenstaedt mit Sitz in Bremen gehörte bis in die 90er Jahre zu den größten Zäpfchenherstellern in Deutschland, beschäftigte 65 Menschen. „Wir hätten sehr viel investieren müssen, um weiter am Markt bestehen zu können“, erklärt Thorsten Sponholz. „Die Alternative war, die Produktion aufzugeben.“

1999 wurde der Firmensitz nach München verlegt, Athenstaedt hatte zuvor die Auftragsherstellung für Arzneimittel aufgegeben. 2008 zog der Betrieb nach Wolfratshausen, 2014 schließlich nach Battenberg - eher zufällig. „Wir haben deutschlandweit gesucht“, erklärt Thorsten Sponholz. Ein Makler stellte schließlich das Grundstück in Battenberg vor. Der Vorteil aus Sponholz‘ Sicht ist die Lage „im Herzen Deutschlands“: „Ich bin viel unterwegs, zum Beispiel in Bremen oder Berlin. Die Wege von Süddeutschland aus waren viel weiter.“ Zwar fehlt die Autobahn, dafür sei die Internetverbindung gut: „Dreimal so schnell wie in Wolfratshausen.“ In der Region fand der Betrieb auch neue Mitarbeiterinnen für die Verwaltung. „Wir sind wirklich begeistert“, sagt Sponholz. „Unsere Angestellten waren mutig und haben ein Unternehmen, dass sie gar nicht kannten, als Arbeitgeber gewählt.“

In Battenberg kümmern sich die Mitarbeiter neben Marketing und Vertrieb um die Pflege der Zulassungen, die Werbung für Arzneimittel in Deutschland, Auftragsannahme, Reklamationsbearbeitung, Kundenbetreuung und die Koordination der Dienstleister.

Für Athenstaedt produzieren Firmen an acht Standorten, davon sechs in Deutschland - zum Teil mit früheren Athenstaedt-Maschinen. Das Lager steht in Goslar, der Wirtschaftsprüfer in Oldenburg. In der Schweiz sitzt eine Schwesterfirma, deren Aufträge auch in Battenberg bearbeitet werden. „Wir sind unglaublich effizient, weil wir nur mit Spezialisten zusammen arbeiten“, sagt Thorsten Sponholz. „Athenstaedt will langfristig kontinuierlich wachsen und konzernunabhängig bleiben.“ Man bekenne sich zur Nachhaltigkeit in den drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales.

Im Gegensatz dazu steht die lange Tradition. Lecicarbon, ein Mittel gegen Verstopfung, ist seit 1933 im Sortiment und zugleich umsatzstärkstes Produkt. 4,5 Millionen Zäpfchen werden Jahr für Jahr produziert und in die ganze Welt geschickt. Die Chemikalie Chlorobutanol ist sogar seit der Gründung im Programm. Es wird als Konservierungsmittel zum Beispiel für Augentropfen verwendet. Sponholz sieht Athenstaedt als Nischenanbieter. Einige Produkte sind zugekauft worden, weil sie das Portfolio erweiterten. Das Unternehmen wurde 1885 von Julius Athenstaedt und William Redeker in Bremen als Hersteller von Chemikalien gegründet. Athenstaedt entwickelte eigene pharmazeutische Produkte und baute eine eigene Produktion auf. Seit 1960 war die Firma Auftragshersteller für andere, international operierende namhafte Pharmaunternehmen.

Stefanie E. Sponholz übernahm die Unternehmensführung 1997 von ihrem Vater Eike W. Kerstein, Thorsten Sponholz trat 2001 in den Betrieb ein.

Thorsten Sponholz engagiert sich ehrenamtlich im Bundesverband der pharmazeutischen Industrie, im Wirtschaftsrat und im Lions-Club.

Von Mark Adel

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