Lichtergottesdienst in Klosterkirche

Das Bedürfnis nach Besinnlichkeit

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Pfarrerin Andrea Wöllenstein leitete den Lichtergottesdienst in der Hainaer Klosterkirche.

Haina (Kloster) - Singen, Schweigen, Beten - ein Taizé-Gottesdienst, gestaltet vom Chor „Joy of Life“ aus Marburg, hat am Sonntagabend zur inneren Einkehr eingeladen. Am ersten echten Herbsttag stieß die Veranstaltung auf überragendes Interesse.

Es ist in der Hainaer Klosterkirche immer eine Mischung aus Verdruss und Freude, Musik zu genießen: Freude, weil wohl kaum ein anderes Gotteshaus in der Region ähnlich imposant klingt, Stimmen und Instrumente auch unverstärkt ähnlich voll trägt. So auch am Sonntag, als der Chor „Joy of Life“ der Kurhessischen Kantorei in Marburg unter Jean Kleeb den Taizé-Gottesdienst gestaltete. Ein Verdruss aber ist es, dass die Künstler so gut wie immer hinter dem Lettner verschwinden. Ohne Pfarrer ist die Gemeinde so auf sich selbst gestellt. Am Sonntag machten die Besucher des Gottesdienstes diesen Makel wett. Die Marburger Pfarrerin Andrea Wöllenstein, selbst Mitglied des Chores, hatte zum Mitsingen aufgefordert. Und ganz im Sinne der Bewegung von Taizé folgte das Publikum dieser Aufforderung gerne und ausdauernd.

Kleebs Chor, der längst nicht mehr nur Gospel beherrscht, sondern ebenfalls Pop, Jazz und Choräle, eröffnete den Abend in luftiger Höhe vor dem Hauptfenster der Apsis imposant mit dem Laudate Dominum. Latein prägte diesen Abend. Doch wie auch im französischen Örtchen Taizé, in dem die länderübergreifende ökumenische Bewegung ihren Ursprung hat, kamen viele andere Sprachen auch zu Gehör: auf Französisch das „Dans nos Obscurité“, auf Portugiesisch „Ey Senyor“, das englische „Wait for the Lord“ und einige Titel auf Deutsch.

Kyrie Eleison im Hohen Chor

Ruhig sind die Lieder an diesem Abend - ruhig und besinnlich. Als wenn die Menschen nach dem - zugegeben doch sehr langen - Sommer auf die Rückkehr der Besinnlichkeit gewartet haben, ist die Klosterkirche am Sonntag mehr als voll. Hastig müssen weitere Stühle bereitgestellt werden. Gesangszettel sind aus, lange bevor der musikalische Gottesdienst beginnt. Und alle streben dem Höhepunkt entgegen: Nach minutenlanger Stille, die nicht die Unruhe der Gemeinde, sondern das achtfache Schlagen der Glocken beendet, zieht es die Besucher in den Hohen Chor. Erleuchtet nur vom behaglichen Licht der Kerzen singen die Besucher in der Klosterkirche das „Kyrie Eleison“, getragen vom großartigen Marburger Chor.

Bedächtig lassen die Sänger mit „Dona la Pace Signore“ den Abend ausklingen. Für viele Besucher aber reicht das nicht: Noch lange bleibt die Klosterkirche gut besucht. Noch lange genießen Gottesdienstbesucher die Stille. Noch lange horchen sie in sich hinein.

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