Hatzfeld

Beleidigung kostet Ermisch 500 Euro

- Hatzfeld (rou). Eine Männerfreundschaft schließen Bürgermeister Uwe Ermisch und Stadtverordneter Heinz K. Friedrich in diesem Leben sicherlich nicht mehr. Ihre Dauer-Fehde beschäftigte in den vergangenen drei Jahren das Marburger Gericht.

Bürgermeister und Stadtverordnete sind nicht immer einer Meinung – doch in der Regel beschränken sich die Auseinandersetzungen auf die politische Zusammenarbeit. Anders gestaltet sich das Miteinander von Uwe Ermisch und Heinz K. Friedrich. Seit Jahren sind sich der SPD-Bürgermeister und der FDP-Kommunalpolitiker spinnefeind, sie würdigen sich gegenseitig keines Blickes. Eine eigentliche Kleinigkeit brachte das oft zitierte Fass vor knapp drei Jahren endgültig zum Überlaufen – das Tischtuch ist seitdem zerschnitten.

Und so ist es dazu gekommen: Im Vorfeld einer Parlamentssitzung im Dezember 2007 hatten sich die Hatzfelder Fraktionen und der Magistrat nach Auskunft von Bürgermeister Uwe Ermisch darauf verständigt, dass Dauerthema Autobahn A 4 nicht auf die Tagesordnung der Sitzung zu heben. Im Verlauf der Stadtverordnetenversammlung kam es jedoch anders. FDP-Abgeordneter Heinz K. Friedrich präsentierte eine Resolution – zu der auch eine Mehrheitsentscheidung gefällt wurde.

Über diesen Vorstoß von Friedrich erzürnte sich Ermisch während eines Besuchs einer Gaststätte. Im Verlauf einer Diskussion soll der Bürgermeister gesagt haben: „Dieses kleine dicke Arschloch, der sollte, statt mit Resolutionen Ärger zu machen, lieber nach Spanien fahren, und seine dicken E... dort in der Sonne schaukeln.“

Erinnern könne er sich nicht mehr an diese Aussage, sagte Ermisch gestern auf WLZ-FZ-Anfrage. Allerdings wolle er auch nicht ausschließen, dass er seinen „Unmut laut gemacht“ habe. Andere Gaststättenbesucher trugen Heinz K. Friedrich zu, dass sich Uwe Ermisch derart über ihn ereifert habe. Der FDP-Mann erstattete bei der Staatsanwaltschaft Marburg Anzeige, um sich „gegen die Ehrverletzung durch den Bürgermeister zu wehren“, teilte Friedrich gestern mit.

Das Ergebnis: Wegen Beleidigung und zur Verhinderung eines öffentlichen Strafprozesses zahlte der Hatzfelder Bürgermeister eine Straße von 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung.

Doch damit war die Angelegenheit für Friedrich noch längst nicht beendet. Es folgte ab November 2008 ein Zivilverfahren. Zur Entscheidungsfindung zog das Gericht die Akten des Strafverfahrens heran. Ohne Ergebnis blieb ein Gütetermin vor einem Jahr. Deshalb wurden Ende Mai dieses Jahres erneut die Zeugen des Vorfalls aus dem Dezember 2007 gehört. Während nach Auskunft von Ermisch die eigentliche Klage ebenso wie das Schmerzensgeld abgewiesen wurde und das Gericht eine Teilung der Kosten verhängte, erlegten die Richter dem Bürgermeister auf, „es künftig zu unterlassen, den Stadtverordneten derart zu beleidigen“. Im Wiederholungsfalle riskiere er ein Ordnungsgeld von bis zu 250 000 Euro oder Haft.

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