Frankenberger Einzelhandel

Mit Beratung und Events in die Zukunft

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An einem sonnigen Tag in Frankenberg flanieren viele Menschen durch die Fußgängerzone. Die Frankenberger Kaufleute sind optimistisch, dass das auch in Zukunft so bleibt, wenn sie sich stärker auf Zielgruppen und Internet konzentrieren.Fotos: Patricia Kutsch

Frankenberg - Stirbt der Handel in den Städten und Dörfern aus, weil immer mehr Menschen im Internet bestellen? Der Frage sind die Frankenberger Kaufleute auf den Grund gegangen - und sie sehen eine gute Zukunft durch eine sinnvolle Verknüpfung von Internet und eine gute Beratung im Laden.

Kleider anprobieren, anfassen, bewundern, wie die Stoffe den Körper umschmeicheln - oder doch lieber schnell in der Mittagspause per Mausklick im Internet bestellen ohne in die nächste Stadt fahren zu müssen? Laut Svenja Lambertz vom Institut für Handelsforschung in Köln mögen die meisten jungen Menschen beides (siehe Kasten): „Das ist eine gute Nachricht für den stationären Handel.“ Es zeigt aber auch, dass es für die Unternehmen wichtig ist, sowohl mit einem Laden, als auch im Internet zu finden zu sein - weil der Kunde es so will. „Das ist eine Herausforderung, weil man sich auf zwei Dinge konzentrieren muss.“

Laut Lambertz müssen professionelle und zielgruppenorientierte Konzepte her. „Das Internet wird nicht mehr weggehen und jeder muss schauen, wie er damit umgeht.“ Sie schätzt, dass etwa 20 Prozent der stationären Händler keine Zukunft mehr haben - aber auch 90 Prozent der Online-Händler nicht. Lambertz stellte das Konzept eines Schuhladens vor, der Kunden neue Schuhe kostenlos imprägniert oder zu Schuhkränzchen bei Häppchen und Prosecco lädt. Ein Berliner Modegeschäft biete mittlerweile Beratungen via Webcam.

Den Kaufleuten erklärte Lambertz bei der Veranstaltung der Kasseler Industrie- und Handelskammer, dass auf einer Internetseite ausführliche Produktbeschreibungen wichtig seien, ebenso wie eine übersichtliche Gestaltung oder Blogs mit Tipps, um die Kunden zu binden. Sie erklärte, dass den Deutschen die Retourenabwicklung beim Online-Handel wichtiger sei, als die Pünktlichkeit.

Nach dem Vortrag zeigten sich die Frankenberger Händler André Kreisz, Inge Jakobi und Jürgen Kettschau optimistisch. „Amazon ist eine Riesengeschichte für den Buchhandel“, sagte Jakobi. Dennoch habe der deutsche Buchhandel im vergangenen Jahr wieder ein Plus verzeichnet - während der Verkauf über das Internet gesunken sei. „Das Kulturgut Buch ist Europa in haptischer Form wichtig.“ Viele Kunden suchen Bücher bei Amazon und kaufen sie laut Jakobi dann in ihrem Laden. Auch die Altersgruppe unter 30 sei seit diesem Jahr verstärkt bei ihr Kunde.

Einig waren sich Kettschau und Kreisz, dass sie keine Kapazität haben, um einen großen Online-Versand aufzubauen. „Wir müssen den stationären Handel durch unsere Internetseite und durch Social Media stärken und uns modern präsentieren.“ Kettschau findet es wichtig, sich auf die Zielgruppen zu konzentrieren und diese perfekt zu beraten. „14- bis 17-Jährige kaufen bei uns keine Sportschuhe. Also müssen wir diesen Bereich sein lassen.“ Kreis ergänzte, dass der stationäre Händler immer mehr zum Entertainer werde - die Kunden wollen Events und das Besondere. Jakobi sieht in den jungen Menschen eine Chance für die Zukunft ihres Geschäfts: „Viele junge Menschen lernen Buchhändler. Wenn wir die mitnehmen, einbinden und einstellen, dann investieren wir in die Zukunft.“

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