Mai-Kundgebung in Frankenberg

Bereit für den Kampf um mehr Lohn

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Frankenberg - Der 1. Mai ist der Tag der Gewerkschaften. Seit 125 Jahren setzen sie sich für mehr Chancengleichheit, mehr Lohn, mehr Arbeitnehmerrechte ein. Dass sie dafür noch immer zu kämpfen bereit sind, machten sie am Freitag in Frankenberg deutlich.

Es ist Mai-Wetter: Sonne und Wolken geben am Himmel einen leichten Tanz, die Temperaturen liegen bei 18 Grad. Mag sein, dass deshalb viele dem Bollerwagen mit Bier und Bratwurst den Vorzug gegeben haben vor der zentralen Maidemo an diesem ersten Tag des Wonnemonats. Gut 200 Menschen aus ganz Waldeck-Frankenberg wollen vor der Ederberglandhalle ein Zeichen setzen für das Anliegen der Gewerkschaften. Die geben sich – am 125. „Tag der Arbeiterbewegung“ – trotz überschaubarer Gästeschar kämpferisch.

Gastrednerin ist die Kasseler Verdi-Sekretärin Gisela Horstmann. Sie betont den Gestaltungsanspruch der Gewerkschaften: „Wir bekommen gerade kräftig Gegenwind“, sagt sie mit Blick auf Politik und Wirtschaft. So planten insbesondere CDU und CSU, das Streikrecht einzuschränken. „Wir werden solche Eingriffe nicht zulassen“, ruft Horstmann. Doch sie ist auch gekommen, um die Arbeit der Gewerkschaften zu loben wie zu verteidigen – etwa den Mindestlohn. Dort gebe es unzählige Ausnahmen, etwa für Auszubildende, Langzeitarbeitslose und Jugendliche. Diese Lücken müssten geschlossen werden. „Gleichzeitig gehen ein Drittel aller HartzIV-Gelder an Aufstocker, die von ihrer Hände Arbeit nicht leben können“, tritt sie dem ihrer Ansicht nach bewusst verzerrten Bild vom „faulen Arbeitslosen“ entgegen.Unwürdig sei es, wenn am selben Arbeitsort für die gleiche Arbeit nicht gleicher Lohn gezahlt würde – und ebenso unwürdig, dass mehr als 70 Prozent der Männer im Ruhestand weniger als 1200 Euro und ebenso viele Frauen weniger als 900 Euro Rente bezögen.

Zugleich fordert Horstmann mehr Solidarität der Gewerkschaften untereinander: Auch wenn es nicht immer leicht sei, müssten die DGB-Mitglieder auch zu den streikenden Bahnangestellten der GDL stehen. Zugleich positioniert sie sich aber klar als Befürworterin des Prinzips „ein Betrieb, eine Gewerkschaft“. Schließlich spricht sie auch den Erzieherinnen Mut zu: Die Urabstimmung für einen noch längeren Kita-Streik laufe, am Dienstag soll ausgezählt werden. „Die Stimmung ist kämpferisch“, kündigt sie eine harte Auseinandersetzung an und spricht Lohnunterschiede zwischen Erziehungs- und Sozialberufen sowie etwa Berufsgruppen mit technischem Hintergrund jede Berechtigung ab.Ali Korkmaz von der Islamischen Gemeinde in Frankenberg und zugleich Betriebsratschef auf dem Auhammer, sowie Dekanin Petra Hegmann ziehen in ihren Grußworten Linien vom heutigen Arbeitskampf bis in den Koran und die Bibel. Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß fordert die Gewerkschaften hingegen mit Blick in die Zukunft auf, dafür zu sorgen, dass „das Gut Arbeit“ weiterhin gerecht verteilt bleibt.

Zu den Gastrednern zählt auch Waldeck-Frankenbergs Landrat Reinhard Kubat. Er hätte den Tag zur Eröffnung des Wahlkampfes nutzen können – besinnt sich dann aber vornehmlich auf die historische Bedeutung dieses 125. „Tages der Arbeiterbewegung“. Er erinnerte an einen ihm bekannten Adorfer Bergarbeiter, der mit seinem Beruf früher eine Familie ernähren und ein Haus bauen konnte. Das sei heute kaum mehr möglich – und müsse sich wieder ändern. Auch deshalb sei der 1. Mai „mehr als Würstchen, Bier und Bollerwagen“.

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