Informationen über die gerichtliche Psychiatrie für den neu zusammengesetzten Forensikbeirat in Haina

Besserung und Sicherung für Patienten

Die Klinik für forensische Psychiatrie in Haina ist nur einer der Betriebszweige der Vitos Haina gGmbH. Die Patienten bleiben dort im Durchschnitt 1017 Tage.

Haina (Kloster) - Im vergangenen Jahr hat kein einziger Patient versucht, aus der Klinik für forensische Psychiatrie in Haina und Gießen auszubrechen. Zwei Männer hielten sich allerdings im Entlassungsurlaub nicht an die Vorschriften und blieben unerlaubt länger weg als vereinbart.

In der Sitzung des neu zusammengesetzten Forensikbeirates, der als Bindeglied zwischen Klinik und Öffentlichkeit dient, stellte Dr. Silke Kielisch die gerichtliche Psychiatrie vor. Die stellvertretende ärztliche Direktorin der Klinik für psychisch kranke Rechtsbrecher gab des Mitgliedern des Beirates einen umfassenden Überblick zur Arbeit der Klinik, den Voraussetzungen für eine Aufnahme, Diagnosen und Aufenthaltsdauer.

Die Klinik für psychisch kranke Straftäter besteht seit 1977 und entstand aus dem ersten Hospital für geisteskranke Männer Deutschlands. Sie hat verschiedene Aufgaben: die vorläufige Unterbringung, die Begutachtung, die Behandlung und die Wiedereingliederung von Menschen, die eine Straftat begangen haben.

Die häufigsten Delikte der Forensik-Patienten sind Körperverletzung und Tötungsdelikte. Aber auch Sexualstraftäter und Brandstifter sind in der KFP untergebracht. Die meisten Patienten leiden unter einer schizophrenen Psychose. Die Behandlung in der forensischen Psychiatrie fußt auf Psychotherapie, Straftäterbehandlung, Psychopharmaka - also Medikamente - und Psychosozialtherapie.

Ein Großteil der Patienten kommt zunächst zur Beurteilung nach Haina, erläuterte Silke Kielisch: Die Ärzte stellen fest, ob eine psychische Erkrankung vorliegt, auf der eine Schuldunfähigkeit oder eine verminderte Schuldfähigkeit basiert. Bis zur Hauptverhandlung vor Gericht dürfen maximal sechs Monate vergehen. In den meisten Fällen werde in der Verhandlung eine feste Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet, sagte Kielisch. Weniger als zehn Prozent der Begutachteten seien nicht aufgrund einer psychischen Erkrankung kriminell geworden.

Im Gegensatz zu einem Strafvollzug, also einer Haftstrafe, ist der so genannte Maßregelvollzug in der Psychiatrie potenziell unbefristet. Einige Patienten verbringen tatsächlich den Rest ihres Lebens in der Klinik. Sie machen allerdings nur einen kleinen Teil aus: Im Durchschnitt bleiben die Patienten 1017 Tage in der Forensik. Manche werden schon nach ein, zwei Jahren mit positiver Prognose entlassen - etwa dann, wenn sie gut auf Medikamente reagieren, sagte Kielisch.

Jedes Jahr erstellen Fachärzte eine solche Prognose zur Entwicklung jedes Patienten und prüfen, ob eine Entlassung in Frage kommt. Die Klinik in Haina arbeitet mit Lockerungen in einem Stufensystem, das von gesicherten Einzelzimmern - die sehr an Gefängniszellen erinnern - bis hin zum offenen Vollzug reicht. „Knackpunkte“ im Lockerungsverfahren seien der Ausgang in den Park ohne Aufsicht und ein 72 Stunden langer Urlaub, erläuterte Kielisch. Aber auch nach der Entlassung sind die Patienten nicht ohne Aufsicht: Sie stehen in der Regel fünf Jahre lang unter Führungsaufsicht. Diese kann auch unbefristet angeordnet werden. Um die Nachsorge kümmert sich die forensische Ambulanz.

Im vergangenen Jahr sind zwei Forensik-Patienten aus ihrem Entlassungsurlaub „entwichen“, informierte die Ärztin. Der eine hatte ohne Absprache seine Familie besucht, der andere hatte ein Beruhigungsmittel konsumiert und war nicht rechtzeitig in die Klinik in Haina zurückgekehrt. Keiner von beiden hatte in dieser Zeit weitere Straftaten begangen.

Von Andrea Pauly

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