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Besucher in Seniorenheimen brauchen Negativtest – So setzen Betreiber die Vorgaben um

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Von: Klaus Jungheim, Kira Müller, Philipp Daum

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Testpflicht für Besucher im Altenheim: Viele Seniorenzentren stellten zusätzliches Personal für die Testungen vor Ort ein.
Testpflicht für Besucher im Altenheim: Viele Seniorenzentren stellten zusätzliches Personal für die Testungen vor Ort ein. © Sebastian Gallnow/DPA

Seit Ende 2020 können Besucher in Altenheimen vor Ort getestet werden. Kann das ohnehin schon stark belastete Personal das zusätzliche Angebot bereitstellen? Wir haben nachgefragt.

Waldeck-Frankenberg – Die Infektionszahlen steigen weiter. Um eine fatale Ausbreitung des Coronavirus unter anderem in Seniorenheimen zu verhindern, gelten dort strenge Hygieneregeln.

Nach dem Willen des Landes sind diese seit Ende 2020 auch mit Testmöglichkeiten vor Ort verbunden, die von Besuchern genutzt werden können. Doch kann das ohnehin schon stark belastete Personal in Altenpflegeheimen das zusätzliche Angebot überhaupt bereitstellen? Wir haben in einigen Einrichtungen nachgefragt.

Zusätzliches Personal als Testhelfer eingestellt

In den Seniorenheimen des Kreisverbandes Frankenberg des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Battenberg, Gemünden, Frankenberg und Waldeck-Sachsenhausen werden Testangebote für Besucher vorgehalten.

Diese werden zu bestimmten Zeiten ein bis zwei Mal in der Woche angeboten, schilderte DRK-Kreisgeschäftsführer Christian Peter für die vier Einrichtungen: „In der Regel haben wir dafür zusätzliche Testhelfer auf geringfügiger Beschäftigungs-Basis angestellt, da dies das Personal der Einrichtung nicht auch noch leisten kann.“

Außerdem müssten alle Besucher vor Eintritt in ein Seniorenzentrum ein gültiges Negativtestzertifikat vorweisen bzw. sich vor Ort testen lassen. Dies geschehe entweder an der Pforte oder einem speziell abgegrenzten Bereich der Altentagesstätte.

Verständnis für angespannte Situation der Pflege- und Verwaltungskräfte

Christian Peter: „Viele Besucher bringen derzeit aufgrund der flächendeckend vorhandenen Testzentren den Negativnachweis bereits mit. Allerdings müssen oftmals Besucher auf die geltenden Hygiene- und Testregeln hingewiesen werden, da diese übersehen oder ignoriert werden.“

Das sei eine Belastung für das Personal. „Daher wäre es schön, wenn nicht nur viele, sondern alle Besucher für die angespannte Situation der Pflege- und Verwaltungskräfte Verständnis zeigen würden“, betonte der DRK-Kreisgeschäftsführer.  

Christian Peter
Christian Peter, Geschäftsführer DRK-Kreisverband Frankenberg © Gerhard Meiser

Besucher, Personal und Bewohner werden regelmäßig getestet

Auch in der Alloheim Senioren-Residenz Ederbergland in Frankenberg werden Besucher und Personal beim Betreten des Hauses getestet oder müssen einen Negativ-Nachweis von einer anderen Teststelle vorlegen, berichtet Leiterin Claudia Fajdiga.

Auch die 180 Bewohner werden zwei Mal in der Woche getestet. „Alle Besucher müssen an der Rezeption vorbei. Ohne negativen Test kommt hier niemand rein“, sagt sie. Rund 800 Tests würden die geschulten Mitarbeiter wöchentlich benötigen.

Zusätzlich wurde extra Personal eingestellt, um die Anzahl der Tests stemmen zu können. Auch ein Test, der bei einer zertifizierten Teststelle gemacht wurde, kann vorgelegt werden. „Das machen aber die Wenigsten“, sagt die Leiterin.

Die Nachweise, die bei Ihnen im Haus gemacht werden, gelten auch für zum Beispiel den Einzelhandel oder die Gastronomie, erklärt sie.

Landkreis bietet Unterstützung an

Beim Betreuten Wohnen können auch Personen ohne einen Schnelltest die Angehörigen besuchen. Ab 17 Uhr ist niemand mehr an der Rezeptionen und die Bewohner können die Tür öffnen. „Da sind aber alle sehr vernünftig“, sagt Fajdiga.

Sie bekomme am nächsten Tag einen Zettel an die Rezeption mit Daten zur Kontaktverfolgung. Derzeit haben sie keinen Corona-Fall im Haus. „Wir sind ganz stolz, dass das alles so gut funktioniert“, berichtet die Leiterin.

Wer einen Bewohner des Altenheims besuchen möchte, kann kommen, wann er möchte – feste Besuchszeiten gebe es nicht. Jedoch sollten die Besucher sich dennoch einen Tag vorher anmelden, damit man wisse, wie viele Besucher sich im Haus befinden – meist sind das etwa 15 bis 20 Besucher pro Tag.

Für die Zukunft hat der Landkreis Unterstützung beim Testen angeboten. „Die Pflege hat genug zu tun“, sagt Fajdiga. Die Mitarbeiter könnten durch die Hilfe entlastet werden. Dies sei jedoch alles noch in Planung.

Klingeln, testen lassen, reingehen

„Wir bieten Testungen vor Ort für Besucher schon seit Ende 2020 an“, berichtet Claudia Schneider vom Qualitäts- und Sozialmanagement im Haus am Nordwall in Korbach. Um die Tests durchführen zu können, sind ebenfalls zusätzliche Mitarbeiter eingestellt worden. Zudem würden auch Mitarbeiter der Tagespflege aushelfen, da diese derzeit nicht voll belegt werden könne.

Um die Corona-Tests bei Besuchern durchführen zu können, ist am Haupteingang eine Klingel installiert und ein mobiler Wagen aufgestellt worden. Die Besucher müssen klingeln, den Impfstatus prüfen lassen, einen Schnelltest machen und dürfen erst dann bei negativem Ergebnis das Haus betreten.

Claudia Schneider weist darauf hin, dass auch „Lolly-Tests“ im Einsatz seien. „Diese sind für Bewohner gedacht, die kognitiv die Notwendigkeit der Tests nicht nachvollziehen können oder einen Nasen-Rachen-Abstrich nicht tolerieren.“

Keine zeitliche Begrenzung der Besuche

Im Haus am Nordwall wurde zudem ein Zeitfenster festgelegt, in denen Besucher ohne vorherige Anmeldung zum Testen kommen können. „Insbesondere in dieser Zeit der Einschränkungen sind Besuche für Senioren und Angehörige wichtig. Daher haben wir Besuche nicht zeitlich begrenzt. Es gibt lediglich Einlasszeiten zu den vollen Stunden“, so Claudia Schneider.

„Da wir keine offizielle Teststation sind, dürfen wir aber keine Test-Zertifikate zur Vorlage bei anderen Institutionen ausstellen.“

95 Prozent der Besucher lassen sich vor Ort testen

Im evangelischen Altenhilfezentrum in der Enser Straße in Korbach ist ein Besuch mit negativem Corona-Test jederzeit möglich. Das berichtet Sabrina Fechtner, Referentin für Marketing und Recruiting.

Die Möglichkeit, einen Schnelltest vor Ort zu machen, gebe es ebenfalls: „Die Station befindet sich im Foyer in einem abgetrennten Bereich. Die getesteten Personen warten auf das Ergebnis im Außenbereich oder werden von uns telefonisch informiert.“

Auch hier wurde für die Teststation extra eine Mitarbeiterin eingestellt. „Wir bekommen eine Erstattung für die Beschaffungskosten der Schnelltests sowie für die Personalkosten“, berichtet die Referentin. 95 Prozent der Besucher ließen sich vor Ort testen. (Philipp Daum, Kira Müller Und Klaus Jungheim)

Einlass nur mit Negativ-Test

Alle Besucher (auch Geimpfte und Genesene) von Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, Reha-Kliniken oder Einrichtungen der Eingliederungshilfe müssen laut der geltenden Corona-Schutzverordnung in Hessen einen Nachweis über einen negativen, höchstens 24 Stunden alten Schnelltest vorlegen. Sie können den Negativnachweis auch mit einem PCR-Test erbringen, der dann 48 Stunden gültig ist.

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