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Bewohner der Dodenauer Außengehöfte haben eigene Friedhöfe

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Von: Susanna Battefeld

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Der Friedhof Binsenbach liegt auf rund 600 Meter Höhe oberhalb von Elsoff und ist nur für die Bewohner der sieben Außengehöfte von Dodenau bestimmt.
Der Friedhof Binsenbach liegt auf rund 600 Meter Höhe oberhalb von Elsoff und ist nur für die Bewohner der sieben Außengehöfte von Dodenau bestimmt. © SUSANNA BATTEFELD

Heute ist Totensonntag – auch Ewigkeitssonntag genannt. Viele besuchen an diesem Tag die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen. Für die Bewohner der Dodenauer Außengehöfte wurden einst extra drei eigene Friedhöfe am Waldrand angelegt.

Dodenau - Karlfried Bäumner vom Hof Fallgrube oberhalb Dodenaus besucht nicht nur am Totensonntag das Grab seiner Eltern. Der 72-jährige Landwirt legt auch manchmal auf dem Rückweg von der Viehweide eine Rast auf dem Friedhof Binsenbach ein. „Dann setz’ ich mich für zehn Minuten hier auf die Bank und ruhe mich aus“, sagt Bäumner.

Karlfried Bäumner am Grab seiner Eltern.
Karlfried Bäumner am Grab seiner Eltern. © Battefeld, Susanna

Die Holzbank vor der großen Linde, an deren Stamm ein Kruzifix hängt, und von der man eine traumhafte Fernsicht hat, gehört zu einem außergewöhnlichen Friedhof: Die Ruhestätte auf rund 600 Meter Höhe ist den Bewohnern der sieben dort gelegenen Aussiedlerhöfen vorbehalten.

„Man muss hier wohnen, um hier begraben zu werden“, berichtet der Waldbauer. Es handele sich bei dem idyllischen Ort, der kirchenorganisatorisch zu Dodenau gehört, nicht um einen öffentlichen Friedhof.

Bank auf dem Friedhof Binsenbach bei den Außengehöften von Dodenau.
Bank auf dem Friedhof Binsenbach bei den Außengehöften von Dodenau. © Battefeld, Susanna

Das Recht, dort bestattet zu werden, wurde bereits 1901 „von Amts wegen“ ins Dodenauer Grundbuch eingetragen und ist bis heute für die Familie Bäumner vermerkt. Demnach kann der Besitzer des Wohnhauses mit der Nummer 146 „für sich und seine zur Hausgenossenschaft gehörigen Personen beanspruchen, auf dem gedachten Friedhof beerdigt zu werden.“

Im Gegenzug obliegt den Bewohnern der sieben Höfe die Pflicht, den angelegten Friedhof „in Bau und Besserung zu unterhalten.“ „Das heißt, dass wir und die anderen Familien anteilig jeweils für ein Siebtel der Unterhaltungskosten aufkommen müssen“, erläutert Bäumner. Für die Grabstätte an sich müsse nichts bezahlt werden. „Die Ruhezeit der Gräber ist hier meistens auch länger als auf anderen Friedhöfen, wo man das Nutzungsrecht nach einigen Jahren verlängern muss.“ So sei beispielsweise ein Grab aus 1930 erst kürzlich eingeebnet worden.

Seine Eltern liegen seit 2007 beziehungsweise 2009 dort oben. Nebenan ist das Grab seiner Tante Emma, die auch auf dem Hof Fallgrube gewohnt hatte. 1850 sei der erste seiner Vorfahren dort beerdigt worden. „1872 sind zwei Kinder an der Ruhr gestorben, die wurden auch hier begraben.“

Es gibt auch Urnengräber

Auch einige Urnengräber gibt es inzwischen auf dem eingezäunten Areal. Das sei für ihn aber keine Option, sagt Bäumner: „Ich möchte mal im Sarg beerdigt werden.“ Bis vor wenigen Jahren seien die Grablöcher noch von den Nachbarn – die auch als Träger fungieren – ausgehoben worden. Inzwischen werde aber dafür ein Baggerfahrer beauftragt.

Mangels einer Friedhofskapelle würden die Toten meistens in Ahlertshausen oder Elsoff aufgebahrt. „Die Orte sind jeweils nur drei Kilometer entfernt und damit näher als Dodenau“, berichtet Bäumner. „Zum Teil bleiben die Verstorbenen aber auch in den Häusern und werden von dort zum Friedhof gebracht.“ Er könne sich noch erinnern, dass die Särge früher mit Pferdegespannen transportiert wurden.

Vertrag mit dem Regierungspräsidium

Außer dem oben genannten Friedhof Binsenbach gibt es noch zwei weitere Friedhöfe hoch oben am Wald, am Rand des Rothaargebirges: Einen für den vier Häuser umfassenden Weiler Dachsloch – einem Ortsteil von Bromskirchen – und einen „völlig privaten“, wie Karlfried Bäumner sagt, für die Familien der Höfe Ohelle und Karlsburg.

„Das sind alles keine öffentlichen Friedhöfe“, bestätigt Rainer Wolff, von der Stadtverwaltung Battenberg, der für das Friedhofs- und Bestattungswesen zuständig ist. Die Stadt habe somit mit den Gräbern der Außengehöfte nichts zu tun. „Wir haben nur die Aufgabe, wenn Beerdigungen sind, dem Regierungspräsidium in Kassel Bescheid zu geben, wer gestorben ist und wo er begraben wurde“, sagt Wolff.

Die Stadt Battenberg habe in den 1970er-Jahren einen Vertrag mit dem Regierungspräsidium abgeschlossen, aus dem sich ergebe, dass die – auf privaten Grundstücken gelegenen – drei Friedhöfe weiter benutzt werden dürften. In dem Vertrag sei auch genau aufgeführt, wer das Nutzungsrecht für die Friedhöfe habe.

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