Nabu-Gruppe traf zufällig auf eine Stelle mit zernagtem Holz

Biber-Spuren an der Eder entdeckt

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Diesen Baum fällte mindestens ein Biber an der Eder mit seinen Zähnen. Diese und andere Biber-Spuren sind ein Hinweis auf eine Zuwanderung von mindestens einem Biber. Den nachtaktiven Nager wird man aber kaum zu Gesicht bekommen. 

Frankenberg – Sie waren an der Eder unterwegs, um wie jeden Winter seit 24 Jahren die dort angetroffenen Vogelarten aufzulisten. An jenem Sonntagmorgen machte eine Gruppe von Mitgliedern des Naturschutzbundes (Nabu) aber eine unerwartete und nahezu sensationelle Beobachtung an der Eder unterhalb von Frankenberg: In einem schwer zugänglichen Auwaldbiotop entdeckten sie Biber-Spuren – eine ältere, bereits etwas verwitterte, und viele frische.

Mehr als zehn, meist junge Bäume eines Weichholzes, zwei sogar mit einem Stammdurchmesser von 20 bis 25 Zentimetern, waren von mindesten einem Biber mit dessen messerscharfen Nagezähnen gefällt worden. Die Späne rund um den gefällten Baum weisen eine erstaunliche Größe auf.

Gleichzeitig befand sich am Zulauf eines kleinen Bachs ein angefangener Biberdamm aus Knüppeln, meist mit abgenagter Rinde. Hier wollten die seltenen Nager wohl den Bach aufstauen.

Ob sich an dieser Stelle im Edertal ein einzelner oder gar ein Biber-Paar an die Landschaftsgestaltung machten, ist unklar. Ebenso ist unbekannt, wann sie sich dort niederließen, von wo sie kamen und ob sie jetzt überhaupt noch da sind.

Das von dem oder den Bibern gewählte Biotop erscheint vom Umfeld und von seiner Undurchdringlichkeit her optimal für die Tiere. Eine Ansiedlung wäre eine Bestätigung für die hohe ökologische Wertigkeit der oberen Eder.

„Sehr wichtig für eine eventuelle dauerhafte Ansiedlung dieser nachtaktiven Vegetarier im Sinne des Naturschutzes ist, unbedingt dort Störungen zu meiden“, sagen Naturschützer. Der Fund, der bereits am 29. Dezember gemacht wurde, wurde der zuständigen Oberen Naturschutzbehörde und einem koordinierenden Biber-Experten gemeldet.

Bereits 2013 wurden schon einmal Biber-Spuren bei Frankenberg entdeckt – in den Nemphe-Sümpfen Zu einer Ansiedlung kam es damals jedoch nicht. Im März 2013 wurden am Diemelsee drei tote junge Biber gefunden. Es ist davon auszugehen, dass sie von einem Biber-Paar stammen, das sich bereits 2011 am Diemelsee angesiedelt hatte. Regionale Beobachter gehen davon aus, dass derzeit mindestens zwei Biber-Paare am Diemelsee leben.

„Es wäre schön, wenn es auch an der oberen Eder zu einer dauerhaften Ansiedlung von Bibern käme“, sagen Naturschützer. „Eine ungestörte Ansiedlung wäre eine unschätzbare Bereicherung in der Natur des Landkreises.“

HINTERGRUND

Biber ist ein reiner Pflanzenfresser

Der Kopf-Rumpf-Bereich eines Bibers beträgt 75 bis 100 Zentimeter. Der abgeplattete und nackte Schwanz, den man auch “Kelle” nennt, misst noch einmal bis 35 Zentimeter. Mit einem Gewicht von über 30 Kilogramm bei einem ausgewachsenen Biber wird sogar das Gewicht eines Rehs übertroffen.

Typische Lebensräume (Biotope) für Biber sind Flussauen und Seeufer. Als reine Pflanzenfresser ernähren sich die Tiere im Sommerhalbjahr vorwiegend von weichen, unverholzten Wasser- und Uferpflanzen. Erst mit Ende der Vegetationsperiode fangen sie an, Bäume wie Weiden und Pappeln als Weichhölzer zu fällen, um sich von deren Rinde zu ernähren.

Biber machen keinen Winterschlaf. Sie leben gesellig in Familienverbänden. Ihre Paarungszeit ist der Spätwinter. Biber verbringen den Tag in Höhlen, die sie in steile Ufer mit Eingängen unter Wasser graben, oder in Burgen in Seen, die sie aus zahlreichen Knüppeln errichten.

Diese riesigen Nagetiere waren Mitte des letzten Jahrhunderts bis auf drei kleine Restvorkommen ausgerottet. Ein Jahrhundert später wurde mit Einbürgerungen das erneute Vorkommen der Biber gefördert.  

VON GERHARD KALDEN

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