Leny Schellenberg-de Kreij zeigt Sonderausstellung auf dem Christenberg

Bilder voller Erinnerung

Gartenarbeit: Gertrud Noll, Mutter des Gemündener Pfarrers Hermann Noll, mit blauer Schürze beobachtete die Künstlerin am sommerlichen Blumenbeet. Foto: Völker

Burgwald/Wetter. Menschliche Würde auch im harten Arbeitsalltag, Lebensfreude, Bewegung und zugleich die Melancholie des Alters, bunte bäuerliche Trachten, die sich bald nur noch mit Erinnerungen verbinden lassen - dies alles macht den Reiz der Bilder von Leny Schellenberg-de Kreij aus, die zurzeit im Waldgasthaus auf dem Christenberg zu sehen sind. Eine Sonderausstellung zum 6. Kulturherbst Burgwald lenkt die Blicke vieler Besucher auf Menschen aus dem dörflich-bäuerlichen Leben aus der Region, vor allem aber auf Frauen in Tracht.

Am Anfang waren ihre Nachbarinnen verdutzt. „Darf ich Sie malen?“ hat die in Treisbach bei Wetter lebende Leny Schellenberg-de Kreij, die 1978 aus Holland zugezogen war, eine ältere Frau gefragt. Die Fremde durfte, und sie saß damals auch ganz unauffällig mit dem Skizzenblock in der letzten Kirchenbank, als die Frauen mit weißer Haube und dunkler Tracht zum Abendmahl gingen. Sie beobachtete Henkes Oma, wie sie ihre Ferkelchen über den Hof trieb, begleitete Nachbarin Trinchen mit dem Holzwägelchen zum Backhaus.

Ihr Lieblingsmodell war das „Rabenfrauchen“, eine kleine alte Frau in schwarzer Tracht, die, auf die Hacke gestützt, im Feld die Krähen vom frisch ausgesäten Maisfeld vertrieb. Gebeugte Rücken, vom Wind bewegte Arbeitsröcke, blaue Schürzen mit Faltenwurf - mit dem Skizzenblock, dem Aquarellkasten und den Pastellkreiden ist sie den Frauen ganz nahe gekommen. Dabei sind intensive Freundschaften entstanden. Liebevoll hat sie diese Begegnungen und Bilder in ihrem Buch vom „Rabenfrauchen“ festgehalten.

„Die meisten der Frauen, die ich gemalt habe, leben nicht mehr“, sagt Leny Schellenberg-de Kreij. Eine der letzten Treisbacher Trachtenträgerinnen, die 88-jährige Gertrud Noll, Mutter des Gemündener Pfarrers Hermann Noll, beobachtete sie im Sommer bei der Gartenarbeit. „Sie war ein sehr aufgeschlossenes und kluges Modell“, stellte die Künstlerin fest. Die beiden Pastellkreidebilder von ihr wurden diese Woche fertig und gleich in ihre aktuelle Ausstellung aufgenommen. „Aber es werden wohl die letzten Trachtenbilder sein, die ich jetzt gemalt habe“, schätzt sie.

Auch wenn diese tradierten und von ihr gemalten Lebensformen untergehen, wird die Leny Schellenberg, die vor wenigen Tagen ihr 70. Lebensjahr vollendet hat, weiterhin Landschaften malen. Den Lebensraum um Treisbach hat sie mit allen Veränderungen des Lichts und der Jahreszeiten wieder und wieder dargestellt. Und sie bekennt auf dem Christenberg: „Der Burgwald ist wunderbar.“

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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