Frankenberg

Bischof Hein predigt in Liebfrauenkirche

- Frankenberg (gi-). „Die Liebfrauenkirche ist und bleibt eine der schönsten Kirchen in Kurhessen-Waldeck“, erklärte am Sonntagmorgen Bischof Prof. Dr. Martin Hein zu Beginn seiner Predigt.

Für ihn sei es jedes Mal ein erhebendes Gefühl, diese wunderschöne, 725 Jahre alte Kirche zu betreten. „Und manchmal scheint es mir, als würden wir in diesem Raum, trotz allen Wandels, unmittelbar den Geist der frühen Gotik spüren“, sagte Hein. Als 1286 mit dem Bau begonnen worden sei, habe man als Vorbild die Marburger Elisabethkirche genommen. Doch sei die Liebfrauenkirche bei aller Anlehnung und Imitation etwas Eigenes geworden, unverwechselbar in ihren Proportionen und in den Veränderungen.

„Was hat die Menschen vor 725 Jahren motiviert“, fragte der Bischof, dieser Bau zeuge von der Bedeutung, die man damals einer Kirche beigemessen habe: „Groß und schön sollte sie sein, um möglichst viele Menschen aufnehmen zu können und um ein Stück ‚Himmel auf Erden‘ widerzuspiegeln“. Ein Haus Gottes – und deshalb herrlicher, prächtiger und eindrucksvoller als alle anderen Gebäude in Frankenberg und Umgebung. Und weithin sichtbar im Edertal: „Eben Gott in Frankenberg“.

Die Geschichte des Christentums in der Region sei älter als die Liebfrauenkirche, fuhr Hein fort. Über die Jahrhunderte hinweg habe sie die Geschicke der Stadt begleitet „und ist uns Heutigen als Erbe und Auftrag anvertraut“. Aber schon der weise König Salomo habe gewusst, dass auch sein riesiger Tempel in Jerusalem nicht die ganze Fülle Gottes in sich aufzunehmen könne: „Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen?“ Dieser Einwand habe seitdem­ Bedeutung: Jedes Gotteshaus sei viel zu klein für den, der Himmel und Erde erschaffen habe. Und wie könne man nur glauben, Gott ließe sich in Mauern einzwängen. Denn Gott sei doch überall – im Himmel und auf Erden, im Wald und auf der Heide.

1993, bei der Wiedereinweihung des Berliner Doms, habe der damalige Präses der rheinischen Landeskirche, Peter Beier, mit Pathos gesagt: „Gottes Wort braucht keine Dome.“ – Hein: „Ist die Frankenberger Liebfrauenkirche also ein fundamentales Missverständnis?“ Wie viel soziale Not ließe sich mit dem Geld aller Kirchenbauten beheben. Man sollte nicht in Steine, sondern in Menschen investieren.“

Bischof Hein weiter: „Kirchen, die besonderen Orte, an denen uns Gottes Gegenwart verheißen wird, sind keinesfalls überflüssig.“ Er forderte die Frankenberger auf, sie sollten ihre Liebfrauenkirche weiterhin lieben und erkennen, „was uns mit ihr geschenkt ist“. Abschließend: „Hier hören wir das Wort des Lebens, hier wird uns Schuld vergeben, hier werden wir gestärkt zum Zeugnis und Dienst als Christen in der Welt.“

Musikalisch wurde der Festgottesdienst durch die Kantorei und den Posaunenchor gestaltet, jeweils unter der Leitung von Beate Kötter. Als Liturgen fungierten Dekanin Petra Hegmann, Pfarrer Christoph Holland-Letz und Pfarrerin Felicita Wickert. Anschließend wurde im Festzelt auf dem Kirchplatz zu einem Essen und Kaffeetrinken eingeladen. Bischof Hein verweilte noch eine weitere Stunde in Frankenberg und stellte dabei sein Talent als kurzweiliger Gesprächspartner unter Beweis.

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