Fest im Nationalpark

Blökende Lämmer und gemeine Bachigel

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Ralf Bendt (links) scherte vor den Augen der Besucher beim Nationalparkfest die Heidschnucken, die am Fahrentriesch weiden. Michael Wimbauer unterstützte ihn beim Einfangen der Tiere. Fotos: Patricia Kutsch

Frankenau - Altenlotheim/Bringhausen - Mit besonderem Programm, geführten Wanderungen und kulinarischen Leckerbissen hat das Team vom Nationalpark Kellerwald-Edersee gestern zum achten Mal das Nationalpark-Fest gefeiert.

Mehrere Hundert Wanderer, Familien und Naturfreunde spazierten gestern durch den Nationalpark. Sie besuchten die zahlreichen kleinen Attraktionen, die ihnen beim achten Nationalpark-Fest geboten wurden. In diesem Jahr feierte das Nationalpark-Team am Fischhaus Banfe bei Bringhausen und am Fahrentriesch bei Altenlotheim. Überwiegend zu Fuß kamen die Besucher zu den beiden Veranstaltungsorten. Gefragt war vor allem bei den jüngsten Besuchern die Kutsche, die regelmäßig von Altenlotheim zum Fahrentriesch fuhr und die Gäste dort absetzte.

Begrüßt wurden die Besucher dort den ganzen Tag über von lautem Geblöke: Schäfer Georg Schutte hatte einige seiner mehr als 500 Heidschnucken auf die dortige Weide gebracht. Während die Hütehunde ihre Kreise um die Weide zogen, hatten die Besucher vor allem Augen für die schwarzen und weißen Lämmchen, die sich an ihre Mütter kuschelten, frisches Gras rupften oder lauthals blökten.

„Das da hätte ich gerne“, sagte eine junge Besucherin und zeigte auf eines der schwarzen Tiere. „Ich will es Öhrchen nennen!“ Gestern hatten die Besucher wieder die Möglichkeit, die Patenschaft für ein Lamm zu übernehmen und es feierlich zu taufen. „Die Paten zahlen einen symbolischen Jahresbeitrag und können ‚ihr‘ Schaf im Weide-Alltag bei uns besuchen“, erklärte Schäfer Schutte. Außerdem bekommen die Paten Rabatte auf die Heidschnucken-Produkte von Schutte - etwa das Fleisch der Tiere. Das gab es gestern beim Fest als Heidschnuckengulasch zu kosten. „Es schmeckt weniger nach Schaf, sondern mehr nach Wild“, erklärte der Besitzer. Das liege daran, dass die Heidschnucken im Nationalpark besonders viele Kräuter auf den Wiesen zu fressen fänden.

Von Zeit zu Zeit scherte Ralf Bendt aus Kirchhain vor Zuschauern eines der Tiere. Die Zuschauer staunten nicht schlecht, was für schlanke Körper unter dem dicken, langen Fell der Heidschnucken zum Vorschein kamen. Einmal im Jahr werden die Tiere geschoren. Bei den gestern immer mal wieder einsetzenden Regenschauern musste Bendt seine Arbeit verschieben: Ist das Fell der Tiere nass, lasse die Wolle sich schwer lösen, erklärte er den Besuchern. „Jedes Schaf trägt etwa vier Kilo Wolle“, sagte Michael Wimbauer vom Naturschutzbund, der das Weideprojekt mit den Heidschnucken unterstützt.

Von Achim Frede vom Nationalpark und Carsten Müller vom Naturpark erfuhren die Besucher bei einer Heideführung, wieso Schafe im Nationalpark Kellerwald-Edersee die Wiesen beweiden. Sie zeigten, welche Pflanzen es im Park gibt, versuchten mit den Kindern Tiere zu fangen und erklärten ihre tägliche Arbeit in dem Gebiet.

Am Fischhaus an der Banfe gab es für die Besucher ebenfalls einiges zu sehen: Dort ging es um die mehr als 800 Bäche und Quellen im Nationalpark Kellerwald-Edersee. Uwe Liehr informierte die Besucher über die Wasserqualität und die Lebewesen, die sich im und am Fluss finden. Die Kinder ließ er mit einem Kescher und einem Küchensieb Tiere fangen, um ihnen zu erklären, was sie für Lebewesen entdeckt haben. Der siebenjährige Finn entdeckte unter anderem einen kleinen Bachflusskrebs; gespannt beobachteten die großen und kleinen Besucher auch einen Salamander, der in einem Terrarium saß.

Liehr präsentierte den neugierigen Besuchern den „gemeinen Bachigel“: „Das ist ein sehr seltenes Tier, das es nur in der Banfe gibt“, sagte er bedeutsam und fischte mit der Pinzette eine stachelige Kugel aus einem kleinen Aquarium. Kurz darauf erklärte er den erstaunten Zuhörern lachend: „Es kann sein, dass es auch nur eine Klette ist, die ins Wasser gefallen ist.“

Am Fischhaus gab es passend zum Thema für die hungrigen Forscher neben Kuchen geräucherte Forellen. Eine Tour wurde dort ebenfalls angeboten: Auf einem gemütlichen Spaziergang ging es zum Bloßenberg, an dessen Hängen derzeit die Pfingstnelke blüht.

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